Entspannung an der Eisfront

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Die Eisbrecher Stier, Widder und Büffel befahren gestern den Elbe-Seitenkanal: Die Witterungsverhältnisse lassen jetzt wieder ihren Einsatz zu, damit die Schifffahrt in bisher gesperrten Wasserstraßenbereichen möglichst schnell wieder aufgenommen werden kann.

Uelzen/Landkreis - Von Reinhard Zakrzweski. Am Donnerstag gelingt atlantischen Tiefausläufern der Durchbruch nach Norddeutschland. Sie leiten eine grundlegende Wetterumstellung mit Tauwetter ein. Die Fronten ziehen morgen zuerst mit Schnee, später mit Regen von West nach Ost durch und bringen mit frischen Südwestwinden eine allmähliche Milderung. Diese erreicht mit Tagestemperaturen von 6 bis 8 Grad und frostfreien Nächten am Wochenende ihren vorläufigen Höhepunkt. Dabei fällt zeitweise teils ergiebiger Regen und die Sonne macht sich rar. Ob sich nach einer Abkühlung zu Wochenbeginn im weiteren Verlauf die milden Winde erneut durchsetzen, bleibt abzuwarten.

Schaut man sich die sieben um mindestens vier Grad zu kalten Dezembermonate seit 1850 an, so nimmt die Winterkälte in sechs von sieben Fällen in den Folgemonaten Januar und Februar deutlich ab. In zwei Fällen normalisieren sich die Temperaturen im Restwinter sogar. Nur im Eiswinter 1995/1996 lockerte Väterchen Frost seinen Griff erst Ende März. Für alle wintergestressten Verkehrsteilnehmer und Straßenmeistereien besteht daher nun begründete Hoffnung auf eine zumindest zeitweise Entspannung an der Schnee- und Eisfront.

Das Jahr 2010 endete witterungsmäßig denkwürdig. In der bis 1853 zurückreichenden Lüneburger Klimareihe war der vergangene Dezember zwischen Aller und Elbe mit einer Temperaturabweichung von minus 5,4 bis minus 5,8 Grad der kälteste seit 41 Jahren und der viertkälteste seit mindestens 160 Jahren. Durchziehende Tiefdruckgebiete verwirbelten feuchtkalte und etwas mildere maritime Luftmassen zu teils ergiebigen Schneefällen, die uns eines der sehr seltenen komplett weißen Weihnachtsfeste bescherten, mit einer maximalen Schneehöhe von 23 Zentimeter an Heiligabend in Uelzen.

Ein Jahrhundert-Ereignis war der massive Einbruch sibirischer Kaltluft zum Monatsanfang. Mit einer Höchsttemperatur von minus 6,9 Grad wurde in Uelzen am 1. Dezember das niedrigste Maximum einer ersten Dezemberdekade jemals beobachtet. Nur ein Tag (11. Dezember) blieb frostfrei. Ansonsten trat zumindest Nachtfrost auf (Frosttag), an über zwei Drittel aller Tage sogar Dauerfrost (Eistag).

Die Niederschläge lagen im Kreisgebiet leicht über Soll, während die Schneemenge und die Zahl der 17 bis 20 Schneefalltage für Dezember geradezu historische Ausmaße annahm. Mit maximal 30 Zentimetern wurde der alte Höhenrekord vom 6. Dezember 1980 (21 cm) deutlich überboten. Eine Randerscheinung blieb die Sonne, die um gut ein Viertel zu kurz kam.

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