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Energiekrise: Stadtwerke Uelzen heben Strompreis trotz Wegfalls der EEG-Umlage an

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Von: Lars Becker

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Für rund 8000 Kunden der Stadtwerke Uelzen steigt der Arbeitspreis ab dem 1. August auf 43,35 Cent pro Kilowattstunde – und damit auch der monatliche Abschlag.
Für rund 8000 Kunden der Stadtwerke Uelzen steigt der Arbeitspreis ab dem 1. August auf 43,35 Cent pro Kilowattstunde – und damit auch der monatliche Abschlag. © Lars Becker

Die Energiekrise hat dafür gesorgt, dass die Stadtwerke Uelzen zum 1. August die Strompreise erhöhen werden. Davon sind rund 8000 Kunden betroffen. Kritik an der Informationspolitik dazu weist das Unternehmen zurück.

Uelzen – Unliebsame Post ist jetzt vielen Haushalten in der Hansestadt ins Haus geflattert: Die Stadtwerke Uelzen teilen die „erneute Preisanpassung“ für ihren Grund- und Ersatzversorgungstarif „mycity basis“ mit – samt Anpassung der monatlichen Abschläge zum 1. August.

Wie Unternehmenssprecherin Franziska Albrecht auf AZ-Anfrage mitteilt, sind von der Preiserhöhung etwa 8000 Verträge betroffen: „Damit es bei der Jahresabrechnung keine bösen Überraschungen gibt, haben wir die monatlichen Abschläge neu kalkuliert, um hohe Nachzahlungen möglichst klein zu halten. Die Erhöhung der Abschläge liegt durchschnittlich bei etwa 25 Prozent.“

Müssen Kunden Zählerstände zum Stichtag übermitteln?

AZ-Leser hatten sich anlässlich des Stadtwerke-Schreibens an die Redaktion gewandt. Kritik gibt es gar nicht so sehr an der Preiserhöhung selbst, sondern daran, dass der Energieversorger seine Kunde nicht dazu auffordere, Zählerstände zum Stichtag der Preiserhöhung zu notieren und zu übermitteln.

„Auf meine Nachfrage, wie man die unterschiedlich teuren Preisintervalle korrekt nach den Verbrauchsdaten abrechnen wolle, teilte mir ein Mitarbeiter mit, ich könne Werte ablesen. Dann würde man entsprechend abrechnen. Auf Nachfrage, wie man vorgehen wolle, wenn jemand erst zum Jahresende ablesen werde, kam die wenig überzeugende Antwort, man würde den Verbrauch entsprechend der Monate mitteln und danach berechnen“, sagt eine Leserin.

„Zählerstand zum Stichtag spielt keine große Rolle“

Es sei zu arbeitsaufwendig, alle Kunden anzuschreiben, habe man ihr gesagt. „Das hätte doch gleich im Anschreiben zur Preiserhöhung stehen können. Wer will sich hier vor Mehrarbeit drücken?“, fragt die Uelzenerin, die ergänzt: „Als Verbraucher fühle ich mich ein Stück weit hinters Licht geführt, zweifle eine wirklich verbrauchsgerechte Abrechnung an.“

Franziska Albrecht erklärt dazu: „Eine Berechnung der Zählerstände ist für die Abschlagsanpassung zum 1. August mit den uns vorliegenden Daten aus den Vorjahren sehr gut möglich. Daher spielt für uns der Zählerstand zum Stichtag keine große Rolle, so dass wir nicht aktiv darauf hingewiesen haben. Wer möchte, kann den Zähler-Zwischenstand gern dem Service-Center mitteilen.“

Kritik „in diesem Fall unberechtigt“

Selbstverständlich nehme das Unternehmen Kritik ernst. „In diesem Fall halten wir sie allerdings für unberechtigt. Wir versuchen, unserer Verantwortung als regionales Energieversorgungsunternehmen transparent und zuverlässig gerecht zu werden. Wir alle leben in einer extrem angespannten Situation und müssen Herausforderungen meistern. Die Energiepreise sind desaströs – wir können sie als Stadtwerke nicht allein abfedern. Hier ist aus unserer Sicht ganz klar der Staat in der Pflicht einzugreifen“, so Albrecht.

Sie betont: „Die aktuelle Energiekrise stellt uns vor große Herausforderungen. Allein der Preis von Erdgas ist in den vergangenen zwölf Monaten um rund das Vierfache gestiegen. Entlastungen, die in unserer Hand liegen, geben wir selbstverständlich an unsere Kundschaft weiter – wie den Wegfall der EEG-Umlage. Doch eine Preissenkung ist angesichts der angespannten Lage an den Energiemärkten nicht in Sicht. Sobald wir in der Lage sind, bessere Angebote zu machen, werden wir unseren Kunden diese proaktiv anbieten.“

Einziger Tarif im Angbeot der Stadtwerke

Der Tarif „mycity basis“ mit 100 Prozent Ökostrom ohne feste Laufzeit ist der einzige, den die Stadtwerke aktuell anbieten. Der Grundpreis bleibt zum 1. August bei 96 Euro pro Jahr, aber der Preis für die Energiebeschaffung erhöht sich von 20,428 auf 25,622 Cent pro Kilowattstunde. Der Gesamt-Arbeitspreis steigt dann von 41,60 (noch mit 3,723 Cent EE-Umlage) auf 43,35 Cent brutto – ohne EEG-Umlage. Nur im Juli greift der Preis von 37,17 Cent je Kilowattstunde durch den Wegfall der EEG-Umlage.

„Wir befinden uns in einer Krisensituation, in der keiner einschätzen kann, wie die Lage im Winter aussieht. Aber was wir unseren Kunden versichern möchten, ist, dass wir sie auch künftig zuverlässig mit Strom und Gas beliefern werden – darüber muss sich niemand Sorgen machen“, erklärt Franziska Albrecht.

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