Angeklagter klaute, um seinen Drogenkonsum zu finanzieren

Endstation mit 34 Jahren

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Drogen bestimmen den Alltag von Christian B.. Mit gerade einmal 34 Jahren ist er körperlich am Ende.

Uelzen. Christian B. schlurft in Begleitung von zwei Justizvollzugsbeamten in den Gerichtssaal, nimmt langsam auf dem Stuhl für den Angeklagten Platz. Wenn Richter Thomsen ihn etwas fragt, dauert es lange, bis er seine Sätze vollendet. B. scheint Probleme zu haben, seine Gedanken zu ordnen.

Sein Auftreten zeigt, was Drogen aus ihm gemacht haben.

Sein Leben hätte ganz anders verlaufen können. Der Uelzener hatte eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner begonnen, dann aber abgebrochen. Er könnte eine Familie haben – stattdessen bestimmen Drogen seinen Alltag. Mit 34 Jahren ist er körperlich am Ende. Er ist Frührentner und hatte mehrere epileptische Anfälle. „Wenn er seinen Lebensstil nicht ändert, ist es fraglich, ob er in zwei Jahren noch am Leben ist“, sagt seine Anwältin. Der seit seiner Jugend Drogenabhängige musste sich jetzt vor dem Amtsgericht Uelzen wegen vier Fällen von gewerbsmäßigem Diebstahl verantworten – bei einem wurde ihm vorgeworfen, ein gefährliches Werkzeug bei sich gehabt zu haben.

„Wir verhandeln heute mal wieder gegen Christian B..“ Staatsanwalt und Beschuldigter sind alte Bekannte. Kein Wunder: 19 Einträge weist B.s Auszug aus dem Bundeszentralregister auf. Seit seiner Jugend gab es kaum ein Jahr, in dem er nicht straffällig geworden ist: Diebstahl, fahrlässiger Vollrausch, unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln und der Handel damit, Unterschlagung, Trunkenheit im Verkehr und Fahren ohne Führerschein. „Da ist ganz schön was zusammengekommen“, resümiert Richter Thomsen.

Jetzt werden ihm vier Diebstähle zwischen Januar und März diesen Jahres vorgeworfen. In einem Uelzener Supermarkt klaute er einen DVD-Player, eine elektrische Zahnbürste in einer örtlichen Drogerie. In einem hiesigem Baumarkt ließ er ein Dremelwerkzeug mitgehen – und in einem Handyladen Kopfhörer im Wert von 230 Euro. Brisant: Als Christian B. das Werkzeug stahl, hatte er ein Messer in seiner Hosentasche.

Der Angeklagte räumte alle Taten ein. Den DVD-Player und die Kopfhörer habe er selbst benötigt, Zahnbürste und Werkzeug wollte er verkaufen, um sich Drogen zu beschaffen. Christian B. betont: „Ganz ehrlich, zwei bis drei Tage war ich komplett nicht anwesend in mir.“ Nach seiner letzten Haftentlassung ging er zur Suchtberatung, brach aber nach kurzer Zeit wieder ab. Weder ein Gutachter noch der Bewährungshelfer, die vor Gericht aussagten, wollten eine positive Prognose abgeben.

„Sie haben mehrfach betont, dass sie ohne Drogen gar nicht leben wollen“, erläuterte Richter Thomsen seine Sicht. Darum folgte das Gericht der Forderung der Anklage und nicht dem Wunsch der Verteidigerin, die für eine Bewährungsstrafe plädierte. Christian B. muss ein Jahr und zwei Monate ins Gefängnis. Auch, wenn er nicht vor hatte, das Messer in seiner Hosentasche einzusetzen, werteten es Richter und Schöffen als gefährlichen Gegenstand.

Von Sandra Hackenberg

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