Der traditionsreiche Uelzener Hof wird zu Wohn- und Geschäftshaus umgebaut

Ende eines Dauer-Leerstands

Verändert hat sich in knapp einem Jahrzehnt Leerstand kaum etwas: Sogar ein Bett dieses Hotelzimmers ist noch bezogen.

Uelzen. „Schlank und fit dank Milch“, verspricht die Ausgabe von Readers Digest. Der letzte Gast von Zimmer 11 hat sie liegenlassen – vor neun Jahren.

Das Bett ist noch bezogen, doch geschlafen hat hier niemand mehr seit Oktober 2002 – aus diesem Monat nämlich stammt das Heft mit den Schlankheitstipps, das seitdem unbeachtet auf dem Nachttisch liegt. Seit Herbst 2002 ist der Uelzener Hof an der Lüneburger Straße nicht mehr Hotel und Restaurant, sondern ein langsam vor sich hin gammelndes Gebäude. Und schon in wenigen Monaten wird wohl nur noch die Fassade stehen von dem ehemaligen Brauhaus, das erstmals im Jahr 1591 urkundlich erwähnt wird.

Das letzte Jahrzehnt gehört zu den traurigen Kapiteln in der Geschichte eines der traditionsreichsten Uelzener Gasthäuser. Denn seit seiner Schließung wegen der Nichterfüllung von Brandschutzauflagen gilt der Uelzener Hof als Symbol für Leerstände in 1a-Lage, die die Stadt Uelzen in vielen Straßen beklagt. Doch das ist bald Geschichte: Der Bauunternehmer Horst Saevecke will den Schandfleck wieder in neuem Glanz erstrahlen lassen. „Wenn es gut läuft, können wir im Februar mit dem Abriss beginnen und im April mit dem Neubau“, sagt er. Stehenbleiben soll in jedem Fall der vordere Bereich, dessen Fassade unter Denkmalschutz steht.

Derzeit aber arbeitet der Architekt noch die Pläne aus für rund 20 Wohnungen in vier Etagen, Geschäftsräume im Erdgeschoss, eine Tiefgarage und einen gläsernen Innenhof. Bis zu drei Millionen Mark soll das Projekt kosten, die Detailplanung bedeutet viel Arbeit – bei einem Gang durch das Gebäude weiß man auch warum.

Ortstermin mit Horst Saevecke vor dem Uelzener Hof. Der Bauunternehmer hat eine Taschenlampe gezückt. Die ohnehin schon kleinen Fenster sind mit Holzplatten verrammelt, schon kurz hinter der Eingangstür wird klar: Dies ist eine Reise in die Vergangenheit.

Am Empfangstresen hängen noch die Schlüssel für die Zimmer, wenige Meter weiter auf der Bar finden sich eine angebrochene Flasche Weißwein und ein Likör. Alles sieht nach überhastetem Aufbruch aus, von einer plötzlichen Einstellung des Betriebes von einem Tag auf den anderen. Stühle und Tische im Restaurant finden neue Verwendung, „die haben sich vor wenigen Tagen die Männer von der IDA rausgeholt“, weiß Saevecke.

Zwei Stockwerke höher – die Hotelzimmer. 41 Doppelbetten gab es im Uelzener Hof. Die Tapeten sind mal dunkelbraun, mal hellblau gesprenkelt. Und die meisten Betten noch bezogen... „Kopf einziehen“, heißt es an jeder Ecke, viele Holzbalken sind auf einer Höhe von gerade mal 1,80 Meter verlegt. Die Gänge sind verwinkelt, schnell verliert man die Orientierung. „Aus Sicht des Brandschutzes ist das hier ein einziger Albtraum“, sagt der Bauunternehmer – wenn im Uelzener Hof wirklich ein Feuer ausgebrochen wäre, hätte es eine Katastrophe geben können.

Seit Jahren steht das frühere Hotel in der Zwangsvollstreckung, Horst Saevecke hat im Juli den Zuschlag für rund 130  000 Euro. Über die Um- und Neubaupläne hat er sich viele Gedanken gemacht. Natürlich hat er als Geschäftsmann auch ein wirtschaftliches Interesse an dem Projekt, „aber als Uelzener will man natürlich auch seinen Beitrag für das Stadtbild leisten“, betont er. Deshalb lässt er nicht das gesamte Gebäude abreißen, sondern will den vorderen Teil nur entkernen.

Der Bau wird dann deutlich vergrößert, reicht an der Lüneburger Straße etwa bis zu der Stelle, an der jetzt das Riesenrad auf dem Weihnachtsmarkt steht, und im hinteren Bereich bis an die Hoefftstraße heran. „Die Stadt Uelzen hat sich bei den Planungen sehr kulant gezeigt“, betont Saevecke.

Die rund 20 Wohnungen dürfte er problemlos verkaufen können, schon während des Rundgangs rufen mehrfach Interessenten auf dem Handy an und erkundigen sich, ob schon ein Grundriss vorliege. „Man merkt, dass bei den Menschen Wohnen in der Stadt wieder angesagt ist“, erklärt der Bauherr.

Die Pläne sollen Ende des Jahres fertig sein. Und schon bald kann dann die Tafel an der Hausfassade, die die wechselvolle Geschichte des Gebäudes dokumentiert, um die Jahreszahl 2012 ergänzt werden – „Umbau und Erweiterung zum Wohn- und Geschäftshaus“.

Von Thomas Mitzlaff

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