Ein Jahr und zwei Monate Haft auf Bewährung

Wut und Alkohol: 59-Jähriger wegen Brandstiftung verurteilt

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Ein Auto brannte am 14. Dezember vergangenen Jahres am Krempelweg völlig aus, ein weiteres wurde beschädigt – der Brandstifter, ein 59-Jähriger, wurde gestern zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Uelzen. Jede Menge Wut im Bauch und zu viel Alkohol im Blut – diese unglückliche Mischung hat am 14. Dezember vergangenen Jahres dafür gesorgt, dass aus einem bis dato unauffälligen Bürger ein vorbestrafter Mann wird.

Wegen Brandstiftung hat das Amtsgericht Uelzen gestern den 59-jährigen Angeklagten zu einem Jahr und zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der Mann hatte eingeräumt, an dem besagten Abend im Dezember am Krempelweg in Veerßen das Auto seines Nachbarn angezündet zu haben, weil es ständig Streitereien gegeben habe. Ein daneben stehender Pkw war dabei in Mitleidenschaft gezogen worden.

„Ich ärgere mich heute noch, dass ich das getan habe“, zeigt sich der Angeklagte reumütig und einsichtig, denn ihm ist klar: „Dadurch habe ich meine weiße Weste verloren.“ Die Tat gebe er zu, er werde auch die Konsequenzen daraus tragen, hatte der Mann bereits im Vorfeld der Verhandlung angekündigt. Eine zeitaufwändige Beweisaufnahme blieb damit allen Beteiligten erspart. Warum sich der Frührentner zu der Brandstiftung habe hinreißen lassen, könne er sich aber selbst nicht mehr erklären.

„Das kann ich ganz schlecht nachvollziehen. Aber wenn ich in mich gehe, dann habe ich das Auto absichtlich angezündet“, sagt der Angeklagte. Und der Vorsitzende Richter bescheinigt ihm, dabei ganze Arbeit geleistet zu haben: „Da ist nicht mehr viel von übrig“, stellt er mit Blick auf die Fotos aus besagter Nacht fest. Dass ein zweiter Wagen Schaden nehme, habe er nicht gewollt, betont der Mann mit der lauten, klaren Stimme. Passiert sei es dann aber doch, „weil ich stark betrunken war“.

2,05 Promille hatte eine Blutprobe bei dem Angeklagten ergeben, der sich selbst als Alkoholiker bezeichnet. Die Einnahme von Schmerzmitteln und Psychopharmaka sowie der Umstand, seit Tagen nichts gegessen zu haben, taten ihr Übriges.

Mit seinem Nachbarn habe es immer wieder Reibereien gegeben. „Der hat meine Freundin angespuckt und alte Frauen beleidigt, und im Zustand geistiger Umnachtung habe ich dann gedacht: Dem wischst du mal eins aus“, sagt der 59-Jährige über den jungen Mann aus, der gestern Mittag die Verhandlung als Zuhörer verfolgt und das Geschehen immer wieder mit Kopfschütteln quittiert. Im Gegensatz zu dem Angeklagten sei der Nachbar übrigens durchaus bei Gericht bekannt, wirft der Vorsitzende Richter ein.

Doch an der Brandstiftung gibt es nichts zu rütteln, da sind sich Staatsanwalt, Schöffengericht und Verteidigung einig. Und der Vorsitzende Richter gibt dem 59-Jährigen nach der Urteilsverkündigung mit auf den Weg, sich Hilfe wegen seines Alkoholproblems zu suchen. Zwei Therapien habe er bereits hinter sich, entgegnet dieser. Doch der gestrige Tag werde ihm eine Lehre sein, versichert er: „Da ich hier heute vor Gericht sitze, das erste Mal in meinem Leben, habe ich mir fest vorgenommen: Du musst irgendwas machen. Und ich versuche den Weg so zu gehen, dass ich den Alkohol sein lasse.“

Von Ines Bräutigam

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