„Emotional ist das echt fies“

Corona-Lockdown: Die AZ fragt Musiker, Künstler und andere Kulturschaffende

Ein Bild aus besseren Zeiten: Den Auftritt an der Eisbahn auf dem Herzogenplatz habe sie 2020 am meisten vermisst, sagt Jennifer Weiß, Sängerin der Uelzener Band „Heart Rock Café“.
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Ein Bild aus besseren Zeiten: Den Auftritt an der Eisbahn auf dem Herzogenplatz habe sie 2020 am meisten vermisst, sagt Jennifer Weiß, Sängerin der Uelzener Band „Heart Rock Café“.
  • Daniel Bieling
    vonDaniel Bieling
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Wieder Lockdown, wieder liegt das künstlerische und kulturelle Leben in Uelzen brach. Die AZ fragt Musiker, Künstler und andere Kulturschaffende, wie sie diese turbulente Zeit erleben. Heute: Jennifer Weiß von „Heart Rock Café“.

Uelzen – Wie beschreibt eine Vollblutmusikerin eine Zeit, in der weder Proben noch Konzerte möglich sind? „Traurig“, fasst Jennifer Weiß, Sängerin der Uelzener Band „Heart Rock Café“, zusammen.

Kein einziger Auftritt sei für die Band 2020 möglich gewesen, schildert Weiß. „Heart Rock Café“ – eine Band, die sich mit ihren Cover-Versionen bekannter Songs auf Stadtfesten und anderen Veranstaltungen einen Ruf als Garant für gute Stimmung erarbeitet hat. Doch diese verblasst zunehmend.

Auftritte auf dem Tag der Bundeswehr, dem Uelzener Stadtfest, der Eisbahn auf dem Herzogenplatz: „2020 sind viele tolle Sachen weggebrochen“, beklagt Weiß. Gerade das Konzert auf der Eisbahn sei immer ein Highlight, das sie jetzt am meisten vermisst habe: „Wenn man an der Eisbahn steht, dann geht einem doch das Herz auf.“ Trotz des Stresses, die vielen Weihnachtslieder aufs Neue einüben zu müssen.

„Wir haben alle das Glück, dass wir davon nicht leben müssen“, sagt Weiß, die zurzeit eine Umschulung zur Erzieherin macht. „Nichtsdestotrotz ist das auch fürchterlich für uns.“ Das fängt schon bei kleinen Dingen an, wie zum Beispiel bei den Erinnerungen an vergangene Konzerte, die bei Facebook angezeigt werden. „Emotional ist das echt fies“, sagt Weiß.

Auch gemeinsames Proben ist derzeit nicht möglich – und hat laut Weiß sowieso wenig Sinn, wenn man damit auf keinen Auftritt hinarbeitet. „Wenn ich probe, will ich auch wissen wofür“, meint Weiß. „Und das ist nun mal, um auf die Bühne zu gehen.“ Zwar gebe es Anfragen für Konzerte, Weiß und ihre Kollegen sind jedoch skeptisch, ob diese stattfinden können.

Ganz untätig will die Band aber trotz allem nicht bleiben. „Wir gucken jetzt, dass wir zum Beispiel auf mehrstimmigen Gesang eingehen“, sagt Weiß. Außerdem werde an Konzepten gearbeitet, um ein weiteres konzertloses Jahr zu verhindern. Auftritte mit Stühlen, die mit Abstand aufgestellten werden, seien eine denkbare Alternative – wenn auch nur bedingt. Denn Weiß kennt die Tanzfreude ihrer Fans: „Die Neue Deutsche Welle vor einem sitzenden Publikum zu spielen, ist sinnbefreit.“

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