Prognosen und tatsächliche Anmeldezahlen der vier Oberschulen im Kreis weichen deutlich voneinander ab

Der Elternwille: Rechnung mit vielen Unbekannten

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Uelzen/Landkreis. „Die Einführung der Oberschulen führte zu einem völlig veränderten und nicht vorhersehbaren Anwahlverhalten der Eltern“, sagt der kommissarische Leiter der zum 1. August gegründeten Oberschule Ebstorf, Jörg-Dietrich Kaufmann.

Er stellt fest, dass die Daten des im vorigen Jahr von der „Projektgruppe Bildung und Region“ angefertigten Gutachtens zur Schulentwicklung im Kreis Uelzen deutlich von den tatsächlichen Anmeldezahlen abweichen.

Für die Hauptschule in Ebstorf beispielsweise waren für das vergangene Schuljahr 14 neue Fünftklässler prognostiziert worden. Tatsächlich meldeten die Eltern jedoch 22 neue Hauptschüler an. Das gleiche Bild zeigt die Entwicklung der Ebstorfer Realschule. 39 Anmeldungen für die 5. Klasse wurden vorausgesagt, 52 Schüler wurden dort neu angemeldet. Für beide Schulen zusammen bedeutet das eine Differenz von 39,6 Prozent.

Ein ähnliches Bild ergibt sich in diesem Jahr: 61 neue Schüler werden im Gutachten für die Haupt- und Realschule, die inzwischen in der neuen Oberschule aufgegangen sind, in den 5. Klassen erwartet. Tatsächlich angemeldet wurden in dieser Jahrgangsstufe der Oberschule Ebstorf jedoch 87 Schüler. Das sind 42,6 Prozent mehr als vorausgesagt. Differenzen, mit denen sich nicht gut planen lässt.

Einer von vielen Gründen für das Auseinanderlaufen von Prognosen und tatsächlichem Anmeldeverhalten der Eltern in diesem Schuljahr: die Schulbezirke. Die sind nicht etwa neu zugeschnitten worden, aber sie haben durch die Schaffung der Oberschulen eine veränderte Bedeutung erlangt. Bislang gab es beispielsweise aus Wriedel viele Schüler, die an der Kooperativen Gesamtschule Bevensen angemeldet wurden. Sie ist die einzige KGS im Kreis, eine „Angebotsschule“, so der amtsdeutsche Ausdruck, und darf von Eltern kreisweit angewählt werden.

Allerdings ist sie auch eine Schule mit rund 1900 Schülern. Die Oberschule in Ebstorf hat derzeit 470 Schüler und ist so etwas wie eine KGS im Kleinformat. Und vor allem dürfen Eltern aus Wriedel sie anwählen. Die Ebstorfer hatten in Wriedel und in Bienenbüttel Werbung für ihre Schule gemacht und aus beiden Orten kamen Anmeldungen, berichtet Jörg-Dietrich Kaufmann im Gespräch mit der AZ. Sogar aus der KGS Clenze kämen nun Schüler zurück an die Ebstorfer Schule, deren Einzugsgebiet sich jetzt auch auf Uelzen erstreckt. Schüler aus Westerweyhe, die bislang zur Theodor-Heuss-Realschule in Uelzen hätten gehen müssen, können sich jetzt an der Oberschule in Ebstorf anmelden, denn Uelzen hat bislang keine Oberschule. Umgekehrt allerdings verliert die Oberschule Schüler aus Gerdau und Eimke. Die waren traditionell stark in Richtung Ebstorf orientiert, müssen jetzt aber nach Suderburg gehen, weil es dort ebenfalls eine Oberschule gibt. Bei Schulen gleichen Typs müssen die Einzugsbezirke eingehalten werden.

Ein Umstand, der der Suderburger Oberschule zu Gute kommt. 32 Neuanmeldungen wurden dort im laufenden Schuljahr registriert, ausreichend für zwei Klassen. Das gleiche Bild herrscht an der Oberschule Rosche: Dort gibt es 29 Schüler in der neuen 5. Klasse, mehr als erwartet und ebenfalls ausreichend für eine Zweizügigkeit.

Wenig Begeisterung hingegen kommt aus Bodenteich über die Schülerzahlen: 44 neue Fünftklässler, auch hier genug für zwei Klassen, „aber erwartet hatten wir etwa 70 Schüler“, erklärt Heidegrit Siemeke, kommissarische Leiterin der Oberschule. „Uns fehlt eine komplette Realschulklasse.“ Auch in Bodenteich haben bereits in den vergangenen Jahren die tatsächlichen Schülerzahlen und die des Schulgutachtens nicht zusammengepasst.

Siemeke hatte bereits vor Wochen im Kreis-Schulausschuss gewarnt, die Eltern würden ihre Kinder an anderen Schulen, vor allem wohl Gymnasien, anmelden, solange man ihnen nicht ein schlüssiges Konzept für die neue Schulform anbieten könne. Das wird derzeit erst erarbeitet. „Jetzt ist bei uns genau das passiert, wovor ich gewarnt habe“, erklärt Siemeke.

Alle Oberschulen müssen derzeit ihr individuelles Schulkonzept entwickeln. Zu klären ist, ob die Schüler schulformbezogen unterrichtet werden sollen, das heißt getrennt nach Haupt- und Realschülern, oder jahrgangsbezogen, also mit Haupt- und Realschülern zusammen in einer Klasse.

Diese Wahl ist nur eine theoretische. In Suderburg fehlen schlicht die Hauptschüler, um eine eigene Klasse aufzumachen. In Rosche verfolgt man ein besonderes, integratives Konzept, das auch die Beschulung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf beinhaltet.

In Ebstorf und Bodenteich ist man derzeit noch gezwungen, schulformbezogen zu unterrichten. Voraussetzung für einen integrativen, jahrgangsbezogenen Unterricht ist dort nicht nur das Konzept, es müssen auch noch Baumaßnahmen durchgeführt werden (AZ berichtete). Darunter fällt vordringlich die Schaffung eines gemeinsamen Lehrerzimmers für alle Lehrer, zwingende Voraussetzung für das Zusammenwachsen von zwei Kollegien.

Im kommenden Schuljahr aber wird das Kultusministerium die Lehrerstunden jahrgangsbezogen zuweisen. Mit anderen Worten: Eine Kürzung auf dann 28 Lehrerstunden pro Klasse steht den Oberschulen schon jetzt in Aussicht – im Unterschied zur KGS, die 32 Lehrerstunden behält.

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