Diskussion um den Unterricht von Schülern im Landkreis Uelzen

Elternbefragung sorgt für Zwist

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Eine Diskussion um den Unterricht von Schülern ist im Landkreis Uelzen entbrannt. Jetzt ist eine Elternbefragung geplant.

Uelzen/Landkreis – In den kommenden Monaten wird der Landkreis Eltern befragen. Es soll dabei nicht nur um eine mögliche weitere Gesamtschule gehen. Das steht nun nach einem Mehrheitsbeschluss fest. Die Entscheidung missfällt vor allem den kleinen Fraktionen im Kreistag.

Es war die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) im Kreistag, die eine Elternbefragung ins Spiel gebracht hat. Anfang April war das, als noch im Raum stand, dass wegen womöglich zu vieler Anmeldungen an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Bad Bevensen das Los über einen Schulplatz entscheiden könnte. Jetzt, Anfang Juni, ist klar: Ein Losverfahren ist nicht nötig, die Anmeldezahlen haben das hohe Niveau der Vorjahre nicht erreicht. Die Lage in der Schullandschaft bleibt aber schwierig – findet nicht nur die Wählergemeinschaft.

Denn zu dem Bild gehört nicht nur die KGS im Norden, die wegen der hohen Anmeldezahlen über Platznot klagte, sondern dazu gehören auch Oberschulen im Landkreis, die in den letzten Jahren schwindende Schülerzahlen zu vermelden hatten. Zuletzt hat sich noch eine Elterninitiative gebildet. Sie macht sich für den Aufbau einer Integrativen Gesamtschule (IGS) stark, eine Schulform, die es bisher so im Landkreis noch nicht gibt. Ein hoher Zulauf bei der KGS und eine Initiative für eine IGS – die Gesamtschulen scheinen für Eltern ein Thema zu sein, sagte sich die UWG, wollte aber Klarheit mit der Elternbefragung schaffen. Ermittelt werden sollte, wie viele Eltern ihre Kinder gerne an einer Gesamtschule sehen würden.

Seit dieser Woche steht fest: Eine Befragung der Eltern wird es definitiv geben, aber sie wird sich nicht um das Thema Gesamtschule drehen. Es soll grundsätzlicher gefragt werden – welche Wünsche gibt es hinsichtlich der Schullandschaft?

Andreas Dobslaw, SPD

Andreas Dobslaw, Vorsitzender der SPD im Kreistag, sagt, seine Fraktion sei, wenngleich es unterschiedliche Auffassungen gebe, mehrheitlich für eine breite Befragung gewesen. Er selbst wolle, dass eine Schullandschaft entstehe, die auf möglichst große Akzeptanz stößt. Deshalb dürfe nicht nur nach einer Schulform gefragt werden.

Auch die CDU sprach sich für eine grundsätzliche Befragung aus – „nur nach einer Gesamtschule zu fragen, wäre zu kurz gesprungen“, sagt Hans-Heinrich Weichsel von den Christdemokraten. „Das ist nur Schwarz und Weiß.“ Es müsse grundsätzlicher zugehen, vor allem den Eltern auch Informationen an die Hand gegeben werden. Denn eine neue Schule werde Auswirkungen auf andere Bildungseinrichtungen haben. Ähnliches ist von der AfD-Fraktion zu hören. „Die Eltern müssen richtig informiert werden, was eine IGS für eine Veränderung mit sich bringen würde“, so Thomas Kohlmeyer.

Rainer Fabel, FDP

Mit Kopfschütteln reagiert die FDP auf solche Einlassungen. Rainer Fabel erinnert daran, dass jeden Tag Kinder aus dem Süden in den Nachbarkreis fahren würden, um dort die IGS in Clenze zu besuchen. Das müsse doch Gründe haben. Es seien Jungen und Mädchen, die im Landkreis Uelzen an den Schulen fehlen. Sein Fraktionskollege Léonard Hyfing verweist auf den Schulausschuss Mitte Mai, bei dem es eine Mehrheit für eine Befragung zu den Bedarfen hinsichtlich eines Gesamtschulangebotes gegeben hatte. Er habe kein Verständnis dafür, dass dies noch einmal gekippt worden sei. Das sei „Machtarroganz“.

Auch die Grünen finden deutliche Worte zum Kurswechsel nach dem Schulausschuss. Allgemeine Wünsche abzufragen, bringe weder Klarheit noch Rechtssicherheit. Die Grünen stoßen sich auch an dem festgelegten Zeitplan, wonach nun die Befragung bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. Der Schulausschuss wollte noch eine Befragung bis Ende September. „Vertagen und verwässern“, das sei die Absicht des neuen Beschlusses, so die Grünen.

Alfred Meyer, UWG

Und was sagt die UWG, die den Stein ins Rollen brachte? Alfred Meyer meint, man habe mit Vehemenz auf eine Befragung bis Ende September gedrängt. „Wir hören von Eltern, dass sie sich eine Entscheidung wünschen“, so Meyer. Also müsse man auch voranschreiten. Von einer generellen Befragung halte man nichts: „Am Ende machen wir es so kompliziert, dass die Eltern den Bogen gar nicht abgeben werden.“

VON NORMAN REUTER

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