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Elektrofachmarkt Expert: Millionen-Investition am Standort Uelzen

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Von: Lars Becker

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Sohn Philipp und Vater Peter Meinecke bauen ihren Elektrofachmarkt am Meisterweg im laufenden Betrieb ab Januar zum Vorzeigeobjekt ihrer Branche um. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf eine Million Euro.
Sohn Philipp und Vater Peter Meinecke bauen ihren Elektrofachmarkt am Meisterweg im laufenden Betrieb ab Januar zum Vorzeigeobjekt ihrer Branche um. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf eine Million Euro. © Lars Becker

Peter und Philipp Meinecke, die Geschäftsführer des Expert Hanse-Verbundes mit 105 Mitarbeitern an den Standorten Uelzen, Lüneburg, Salzwedel und Wittenberge, bauen ihren fast 2100 Quadratmeter großen, 1998 eröffneten Elektrofachmarkt am Meisterweg in der Hansestadt ab Januar 2022 in einem Volumen von rund einer Million Euro um.

Uelzen - Es ist die vierte Baumaßnahme nach 2003, 2010 und 2013 – es ist aber auch die umfangreichste. Das Konzept dahinter ist speziell, der Anspruch ehrgeizig. AZ-Redaktionsleiter Lars Becker hat Vater und Sohn Meinecke zum Interview getroffen.

Sie tätigen eine Millionen-Investition in unsicheren Zeiten für den Einzelhandel – Stichworte Corona und Online. Warum?

Peter Meinecke: Wir glauben fest an die Zukunft des stationären Handels. Sicher hat der Onlinehandel während der Lockdowns kräftig hinzugewonnen. Häufig wird ja die Meinung verbreitet, die Kunden wollten nur noch online kaufen. Das deckt sich aber nicht mit unseren Erfahrungen. Viele schätzen die persönliche Beratung. Sie möchten Dinge sehen, anfassen und ausprobieren, bevor sie kaufen. In der Corona-Krise haben staatliche Restriktionen die Käufer ins Internet getrieben, der stationäre Handel wurde ohne Begründung und ohne gutachterliche Nachweise geschlossen.

Welche Ziele verfolgen Sie dann also konkret mit dem bevorstehenden Umbau?

Philipp Meinecke: Im Grunde haben wir die Vision, das veränderte Kaufverhalten einfließen zu lassen und den Fokus auf die Dinge zu legen, die Online nicht bieten kann. Wir wollen die neuesten Erkenntnisse hinsichtlich der Kundenwünsche implementieren. Es gibt aber auch faktische Erfordernisse: Nach unserem letzten Umbau 2013 haben sich einige Sortimente stark verändert, sie sind kleiner oder größer geworden, ganz verschwunden oder neu hinzugekommen. Ein gutes Beispiel sind CDs und DVDs – hier nutzen viele Menschen Streaming-Dienste, wir passen das Sortiment an die veränderte Nachfrage an. Auf der anderen Seite gewinnt beispielsweise die zunehmende Vernetzung von Geräten eine wichtigere Rolle, die im Laden erlebbar gemacht werden muss. Dadurch bekommen fast alle Sortimente einen neuen Platz.

Wie kann man sich das im Detail vorstellen?

Peter Meinecke: Ein Stichwort ist „Erlebnishandel“. Das bedeutet: Man kann die Ware anfassen, ausprobieren und live in Funktion erleben. Wichtig ist uns, komplette Lösungen darzustellen und nicht einfach nur Regale mit einem ausgepackten Gerät und Kartons darunter. Und es muss vollumfänglich sein – bis hin zu Beratung, kompletter Bedarfsermittlung und Installation zu Hause beim Kunden. Darauf legen wir einen deutlich stärkeren Fokus als unser Wettbewerb.

Können Sie ein Beispiel dafür nennen, wie Sie die solche Komplettlösungen präsentieren wollen?

Philipp Meinecke: Eigentlich wollten wir noch nicht so viel verraten, aber gut... Wir bauen eine Wohnung ein – und zwar dort, wo jetzt unsere Hifi-Abteilung ist, rund 60 Quadratmeter groß. Hier wollen wir repräsentative und auch mal wechselnde Geräte so zeigen, wie sie zuhause beim Kunden stehen könnten, inklusive Küche, Wohnzimmer-Entertainment und Homeoffice-Lösung. Ergänzt wird das durch Komponenten aus dem SmartHome-Bereich, also Lichtsteuerung, Energieoptimierung, Heizungssteuerung, Alarmtechnik und vieles mehr. Das ist für uns ein spannendes Projekt, nach unserem Wissen gibt es so etwas bisher in Deutschland nicht. Über die Küche können wir unsere Kunden bewirten, können am Wochenende auch mal Kochvorführungen planen.

Wann sind diese Pläne entstanden und gereift?

Philipp Meinecke: Lassen Sie mich überlegen: Ich bin jetzt etwas mehr als vier Jahre dabei, dann war das ein Prozess, der fast drei Jahre gedauert hat. Irgendwann haben wir angefangen, etwas herumzuspinnen. Seit Sommer sind die Pläne noch einmal gereift. Wir haben uns im Prinzip unsere Halle so vorgestellt, als wäre sie komplett leer. Dann haben wir das Thema Smartphones ins Zentrum geholt, weil davon ganz viel ausgeht. Danach kam eins zum anderen, eigentlich bleibt jetzt kein Regal dort, wo es jetzt ist. Wir haben wirklich viel Respekt davor, aber es ist auch ganz viel Euphorie dabei. Ein erfahrener Architekt von Expert unterstützt uns, es gibt ganz viele Treffen vor Ort. Vor allem haben wir ganz stark auf unsere Mitarbeiter gesetzt. Sie haben sich mit großem Engagement kreativ eingebracht, wofür wir sehr dankbar sind. Schließlich habe sie das Ohr am Kunden und wissen aus ihrer täglichen Arbeit, wo Verbesserungsbedarf besteht.

Ändert sich die Einrichtung grundsätzlich?

Peter Meinecke: Einige Warenträger bleiben natürlich, die sind zeitlos. Vieles wird aber attraktiver dargestellt, die Produkte werden mehr hervorgehoben und sind besser zu begutachten. Wir setzen verstärkt auf Markenwelten wie beispielsweise Telekom, Miele, Sonos, Loewe, Apple, Dyson oder auch Weber Grill.

Wollen Sie vor allem auch neue Kundengruppen ansprechen?

Philipp Meinecke: Idealerweise ja. Aber grundsätzlich sprechen wir weiter die breite Zielgruppe in der Region an: von Jung bis Alt, vom Preiseinstieg bis zur High-End-Premiumklasse. Wir wollen nicht nur die Zukunft zeigen, sondern ganz wesentlich realistische und zeitgemäße Konzepte für heute.

Was passiert in dem Zusammenhang mit dem Service-Bereich?

Philipp Meinecke: Wir schaffen hier tatsächlich einen Durchbruch und wollen der immer engeren Verzahnung von Verkauf und Service Rechnung tragen. Zu kompletten Lösungen gehört auch ein umfangreiches, neu aufgestelltes Dienstleistungskonzept, beispielsweise für die Einrichtung von Smartphones und Notebooks oder einer Einweisung von Neueinsteigern, Beratungen und Installationen zu Hause. Hier könnte ich sehr viel mehr aufzählen, das würde den Rahmen aber sprengen. Unsere Firmenphilosophie besagt, dass wir kein Laden sein wollen, wo der Kunde einfach nur seinen Bedarf deckt. Wir wollen ihn zum Verweilen einladen. Wir bekommen moderne Sitzgruppen und Beratungsplätze, wo man in Ruhe bei einem Kaffee mit einem Berater sprechen kann. Am Ende möchten wir eine Wohlfühl-Atmosphäre schaffen.

Über allem schwebt heute das Thema Nachhaltigkeit. Wie berücksichtigen Sie das bei ihrem Umbau?

Peter Meinecke: Wir werfen so wenig wie möglich alten Ladenbau weg, stattdessen wird der aufgewertet. Die gesamte Lichtanlage wird auf LED umgestellt, eine Riesenstromersparnis. Wir erweitern parallel unsere Photovoltaik-Anlage um ca. 30 auf dann insgesamt 80 KW. Unseren Stromverbrauch decken wir damit fast komplett selbst. Und wir bekommen digitale Preisschilder, was nicht nur Prozesse vereinfacht, sondern jede Menge Papier und Toner für Drucker spart. Unsere Fassade werden wir auch neu gestalten, möglicherweise etwas nachgelagert. Dabei werden wir nicht alles neu machen, sondern ressourcenschonend auf dem Bestand aufbauen.

Wie lange dauert der Umbau und kann das Geschäft währenddessen geöffnet bleiben?

Philipp Meinecke: Wir planen eine Umbauzeit von circa drei Monaten ein, alles bei laufendem Betrieb – außer am Ende fürs Fine-Tuning. Hierzu hat der Ladenbauarchitekt einen exakten Plan erstellt. Wir werden die Zeit mit attraktiven Aktion begleiten und alles dafür tun, dass es keine Einschränkungen beim Einkaufen für unsere Kunden gibt. Sollte es zwischendurch doch mal etwas hakeliger oder lauter werden, hoffen wir auf Nachsicht. Los geht’s Ende Januar.

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