Einspruch rechtzeitig „storniert“

Missglücktes Parkmanöver am Helios-Klinikum endet vor Gericht ohne Urteil

Ein alter Führerschein in Papierform.
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Den Führerschein musste der Renter abgeben.
  • Lars Becker
    vonLars Becker
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Uelzen – War es nun ein Rums, Bums, Knall oder nur ein dumpfes Geräusch? Und passte dieser „Sound“ wirklich zu dem, was einem 75-jährigen Mann aus Uelzen im Einspruchsverfahren gegen einen Strafbefehl über 500 Euro (25 Tagessätze zu je 25 Euro) von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wurde?

Diese Fragestellungen hätte Richter Rainer Thomsen mit Hilfe von vier Zeugenaussagen und einem aufwendig erstellten Gutachten in Form eines Urteils beantworten sollen. Am Ende kam es in einem Fall von Unfallflucht aber nicht dazu, weil der Rentner auf der Anklagebank in Absprache mit seinem Verteidiger nach der zweiten Zeugenaussage den Einspruch gegen den Strafbefehl doch noch zurückzog.

Es ging um einen klassischen Rempler beim Einparken von 14. Mai diesen Jahres unmittelbar vor dem Eingangsbereich des Helios-Klinikums am Hagenskamp. Der 75-Jährige hatte seine Frau abholen wollen, die als Patientin entlassen werden sollte. Beim Rückwärts-Einparken hatte es dann gekracht – vor den Augen bzw. Ohren einer 45-jährigen Frau und deren Mutter sowie eines Medizintechnikers. Sie alle registrierten eindeutig optisch wie akustisch das missglückte Parkmanöver, während der Unfallfahrer für sich reklamierte, weder etwas gehört noch eine Erschütterung durch die Kollision mit dem Auto einer Krankenschwester mitbekommen zu haben.

Seit 51 Jahren schon am Steuer

Die Verteidigung wollte darauf hinaus, dass Baulärm aus der Nachbarschaft für das „ominöse Geräusch“ verantwortlich gewesen sein könnte, das die Zeugen vernommen hatten. Eine plausible Erklärung dafür, dass der Angeklagte – seit 51 Jahren im Besitz des Führerscheins – nach dem mutmaßlichen Unfall auf der Straße stehen geblieben und zum Nachschauen ausgestiegen war, konnte sie aber auch nicht liefern. Zudem hatte der Mann behauptet, es nach dem ersten „missglückten“ Einparkversuch vorwärts geschafft zu haben, was die Zeugen aber verneinten.

Die Uelzerin (45) und der Medizintechniker (56) aus Rosche hatten sich das Kennzeichen des Verursachers notiert bzw. sogar mit dem Handy abfotografiert, sich außerdem an der Rezeption des Klinikums erkundigt, ob der 75-Jährige vor dem Abholen seiner Frau Kontaktdaten wegen des Unfalls hinterlassen hatte. Das war nicht der Fall gewesen – so kam die Polizei ins Spiel, die dem Mann das unerlaubte Entfernen von der Unfallstelle vorgeworfen und den Führerschein sichergestellt hatte.

Der Sachschaden am Fahrzeug des Unfallopfers hatte sich auf mehr als 2300 Euro beziffert, er ist inzwischen reguliert. Insofern ging es dem Angeklagten vor allem darum, eine Chance zu haben, den Führerschein zurückzubekommen. Die Sperrfrist von drei Monaten durch den jetzt rechtskräftigen Strafbefehl ist fast vorbei – zeitnah kann der Antrag gestellt werden. Im Falle eines Urteils wäre der Tagessatz übrigens doppelt so hoch ausgefallen...

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