1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Stadt Uelzen

Einsatzkräfte des DRK-Kreisverbands Uelzen fahren nach Ahrbrück

Erstellt:

Von: Theresa Brand

Kommentare

Schäden im Ahrtal vor einem Jahr
Die Schäden der Flut vom Juli des vergangenen Jahres sind allgegenwärtig. An vielen Stellen ist Baulärm zu hören, doch in den nächsten Jahren gibt es hier noch viel zu tun. © DRK

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal haben sich Einsatzkräfte des DRK Uelzen auf den Weg dorthin gemacht. Vor Ort treffen sie Helfer wieder. Dort hat sich einiges getan, aber die Zerstörung ist immer noch allgegenwärtig.

Uelzen – Ein Jahr nach der Flutkatastrophe machten sich jetzt zwei Einsatzkräfte des DRK-Kreisverbandes Uelzen auf den Weg ins rund 460 Kilometer entfernte Ahrtal.

Eigentlich war geplant, dass alle fünf Einsatzkräfte, die vor einem Jahr mit der Medical Task Force 3 des Bundes (MTF) der Bereitschaft Kreis Uelzen in Ahrbrück eingesetzt waren, diesen Besuch wahrnehmen. Allerdings verhinderten Krankheit und berufliche Verpflichtungen drei Einsatzbeteiligte daran, die Reise anzutreten. So ging es für Dominik Fayaud und Sascha Heinze allein auf die Reise, ohne zu wissen, was sie vor Ort erwarten würden. „Es ist ein wenig vergleichbar wie vor einem Jahr. Da starteten wir auch aus Uelzen und wussten nicht, was uns vor Ort erwarten würde“, sagt Sascha Heinze.

Bereits auf dem Weg dorthin fällt auf: Von Normalität kann keine Rede sein. Nach wie vor sind Straßen gesperrt, massiv beschädigte Häuser sind zu sehen. Plakate und Banner mit Danksagungen erinnern an das, was tausende Menschenhände in den letzten zwölf Monaten beim beginnenden Wiederaufbau geleistet haben. In Ahrbrück angekommen, fällt vor allem eines auf: Baulärm. „Diesen Baulärm haben wir uns erhofft“, sagt Sascha Heinze. Zu hören und zu sehen, wie Baufirmen und Privatpersonen auch am Wochenende Häuser sanieren, Stromleitungen verlegen und Gärten anlegen, habe zu einem guten Gefühl geführt.

Die beiden DRKler haben mit Anwohnern gesprochen, Fragen gestellt, wie es ihnen im Jahr nach der Katastrophe ergangen ist. „Zugegeben, die Gesprächsverläufe waren überraschend“, sagt Heinze, „Wir haben nicht einen Menschen getroffen, der sich über sein persönliches Leid beschwert hat oder dieses in den Vordergrund stellte. Vielmehr ging es immer um Nachbarn, bei denen die Versicherung nicht zahlte, weil es eine Flut war und kein Hochwasser, oder zum Beispiel um einen örtlichen Biker-Treff, bei dem zwar die Versicherung zahlte, die Behörde aber mit der Baugenehmigung auf sich warten lässt.“

Im weiteren Verlauf des Tages kam es auch zu einem Treffen mit dem alten und dem neuen Wehrführer der Feuerwehr Ahrbrück. Beide haben eng mit den Einsatzkräften des DRK Uelzen zusammengearbeitet. Fayaud und Heinze hörten gespannt zu, als die Feuerwehrmänner über Erlebnisse aus dem Einsatz berichteten. Dabei wurde deutlich, wie viel in den nächsten Jahren dort noch zu tun sein wird. Die Ortschaft Ahrbrück beispielsweise ist komplett vom Schienennetz der Deutschen Bahn abgeschnitten. „Dort wird laut der DB frühestens 2025 wieder ein Zug fahren können“, sagt Sascha Heinze.

Das Abwassernetz im Ahrtal, das in den vergangenen 80 Jahren nach und nach entstanden ist, wird in Ahrbrück noch über einen sehr langen Zeitraum von einer mobilen Hilfskläranlage ersetzt werden müssen. Und auch der Flusslauf der im Vergleich zu 2021 winzig wirkenden Ahr muss von Trümmerteilen und Holzbruch befreit werden. Natürlich haben auch die allgemein bekannten Lieferprobleme von Baumaterial, bedingt durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg, ihren Anteil am langwierigen Wiederaufbau.

„Es war erschreckend zu hören, welche tiefgreifenden Veränderungen die Flut für die Ortsgemeinde Ahrbrück mit sich führen wird. Viele haben ihr Haus an Investoren verkauft oder erhalten keine Genehmigung mehr für einen Neubau. Der dadurch unausweichliche Wegfall der beispielhaften Dorfgemeinschaft lassen die Hoffnung auf eine wiederkehrende Normalität schwinden“, erzählt Heinze und ergänzt: „Das Gespräch mit den Ahrbrücker Feuerwehrkameraden war eine wichtige Möglichkeit für uns, um über die Einsatzerlebnisse sprechen zu können und ein Stück weit einen Abschluss des Katastropheneinsatzes für uns zu finden.“

Die beiden Uelzener hatten auch etwas im Gepäck. Durch die Spendenaktion der Hansestadt Uelzen, des Kreisfeuerwehrverbandes und des DRK Uelzen kam die beachtliche Summe von über 64 000 Euro zusammen. Fayaud und Heinze sollten herausfinden, wo dieses Geld am sinnvollsten eingesetzt werden könnte. In den Gesprächen wurde immer wieder ein Gemeinschaftsplatz am Flusslauf der Ahr angesprochen, der durch die Flut zerstört worden war. „Es ist der Wunsch, dass schnellstmöglich wieder ein Ort der Begegnung dort entsteht“, erzählt Heinze. Abstimmungsgespräche mit Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt und dem Kreisfeuerwehrverband sollen demnächst stattfinden. Markwardt hatte bereits im vorigen Jahr Kontakt mit seinem Ahrbrücker Amtskollegen aufgenommen und wird dieses Projekt mit begleiten.

Auch interessant

Kommentare