Gesucht, gefunden, gebellt, gerettet: Ein Besuch bei der Uelzener Rettungshundestaffel

Einsatz auf vier Pfoten

+
Gefunden und Hilfe herbeigebellt: Ute Garbow (rechts) spielte die vermisste Person, Rasputin spürte sie auf. Hundeführerin Alexandra Mosbach (links) war kurz darauf mit ihrem Australian Shepherd „Rasputin“ zur Stelle.

Uelzen/Bad Bevensen. Es ist stockdunkel im Wald, eiskalter Wind fegt durch Bäume und Gestrüpp. Eine kleine Gruppe Menschen kauert regungslos im Unterholz. Stille – bis auf ein leises Klingeln in der Ferne.

Als das Geräusch näher kommt wird es von einem kleinen roten Blinken begleitet, das Kreuz und Quer zu eilen scheint. Dann durchschneiden Lichtkegel die Dunkelheit.

Szenen wie diese spielen sich häufiger ab auf dem Gelände des ehemaligen Hamburgischen Krankenhauses in Bad Bevensen. Immer dann nämlich, wenn die Uelzener Rettungshundestaffel (RHS) des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hier trainiert. Die Staffel besteht aus derzeit fünf Teams, die sich aus jeweils einem Vier- und einem Zweibeiner zusammensetzen. Seit Ende vergangenen Jahres gibt es die Truppe, zwei Mal pro Woche proben sie den Ernstfall. Dabei wird simuliert, dass sich in einem weitläufigen Gelände vermisste Personen befinden, die durch die Hunde aufgespürt werden müssen. „Bei uns werden derzeit nur Flächensuchhunde ausgebildet“, berichtet Alexandra Mosbach von der RHS Uelzen. Im Gegensatz zu Personenspürhunden, sogenannten Mantrailern, folgen die Hunde also nicht einem individuellen sondern einem unspezifischen menschlichen Geruch. Bevor das Training beginnt, bekommen die Tiere eine Kenndecke angelegt. Daran ist eine Klingel und ein rotes Lämpchen befestigt, sodass Herrchen und Frauchen auch in unübersichtlichen Situationen wissen, wo die Spürnase gerade ihre Arbeit verrichtet. Außerdem prangt ein großes rotes Kreuz auf der Weste des Tiers. Es symbolisiert den Vermissten, dass ihnen durch den Hund keine Gefahr droht, sondern Rettung naht. Doch auch der zweibeinige Teil des Teams ist gefragt, wie Mosbach erklärt: „Wichtig ist auch die Route, die der Mensch vorgibt. Denn je nach Gelände und Richtung des Windes beispielsweise muss die Suchstrategie gewählt werden.“ Wenn der Wind die Gerüche vom Suchhund wegwehe, habe dieser natürlich keine Chance, Witterung aufzunehmen. Bei günstigen Bedingungen können die Tiere Gerüche aus bis zu 1000 Metern Entfernung wahrnehmen. Ist der Hund fündig geworden, zeigt er dies durch verbellen an: „Das heißt, er bleibt bei der gefundenen Person und bellt, bis die Helfer vor Ort sind“, erklärt Mosbach. Bevor es tiefer in den Wald geht, suchen die Rettungshunde zum Aufwärmen nur auf kurze Distanzen. Dann beginnt das Training unter realistischen Bedingungen: In einem zuvor abgesprochenen Abschnitt des Geländes wird sich versteckt, während sich ein Such-Team bereit macht.

Beim Warten auf die Rettung ist man heilfroh, nicht allein zu sein und die Übung zur Not auch abbrechen zu können. Doch schließlich ist der Australian Shepherd „Rasputin“ vor Ort und bellt sein Frauchen herbei. Die Hunde befinden sich im Privatbesitz der Hundeführer. Ihr Einsatz – für den sie zu jeder Zeit bereit stehen – wird durch Polizei, Feuerwehr oder den Katastrophenschutz angefordert. Anlass kann ein verirrter Pilzsammler sein, ebenso wie ein vermisstes Kind oder Demenzkranker. Das Training, die Ausbildung von Hund und Halter sowie die Einsätze erfolgen ehrenamtlich. „Es macht richtig viel Spaß, mit den Hunden zu arbeiten“, ist Ute Garbow bereits nach kurzer Zeit überzeugt. Sie und ihr Border Collie „Puzzle“ sind seit etwa sechs Wochen dabei. Auch weitere Neuzugänge sind beim vielbeinigen Uelzener Suchtrupp immer gern willkommen.

Von Gesa Friedrich und Karsten Tenbrink

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare