Einsamer Tod in Oldenstadt

In dieser Oldenstädter Reihenhaussiedlung lebte Herbert K. – drei Wochen lang vermisste niemand den 63-jährigen Frührrentner.

Uelzen-Oldenstadt - Von Thomas Mitzlaff. Wie lange Herbert K. (Name geändert) tot in seiner Oldenstädter Wohnung lag, kann niemand so genau sagen. Etwa drei Wochen mögen es gewesen sein, schätzt die Uelzener Kriminalpolizei. Drei Wochen, in denen offenbar niemanden auffiel, dass der 63-Jährige gar nicht mehr seine Wohnung verließ. Drei Wochen, in denen es weder Verwandte oder Freunde noch Nachbarn gab, die den Frührentner vermissten. Als schließlich der Briefkasten überquoll und Fenster schwarz wurden, alarmierten Nachbarn die Polizei.

„Wir haben die Wohnung öffnen lassen und den Leichnahm eines Mannes gefunden, der offenbar schon vor längerer Zeit verstorben war“, bestätigt Kripo-Chef Jan-Olaf Albrecht auf Nachfrage der AZ. Die Ermittler gehen von einem natürlichen Tod aus, für ein Fremdverschulden gebe es keinerlei Anzeichen.

Dass Menschen einsam sterben, unbemerkt von ihrem näheren Umfeld, war früher ein Phänomen, das es vor allem in Großstädten gab. „Auch bei uns kommt das jetzt immer wieder vor“, bestätigt Albrecht einen Trend, den Fachleute seit längerem beobachten: Die zunehmende Vereinsamung auf dem Lande.

Die Ursachen sind vielschichtig. Zum einen waren die familiären Strukturen früher anders, ein wesentlicher Grund ist aber auch die höhere Lebenserwartung. Die Menschen werden immer älter. Somit leben immer mehr Senioren mit immer weniger jüngeren Angehörigen auch im ländlichen Umfeld. Doch es gibt Bestrebungen, gegenzusteuern – die Mehrgenerationenzentren in Uelzen und Ebstorf sind Beispiele dafür. Bundesweit existieren mittlerweile über 500 solcher Einrichtungen.

Ein Weg kann es sein, Senioren an moderne Technologien heranzuführen. So gab es im DRK-Mehrgenerationenzentrum an der Ripdorfer Straße jüngst einen Computerkurs, in dem über sechs Monate erste Grundkenntnisse vermittelt wurden. „Wir möchten bald soviel können, wie unsere Töchter“, eiferten zwei Teilnehmerinnen und „ich möchte zukünftig schnell und unkompliziert mit meinen Kindern im Ausland korrespondieren“, nennt ein Teilnehmer als sein Kursziel. Und der Kurs selbst war übrigens generationsübergreifend.

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