Stellenabbau mit „Freiwilligen-Programm“ / Arbeitnehmer müssen zustimmen

Einigung zum Eiswerk

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Eis und Tiefkühlbackwaren wie Brezeln und Croissants werden im Uelzener Werk hergestellt. In den letzten Monaten war unklar, wie es mit dem Betrieb weitergehen soll. 

Uelzen. Sieben Monate liegen hinter den Beschäftigten des Uelzener Werkes für Eis und Tiefkühlbackwaren, in denen sie stets den Weg zur Arbeit mit gemischten Gefühlen angetreten haben dürften.

Würden ihre Arbeitsplätze erhalten bleiben? Der Betreiber „Froneri“ hatte im vergangenen Sommer Entlassungen und Lohneinschnitte angekündigt, sogar eine Schließung des Werkes war nicht ausgeschlossen worden, wenn man sich bei anstehenden Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite nicht einigen würde. Nun scheint die Zeit der Ungewissheit ein Ende zu haben. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite verständigten sich in dieser Woche auf Eckpunkte zu den Fragen, wie die Mitarbeiter künftig entlohnt werden und wie der Betrieb sich personell aufstellt. Einen Stellenabbau wird es demnach geben.

Am Dienstag war es, wie die AZ erfuhr, zu einem Vier-Augen-Gespräch zwischen Matthias Casanova, Geschäftsführer beim Werksbetreiber „Froneri“, und Steffen Lübbert von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) gekommen, bei dem sich die beiden im Grundsatz verständigten. Durch die „Einigung“ könnten Standortgarantien für die Eis-Produkion bis Ende 2021 und für die Tiefkühlbackwaren-Produktion bis Ende 2019 ausgesprochen werden, sagt Matthias Casanova.

Zu Details, beispielsweise wie viele Mitarbeiter genau ihren Job verlieren werden, wollte der Geschäftsführer zunächst keine Angaben machen. Geplant war, mindestens 104 Stellen in der Eisproduktion und 15 weitere in der Tiefkühlbackwaren-Abteilung abzubauen. Zudem sollten Saisonkräfte durch Leiharbeiter ersetzt werden. Zurzeit zählt das Werk noch 360 Beschäftigte. So viel ließ sich Casanova entlocken: Beim Stellenabbau setzt Froneri auf ein „Freiwilligen-Programm“ mit „finanziellen Anreizen“. Heißt: Jeder, der freiwillig geht, bekommt den Abgang finanziell versüßt. Am Froneri-Standort Nürnberg, auch dort waren Stellenkürzungen im vergangenen Sommer angekündigt worden, habe man damit gute Erfahrungen gesammelt.

Die Zurückhaltung, was die einzelnen Inhalte der Vereinbarung betrifft, begründet Casanova damit, dass Details noch zu Papier zu bringen und von der NGG noch zu verabschieden seien.

Das bestätigt Steffen Lübbert. Er nennt das Gespräch mit Casanova „zielführend“. In der Woche ab dem 9. April werde nun noch einmal die Tarifkommission zusammenkommen, um „Feinheiten“ zu besprechen. Es sei geplant, die Vereinbarung am 22. April den NGG-Mitgliedern vorzulegen, die dann über diese zu entscheiden hätten. Er nennt als Zugeständnisse an die Arbeitgeberseite unter anderem einen Verzicht von Tariferhöhungen in nächster Zeit und auch, dass mehr Stunden auf Arbeitszeitkonten der Mitarbeiter gebucht werden könnten.

Von Norman Reuter

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