Eine Stadt der Kinder

Kinder tragen Uniformen, und der Stadt sind Buchstaben bei einer Katastrophe abhandengekommen. Im Theaterstück wird ein Blick in die Zukunft gewagt.
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Kinder tragen Uniformen, und der Stadt sind Buchstaben bei einer Katastrophe abhandengekommen. Im Theaterstück wird ein Blick in die Zukunft gewagt.

Uelzen – Die Schauspielerin Jacqueline Maria Rompa hat ein Theaterstück über Uelzen geschrieben und es mit Kindern eingeübt. Zweimal hat es inzwischen die Corona-Krise verhindert, dass das Werk vor großem Publikum aufgeführt werden konnte.

Die Uelzener haben dennoch die Chance, es zu sehen.

Es heißt im Volksmund: Erst hast du kein Glück, und dann kommt Pech hinzu. Aber die in Wrestedt lebende Schauspielerin Jacqueline Maria Rompa will nicht klagen, auch wenn die Corona-Pandemie es inzwischen in diesem Jahr zum zweiten Mal verhindert hat, dass ihr Kinderensemble mit einem Stück über Uelzen vor großem Publikum auftreten konnte. „U ZEN – Auf der Suche nach dem verlorenen EL“ aus ihrer Feder, so kündigt Rompa an, wird dennoch bald zu sehen sein.

„Ich wollte Uelzen zum Stadtjubiläum ein Geschenk machen“, berichtet sie. So haut Rompa in die Tasten, und es entsteht, noch bevor Corona in aller Munde ist, das Stück, das einen Blick in die Zukunft wagt. Noch einmal sind 750 Jahre vergangen. „Und es hat eine Katastrophe gegeben“, sagt Rompa. Die Stadt ist eine andere geworden. Es herrscht Notstand, und es gelten strenge Regeln. Und in der Stadt leben ausschließlich noch Kinder, weil alle Erwachsenen nach im Stadtnamen verloren gegangenen Buchstaben Ausschau halten müssen. Als sich schließlich auch die Kinder auf die Suche begeben, finden sie mehr als nur Lettern.

Wie Rompa sagt, sei ihr aufgefallen, dass in den vergangenen Jahren in der Gesellschaft das Miteinander verloren gegangen ist. Es existierte mehr ein Nebeneinander. Eine Entwicklung, die sie in dem Theaterstück aufgreift. „Es ist aber auch witzig und humorvoll“, sagt die Schauspielerin.

Jacqueline Maria Rompa hat das Stück geschrieben. Die Aufführung fand mit einem Gast statt: Jürgen Markwardt.

2019 hat Rompa ein Kinderensemble aufgebaut. Entstanden ist es aus einem Workshop, wie sie erzählt. Die Arbeit mit den Jungen und Mädchen kommt nicht von ungefähr. „Ich habe den Mehrwert erkannt“, sagt Rompa. Kinder könnten bereits in jungen Jahren durch das Theaterspielen selbstbewusster werden. Und seien Jungen und Mädchen eher wilder unterwegs, so könne die Arbeit auch ihre Konzentration schulen. Außerdem gelte: Früh übt sich.

Das ist Rompa wichtig: Es werden im Kinderensemble Grundlagen für das Schauspielern gelegt. Spielerisch gebe es ein Stimm- und Körpertraining sowie ein Rollenspiel. Es folgen dann die Proben am Stück – wie im Fall von „U ZEN – Auf der Suche nach dem verlorenen EL“, dessen Premiere für März dieses Jahr geplant wurde. Der erste Lockdown macht den Kindern und der Schauspielerin aber einen gewaltigen Strich durch die Rechnung.

Als sich im Sommer die Corona-Lage bessert, wird ein zweiter Anlauf unternommen – unter der Einhaltung von Hygienevorgaben wird eine geschlossene Veranstaltung geplant. Eine Vorführung im November wird angesetzt, für maximal 50 Besucher. Bürgermeister Jürgen Markwardt, aber auch andere Politiker sollen vor Ort in der Stadthalle das Stück angucken können, während Interessierte per Stream am Bildschirm das Geschehen auf der Bühne verfolgen können. So zumindest die Idee.

Denn der Termin am 11. November fällt dem zweiten Lockdown zum Opfer. Aber wieder die Ensemble-Mitglieder enttäuschen?

Rompa übt einzeln mit ihnen, die erste gemeinsame Probe am 1. November wird zur Generalprobe. Und am Nachmittag folgt tatsächlich die Aufführung mit Bürgermeister Jürgen Markwardt als einzigem Gast. Das Stadtoberhaupt: „Das Stück, das auch übertragbar ist auf die Corona-Zeit, haben die Kinder in so hervorragender Qualität gespielt, dass ich alle spontan zu einer Aufführung vor größerem Publikum im Ratssaal oder in der Stadthalle eingeladen habe, wenn die Pandemie-Beschränkungen dies wieder zulassen.“

Weil das Stück mitgefilmt wurde, wird es demnächst zunächst schon einmal über den Youtube-Kanal der Hansestadt Uelzen abzurufen sein, berichtet Rompa. Bei all dem: „Jetzt, in dieser Zeit, ist das Miteinander in der Gesellschaft wieder stärker zu merken“, so Rompa.

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