Von Woche zu Woche

Eine Stadt am Gängelband

Es soll ein wegweisendes Projekt für die Stadtentwicklung Uelzens sein – so haben Politik und Bürgermeister den geplanten Marktcenter am südlichen Tor zur Innenstadt immer wieder deklariert.

Nach monatelanger Hängepartie, immer neuen gebrochenen Terminzusagen und auch falschen Auskünften rückten in dieser Woche nun also tatsächlich Bautrupps auf dem ehemaligen Marktplatz an, stellten einen neuen Zaun auf und nahmen Bodenuntersuchungen vor.

Die Fertigstellung des Einkaufszentrums ist jetzt für Frühjahr 2016 versprochen worden, die Unterzeichnung eines Mietvertrage mit einem Elektronikfachmarkt stellt der Investor HBB für Oktober in Aussicht.

Was lange währt, wird also endlich gut? Davon kann leider keine Rede sein. Denn es bleiben die nagenden Zweifel, die den Betrachter beschleichen, sobald das Stichwort Marktcenter fällt. Zu sehr ist im vergangenen Jahr offenkundig geworden, dass die Realisierung dieses Vorhabens für die Stadt eine Nummer zu groß ist. Man kann es auch anders sagen: Die Verwaltung ist hilflos, sie muss zulassen, dass der Investor sie am Gängelband durch die Arena führt.

Das beginnt damit, dass es keinen vertraglichen Fertigstellungstermin gibt. Ein paar Bagger haben vor einem Jahr etwas Erde bewegt. Das war der offizielle Baubeginn, zu dem die HBB verpflichtet ist. Ob die Fertigstellung jetzt im Frühjahr 2016 oder 2030 erfolgt – im Rathaus hat man keinen Einfluss darauf.

Dieser offenbar völlig laienhaft ausgehandelte Vertrag kann die Stadt noch ganz tief ins Schlamassel ziehen. Vielleicht hat die HBB ja diesmal tatsächlich einen Elektronikfachmarkt an der Angel, vielleicht wird wirklich im Oktober ein Vertrag unterzeichnet. Zweifel sind angebracht, schließlich hat der Investor vor knapp einem Jahr schon einmal die Öffentlichkeit getäuscht, als er versicherte, mit MediaMarkt zu verhandeln, dieses Zugpferd aber in Wirklichkeit längst eine Absage erteilt hatte. Vielleicht klappt es diesmal tatsächlich, nachdem die Stadt ja eigens die Belegungspläne für das Marktcenter für diesen neuen Elektronikmarkt geändert hat.

Und wenn nicht? Dann darf trotzdem fleißgi gebaut werden. Bis zur Fertigstellung des Marktcenters braucht die HBB keinen Elektronikfachmarkt zu finden, obwohl ein solches Zugpferd im Projektvertrag steht. Und wenn man solch einen Anbieter nun doch nicht findet bis zur Einweihung des Einkaufstempels? Dann wird die Stadt wohl kaum umhin können, den Center dennoch eröffnen zu lassen. Schließlich will niemand eine Bauruine haben.

Doch bis dahin wird die Verwaltung zum Investor aufschauen wie das Kaninchen zur Schlange. Immer in der Hoffnung, dass nichts Schlimmes passiert. Denn das Heft des Handelns hat sie längst nicht mehr in der Hand.

Vielleicht erleben wir im Oktober mit einer Vertragsunterzeichnung wirklich eine positive Überraschung. Doch das flaue Gefühl im Magen bleibt.

Von Thomas Mitzlaff

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