Späte Ehre für Ex-Metronom-Geschäftsführer

Henning Weize (links) und Carsten Hein nach dem Urteilsspruch im Lüneburger Landgericht – die Richter erklärten die fristlosen Kündigungen für ungültig. Archivfoto: Mitzlaff

tm Uelzen/Nordstemmen. Eine Ehrung mit pikanter Note: Der Fahrgastverband Pro Bahn Niedersachsen hat den Gründungsgeschäftsführern der Uelzener Metronom Eisenbahngesellschaft, Carsten Hein und Henning Weize, den Fahrgastpreis „Silberner Schienennagel 2011“ verliehen.

Wie der Landesvorsitzende Björn Gryschka sagte, habe Pro Bahn die Entscheidung von Metronom, sich vor einem Jahr von den erfolgreichen Geschäftsführern zu trennen, nicht nachvollziehen können. Weize und Hein hatten gegen ihre Kündigung geklagt und in erster Instanz vor dem Landgericht Lüneburg Recht bekommen (AZ berichtete).

Aus Sicht des Fahrgastverbandes seien die Verdienste der Geschäftsführer um die niedersächsischen Fahrgäste zu Unrecht bisher nicht gewürdigt worden. Fahrgäste wünschten sich öfter solche kundennahen Bahnmanager, hieß es.

Gryschka erinnerte an die zahlreichen Innovationen, die Metronom unter der Führung von Hein und Weize für die Fahrgäste einführte. Dazu zählte er die kostenlosen Reservierungen für Stammpendler, Kundenausflugsfahrten nach Berlin oder den Twitter-Nachrichtendienst bei Fahrplanabweichungen. Das bundesweit einzigartige Alkoholkonsumverbot im Metronom führe seit anderthalb Jahren zu sauberen und sicheren Zügen und sei bei den Fahrgästen akzeptiert.

Hein und Weize hätten zudem in der Presse häufig kein Blatt vor den Mund genommen und Pro-Bahn-nahe Positionen vertreten. So wurde Kritik von Pro Bahn an abgebauten Überholgleisen zwischen Hannover und Göttingen mit eigenen Interviews unterstützt, so dass die Pro-Bahn-Aussagen in der Öffentlichkeit mehr Gewicht bekamen.

Wolf Gorka, ehemaliger Geschäftsführer der Landesnahverkehrsgesellschaft, betonte in seiner Laudatio, dass der Metronom-Erfolg die Richtigkeit einer konsequenten Wettbewerbspolitik im niedersächsischen Personennahverkehr zeige.

Gorka erklärte, dass während der achtjährigen Tätigkeit der beiden Geschäftsführer Metronom rund 40 Millionen Zugkilometer ohne nennenswerte Probleme gefahren habe. Die Zuverlässigkeit von Weize und Hein, ihr Ideenreichtum und ihre Nähe zu den Kunden hätten auch dazu geführt, dass immer mehr Reisende die Metronom-Züge genutzt hätten. Schon vier Jahre nach Betriebsaufnahme seien die Fahrgastzahlen von acht auf zwölf Millionen jährlich gestiegen.

Seit der überraschenden Entlassung der Gründungs-Geschäftsführer war das Uelzener Eisenbahnunternehmen in turbulentes Fahrwasser geraten. Die Einführung eines eigenen Vertriebssystems mit eigenen Automaten auf den Bahnhöfen geriet zum Fiasko, der Vertriebschef wurde entlassen. Auch beim Service hat das Unternehmen nach Einschätzung von Kunden deutlich nachgelassen.

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