Kommentar zur Kneipenszene und gehäuftem Gewaltaufkommen an der Gudesstraße in Uelzen

Eine Lunte, die niemand löscht.

+
(Symbolbild)

Keine Frage, es war eine Schlagzeile, die provozierte. „Die Prügelbande vom Park am Ratsteich“ hatte die AZ-Reporterin ihren Gerichtsbericht über eine wilde Schlägerei an der Gudesstraße überschrieben. In der Redaktion ist lange diskutiert worden, ob diese Überschrift zu sehr polarisiert, ob sie womöglich sogar Stimmung macht. Denn bei den vermeintlichen Prüglern handelte es sich um Nordafrikaner.

Die Autorin hat ihre Schlagzeile überzeugend begründen können, wir haben sie gedruckt. Und erwartungsgemäß dafür ordentlich verbale Prügel eingesteckt. Eine Zeitungsredaktion hält das natürlich aus, wer deutlich und womöglich auch provozierend titelt, ruft reflexartige Kritik hervor, die mindestens ebenso überzeichnet ist, wenn nicht sogar deutlich drüber. So laufen Diskussionen im Internet-Zeitalter.

Doch es lohnt sich ein zweiter Blick auf den Gerichtsbericht, denn er offenbart eine Entwicklung, die von niemandem ernsthaft bestritten wird und die auch die hiesige Polizei intern bestätigt. Am besten auszumachen ist diese Veränderung dort, wo auch der Gerichtsbericht spielte, im Umfeld der Kneipenszene an der Gudesstraße.

Dass dort mancher deutlich angetrunken aus einer Gaststätte torkelte und dass es auch schon mal was auf die Nase gab – das ist quasi seit Jahrzehnten so. Inzwischen hat sich aber die Sicherheitslage deutlich verändert. Klar wird das spätestens, wenn man mit jungen Gästen spricht. Alleine nach Hause zu gehen – das riskiert kaum noch einer, junge Frauen schon gar nicht. Wenn man die Gaststätte verlässt, dann nur in der Gruppe. Oder man nimmt ein Taxi oder lässt sich abholen – alles andere wäre unvorsichtig.

Denn was sich an sinnloser Gewalt und gezielten Angriffen Wochenende für Wochenende nachts dort abspielt, hat eine neue Qualität bekommen. Gruppen, die man auch als Banden titulieren kann, suchen sich gezielt angetrunkene Fußgänger, die möglichst allein unterwegs sind, um Handys und Geldbörsen zu rauben. Die Opfer sind anschließend zumeist keine große Hilfe für die Polizei, Dunkelheit, vage Personenbeschreibungen...

An den Anblick eines fest stationierten Streifenwagens in diesen Nächten hat man sich mittlerweile schon gewöhnt. Doch die Polizei ist eigentlich nicht in der Lage, diese Dauerpräsenz über Stunden zu gewährleisten. Und so bleibt die Situation vor Ort unbefriedigend – und durchaus gefährlich.

Und dann ist man wieder bei den Tätergruppen, über die derzeit vor dem Amtsgericht so viel die Rede ist. Es sind fast ausschließlich Nordafrikaner, die der Polizei hier Kopfzerbrechen bereiten. Und zwar jene, denen der Kriminologe Christian Pfeiffer jüngst in einem Gutachten für die niedersächsische Landesregierung einen erhöhten Anteil an Straftaten aufgrund ihrer Perspektivlosigkeit bescheinigt hat. Man kann es auch so sagen: Was vor Ort lange bekannt ist, ist nun auch wissenschaftlich untermauert.

Es ist eine Situation, der weder durch die Polizei noch durch theoretisches und ideologisch verbrämtes Geschwätz beizukommen ist. In der Politik wird viel geredet, doch praktische Lösungen traut sich niemand durchzusetzen. Und wenn dann noch Uelzener Richter eher halbherzig bei der Vollstreckung von Abschiebungen agieren, ist eine Lunte entfacht, die offenbar niemand wirklich löschen will. Das geht auch auf Kosten der großen Zahl an bedürftigen und ehrlichen Menschen, die bei uns Schutz suchen.

Das Frustrierende ist: Diese Erkenntnisse sind nicht wirklich neu. Aber sie sind ein weiteres Kapitel im dicken Buch des politischen Versagens.

Von Thomas Mitzlaff

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare