Kein neues Veranstaltungszentrum – Gutachter empfiehlt, Stadthalle und Theater zu erhalten

Eine ideale Kombination?

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Aus Sicht des Gutachters ergänzen sich Uelzens Stadthalle und das Theater an der Ilmenau ideal. Er empfiehlt, von einem neuen Veranstaltungszentrum abzusehen und das Geld stattdessen in die Sanierung der beiden Veranstaltungsorte zu stecken.

Uelzen. Braucht Uelzen ein neues Veranstaltungszentrum oder nicht? Die Antwort auf diese Frage – auch mit Blick auf die Zukunft des Theaters an der Ilmenau – war Uelzens Politik 29.000 Euro wert.

So viel kostete das Gutachten, mit dem das Hamburger fwi Büro – Beratung für Freizeitwirtschaft beauftragt wurde. Das Ergebnis hat der Gutachter jetzt im Zukunftsausschuss der Hansestadt präsentiert – mit einem für viele überraschenden Ergebnis.

„Aus unserer Sicht ist die Sanierung des Theaters verbunden mit dem Fortbestand der Stadthalle die pragmatischste Lösung“, fasste Andreas Konrath von fwi zusammen. Beide Veranstaltungsorte ergänzen sich seiner Meinung nach optimal: „In der Stadthalle finden Messen, Märkte, politische sowie Firmenveranstaltungen statt“, erklärt der Gutachter. „Außerdem ist sie Austragungsort öffentlicher Feiern und Feste.“ Im Theater an der Ilmenau hingegen spiele sich ein großer Teil des kulturellen Lebens ab. In Konkurrenz zur Jabelmannhalle, die eher auf Live-Unterhaltung ausgelegt sei, stünden Stadthalle und Theater nicht.

„Beide Einrichtungen befinden sich genau am richtigen Ort“, befindet Konrath. Zwar liege die Stadthalle etwas versteckt, aber trotzdem zentral. Konflikte mit dem Umfeld aufgrund von Lärm und hohem Besucheraufkommen seien nicht gegeben. Das Theater habe sich an zentraler, verkehrsgünstiger Lage ebenfalls etabliert.

Den auf geschätzte 9,3 Millionen Euro teuren Neubau eines Veranstaltungszentrums am Theater bewertet Konrath kritisch: „Es gäbe wenig Synergien. Die Potenziale könnten an diesem Standort nicht ausgeschöpft werden.“ Zudem ergäben sich durch Verkehr, Parkplatzsituation und Besucheraufkommen Konflikte mit Anwohnern und dem Herzog-Ernst-Gymnasium.

Darum empfiehlt Konrad, sowohl die Stadthalle als auch das Theater zu sanieren. Während eine kleine Instandsetzung der Stadthalle in Höhe von 2,3 Millionen Euro lediglich den Status quo halten und einen Betrieb von weiteren 15 Jahren sicherstellen würde, spricht sich der Gutachter für eine aufwendigere Sanierung in Höhe von 4,8 Millionen Euro aus. So könnten nicht nur Restaurant- und Hotelbereich wiederhergestellt, sondern auch Seminar- und Tagungsräume integriert werden: „Das ist eine Angebotslücke, die aber großes Potenzial hat.“ Damit wäre der Betrieb für weitere 33 Jahre gesichert und die Aussicht gegeben, einen neuen Pächter für das Restaurant zu finden.

In Hinblick auf einen möglichen Restaurantpächter sagt Ralf Munstermann (UWG): „Ich bin mir nicht sicher, dass es Sinn einer Stadthalle ist, eine Kneipe zu betreiben.“ Silja-Eichmann Bartels (CDU) traut den Zahlen nicht. Immerhin sei vor wenigen Jahren noch die Rede von bis zu sechs Millionen Euro gewesen, um die Stadthalle zu erhalten. „Meine Erinnerung an die Stadthalle ist die, dass wir morgen schließen müssen. Wenn ich jetzt höre, dass wir den Hotelbetrieb für 900.000 Euro wieder zum Laufen bringen können, komme ich mir verkaspert vor.“

Uelzens Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull erklärt, dass die Überlegungen, was mit der Stadthalle passieren soll, damals andere gewesen wären und man im letzten Jahr noch einmal genau untersucht habe, welche Maßnahmen tatsächlich notwendig sind. „Also hätten wir damals aufgrund einer nicht adäquaten Untersuchung die Stadthalle geschlossen?“, hakt die Ratsfrau nach. „Diese politische Entscheidung wurde im Rat nie getroffen“, entgegnet Karl-Heinz Schmäschke (Grüne).

Einige hatten sich von dem Gutachten mehr erhofft: „So kann man keine Marktanalyse machen“, befindet das beratende Mitglied Jan-Henning Becker, denn der Wettbewerb zu Einrichtungen in Städten in der näheren Umgebung sei nicht ausreichend betrachtet worden. Und: „Der Fokus auf das, was wir in Zukunft für einen Bedarf und andere Möglichkeiten haben, fehlt.“ Saniere man die Stadthalle für weitere 33 Jahre, sehe man sich unter Umständen in 20 Jahren mit der Situation konfrontiert, dass die Ausstattung nicht mehr zeitgemäß ist.

Stefan Thieme (CDU) findet: „Wir sollten Optionen prüfen, die jetzt nicht zur Sprache kamen.“ Bevor man Geld in zwei Spielstätten steckt, sollte man überlegen, ob nicht beispielsweise die Integration eines Veranstaltungszentrums in das Theater eine Alternative wäre, „um den jetzigen Bestand auszunutzen.“ Ein Anbau am Theater ist laut Thieme dafür nicht zwingend erforderlich, „zumal die jetzige Zahl an Plätzen im Theater nicht benötigt wird.“

Das Uelzener Theater.

Denn wie der Gutachter berichtet, betrage die Auslastung im Theater durchschnittlich unter 50 Prozent. Und: „Besucher kommen nicht automatisch nach Uelzen, nur weil das Theater saniert wurde.“ Die Stadt müsste mehr Geld in die Hand nehmen, um den Spielplan zu erweitern. Generell sei ein Theater aber fast immer ein Zuschussgeschäft, erklärt Konrath. „Der Wille der Stadt, ein Theater in Uelzen betreiben zu wollen, ist Grundvoraussetzung für seinen Bestand.“

Das ist laut Karl-Heinz Schmäschke der Knackpunkt: „Es geht um die Grundsatzentscheidung, ob wir als Mittelstadt gewillt sind, ein Theater und ein Veranstaltungszentrum bereit zu halten oder nicht.“

Erst müsse diese Entscheidung getroffen werden, dann könne man über mögliche Varianten diskutieren.

Und darüber, ob das Theater weiter betrieben werden soll, wird am Dienstag, 27. November, in einer gemeinsamen Sitzung des Kultur- und des Zukunftsausschusses beraten. Dann soll Gutachter Konrad auch die an diesem Abend offengebliebenen Fragen detailliert beantworten. Den endgültigen Entschluss trifft der Stadtrat am 17. Dezember.

Von Sandra Hackenberg

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