AUS DEM GERICHT: 20-Jähriger schlägt zu, als sein Opfer ihm den Rücken zudreht

Eine Hausparty in Westerweyhe eskaliert

In den Rottekuhlen in Westerweyhe ist es im Oktober 2019 bei einer privaten Party zu einer Schlägerei gekommen.
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In den Rottekuhlen in Westerweyhe ist es im Oktober 2019 bei einer privaten Party zu einer Schlägerei gekommen.
  • Daniel Bieling
    vonDaniel Bieling
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Es war kein Unbekannter, der jetzt auf der Anklagebank im Uelzener Amtsgericht Platz genommen hat. Diverse Vorstrafen des 20-Jährigen, der in Bad Bevensen wohnt, stehen im Bundeszentralregister.

Uelzen – Richterin Claudia Hagemann beschränkte sich beim Vorlesen auf die vier relevantesten, nach denen sich der Angeklagte schon wegen mehrmaliger Sachbeschädigung, Diebstahls und Nachstellung vor Gericht zu verantworten hatte.

Zum ersten Mal war der junge Mann jetzt wegen des Vorwurfs der Körperverletzung angeklagt. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Lüneburg ist es am 19. Oktober 2019 im Rahmen einer privaten Hausparty an der Straße Rottekuhlen in Westerweyhe zu einem Streit zwischen dem Angeklagten und einem anderen Partygast gekommen. Als die beiden Streithähne die Angelegenheit im Freien klären wollten, soll der Angeklagte bereits auf dem Weg nach draußen zugeschlagen haben, nachdem sein Kontrahent ihm den Rücken zugedreht hatte. Der Geschädigte habe Prellungen an Kopf und Rücken erlitten, so die Staatsanwaltschaft.

Der Geschädigte sei von Anfang an „auf Krawall gebürstet“ gewesen, verteidigte sich der Angeklagte. Er selbst sei lediglich dazwischengegangen, als der Geschädigte die Gastgeberin angepöbelt habe und wegen mutmaßlichen Drogenkonsums die Polizei habe rufen wollen. Nachdem er dann noch gedroht habe, den besten Freund des Angeklagten zu schlagen, habe man die Sache draußen klären wollen.

„Dann haben wir uns geprügelt“, so der Angeklagte, wobei er auch zugab, als Erster zugeschlagen zu haben: „Ich warte doch nicht ab, bis ich den ersten Schlag kassiere.“

Der Geschädigte selbst konnte vor Gericht nicht mehr aussagen. Er ist inzwischen verstorben. Richterin Hagemann zitierte aber aus dessen Aussage bei der Polizei. Demnach habe er den Angeklagten und dessen Freund gebeten, zu gehen, als er hörte, dass diese Drogen konsumierten. Als die Stimmung hochkochte und er die Sache draußen klären wollte, um zu deeskalieren, sei er angegriffen worden. Der Angeklagte bestritt diese Schilderung vehement, räumte aber ein, dass er den Geschädigten von hinten angegriffen habe.

„Um ehrlich zu sein, war das eine Sauerei“, fand die Staatsanwältin deutliche Worte. „Das ist hinterhältig.“ Der Angeklagte sei schuldig zu sprechen. Eine Geldauflage sei jedoch nicht möglich, weil der Angeklagte kein Geld habe – seit Dezember 2020 ist er arbeitslos. Auch eine Arbeitsauflage sei aufgrund des Lockdowns nicht umzusetzen.

Der Angeklagte habe jedoch glaubhaft gemacht, dass er wieder arbeiten wolle, und so forderte die Staatsanwältin eine Einzelfallbetreuung durch die Uelzener Jugendhilfe, um die Zeit bis zum voraussichtlichen Ausbildungsbeginn im Juli zu überbrücken. Schon zuvor hatte sich der 20-Jährige in Betreuung der Jugendhilfe befunden.

Richterin Hagemann folgte dieser Forderung. „Um jeglicher Straftat vorzubeugen“, wie es in der Begründung hieß. Der Angeklagte nahm das Urteil an.

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