Nach der Wahlkampfniederlage teilt der gescheiterte Landrats-Kandidat Raimund Nowak noch einmal richtig aus

„Eine Fehleinschätzung der Wählerschaft“

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Stationen eines Wahlkampfes: Raimund Nowak bei AZ-TV, auf dem Dach des Uelzener Hundertwasserbahnhofs, bei einer Diskussion über Biogas in Hohenzethen und auf seinem „Goldrichtig“-Wahlplakat.

tm Uelzen. Wenn man nach Konzepten für die Entwicklung des Kreises Uelzen suche, durchschreite man bei den hiesigen Parteien „eine programmatische Wüstenlandschaft“. Diese Beobachtung will Landrats-Kandidat Raimund Nowak im Uelzener Kommunalwahlkampf gemacht haben.

Etwas gnädiger geht der 56-Jährige lediglich mit seiner Hauspartei, den Grünen, um: Die würden zwar gerne „auf Makroebene diskutieren“, immerhin aber gebe es „bei dieser Partei gute Ansätze für eine lokale Programmentwicklung und auch reflexionsfähige Personen“.

Raimund Nowak möchte seine Anmerkungen als Abschluss seiner „kommunalpolitischen Landpartie“ verstanden wissen. Er räumt ein, für einen Wahlkämpfer womöglich zu wenig vor Ort gewesen zu sein. Doch die Menschen im Kreis, daran lässt er keinen Zweifel, hätten unter dem Strich nicht verstanden, dass ein „grüner Landrat aus Hannover“ eine Riesenchance für den Landkreis gewesen wäre. aber statt Enthusiasmus habe er „mehr oder weniger starke Ablehnung oder zumindest ein deutliches Fremdeln bemerkt“, wundert sich der Landratskandidat. Sein Angebot sei gewesen, so Nowak weiter, „Uelzen mit dem ersten grünen Landrat in Deutschland in die nationale Wahrnehmungsliga zu bringen und das Experiment einer zwar verwaltungserfahrenen, aber doch eher politisch und entwicklungsorientierten Kreisführung zu wagen“. Dieses Angebot habe die überwiegende Mehrheit nicht annehmen wollen: „Aus meiner Sicht ist dies die zentrale Fehleinschätzung der Wählerschaft in Uelzen.“ Denn dieser Landkreis habe, wie kaum ein zweiter in Niedersachsen, „eine bessere politische Platzierung und einen Ausgleich des Wahrnehmungsdefizits nötig“.

Man dürfe vom jetzt gewählten Landrat Heiko Blume nicht erwarten, „dass er eine besonders erfolgreiche Lobbyarbeit für die Region leisten kann“, so Nowak weiter. Das habe nichts mit Blumes persönlichen Qualitäten zu tun. Vielmehr könne er nach den nächsten Landtags- und Bundestagswahlen auch noch das falsche Parteibuch haben. Denn Uelzen könne der große Verlierer bei der nächsten Gebietsreformdebatte werden, befürchtet der gebürtige Bad Bevenser. Da sei zum einen die mögliche Zwangsfusion mit Dannenberg, aber auch eine Zersplitterung des Landkreises – Bienenbüttel nach Lüneburg, Suderburg nach Celle: „Ich bin gespannt, ob es Heiko Blume gelingt, die interne und externe Lobbyarbeit zum Erhalt der Eigenständigkeit des Kreises Uelzen zu leisten.

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Kommentar

Schweigen wäre Gold gewesen...

Thomas Mitzlaff

Von Qualität und Stil hat Landratskandidat Raimund Nowak im Wahlkampf oft gesprochen. Doch beides lässt er in seiner „Abrechnung“ vermissen. Dabei gibt es in seinen Anmerkungen durchaus bemerkenswerte Ansätze für die Kreisentwicklung. Aber die werden überschattet von dem, was man „übles Nachtreten“ nennt. Und das geschah nicht einmal aus der ersten Aufregung nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses heraus, sondern nachdem Raimund Nowak zwei Nächte darüber geschlafen hat. Schweigen wäre Gold gewesen. Denn jetzt fühlen sich die bestätigt, die ihn nicht gewählt haben. Und Nowak muss fortan mit dem Ruf leben, ein schlechter Verlierer zu sein.

Von Thomas Mitzlaff

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