Tod von Anton Koschuh: Polizei schließt Parallelen zu Göhrde-Morden aus

Eine Familie will Gewissheit

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Im Wald bei Räber wurden Knochenteile des vermissten Österreichers gefunden – seine Familie vermutet einen Zusammenhang mit den Göhrde-Morden von vor 20 Jahren.

ib Räber/Graz. Monatelang haben sie nach Anton Koschuh gesucht. Nachdem Teile seiner Knochen, wie berichtet, an einem Bahndamm bei Räber/Hösseringen gefunden worden waren, wollen die Angehörigen vor allem eines: die Aufklärung der Ursache für den Tod des 43-jährigen Mannes aus Graz in Österreich.

Genau daran arbeiten Ermittler der Polizeiinspektion Lüneburg nach wie vor intensiv. Eine Theorie der Familie Anton Koschuhs, dass sein Tod mit den sogenannten Göhrde-Morden zusammenhängen könnte, die sich vor rund 20 Jahren zugetragen hatten, sehe man allerdings „sehr kritisch“, wie Polizeisprecherin Nicole Winterbur gestern auf AZ-Nachfrage sagt.

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„Es gibt da keine Parallelen“, erklärt sie. „Man muss sich zwar alles offen halten und die Ermittler gucken auch nach links und nach rechts“, aber in Richtung Göhrde-Morde ermittele man nicht. Es gebe im Fall Anton Koschuh keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen, betont Nicole Winterbur. Der Österreicher war am 22. Juli nach dem Besuch der Internationalen Gartenschau in Hamburg zunächst spurlos verschwunden, bis man am 7. Oktober seinen Rucksack bei Unterlüß und kurz darauf Knochenteile bei Räber gefunden hatte. Weitere persönliche Gegenstände wie Brille, Schlüsselbund und Geldtasche oder auch Kleidungsstücke sind bis heute verschwunden.

Am Abend des 24. Juli hatte eine Jägerin auf ihrem Hochsitz im Bereich Räber Hilferufe gehört und dies der Polizei gemeldet, wie Nicole Winterbur gestern bestätigt. „Es waren dann auch Polizeibeamte vor Ort“, sagt sie. Die Ermittler würden derzeit allerdings einen Zusammenhang mit dem Tod des 43-jährigen Österreichers ausschließen. Man habe Kontakt mit der Jägerin aufgenommen und verschiedene Details erörtert. Aufgrund von Gegebenheiten wie Windrichtung, Stand- und Fundorten aber „passt das alles nicht zusammen“, erklärt Nicole Winterbur.

Aus Sicht der Ermittler spreche vieles für einen Unglücksfall oder Suizid. Letzteres wiederum schließt aber die Familie von Anton Koschuh aus. Eine Haltung, die Nicole Winterbur durchaus nachvollziehen kann. „Es ist ja verständlich, dass sich Angehörige an jeden Strohhalm klammern, und wir versuchen auch, das aufzufangen“, sagt sie. „Aber man muss das Vertrauen haben, dass die Polizei professionell arbeitet. Und vielleicht müssen wir uns irgendwann auch damit abfinden, dass der Fall nicht vollständig ausermittelt werden kann.“

Indes möchten die Angehörigen des toten Östereichers jetzt in Ruhe trauern, wie sie auf einer eigens für die Suche eingerichteten Internetseite schreiben, deren ständige Aktualisierung inzwischen eingestellt wurde. „Wir sind alle tief traurig“, schreibt dort Anton Koschuhs Bruder noch auf der Seite. „Es ist unmöglich, die Gefühle in Worte zu fassen.“

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