„Ein ziemlicher Haufen Scheiß“

Die Abgabe eines Joints an Minderjährige wird hart bestraft – das bekam ein junger Uelzener jetzt zu spüren.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Der Gelegenheitskonsum von weichen Drogen ist zum Risiko geworden, seit die Polizei solche Delikte intensiv verfolgt – „viele überlegen sich das ganz genau, weil der Verlust des Führerscheins droht“, hieß es jüngst bei der Jahresbilanz der Uelzener Kriminalpolizei. Benjamin N. hat nicht so genau nachgedacht in den vergangenen Jahren, sondern „einen ziemlichen Haufen Scheiß“ gebaut, wie es der Staatsanwalt drastisch formulierte. Und so brachten ganze 0,8 Gramm Marihuana den jungen Uelzener gestern auf die Bank des Schöffengerichtes – angeklagt wegen eines Verbrechens.

Eine Vorstrafe wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung in 17 Fällen, eine wegen Bedrohung, wegen Besitzes von Betäubungsmitteln, wegen Vortäuschen einer Straftat… Stets war N. mit Arbeitsauflagen und Ermahnungen vor dem Jugendgericht davon gekommen. Doch als er dann im Januar 2010 einem Bekannten auf dessen Wunsch eine Portion Marihuana in die Hand drückte, wurde es plötzlich ganz eng. Denn N. ist seit wenigen Monaten 21 Jahre alt und fällt damit unter das Erwachsenenstrafrecht. Sein Kumpel aber ist erst siebzehneinhalb – „sie haben somit als Erwachsener einem Minderjährigen Drogen gegeben – dafür sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von einem bis 15 Jahren vor“, sagte der Vorsitzende Richter Rainer Thomsen.

Der junge Mann auf der Anklagebank ist entsprechend kleinlaut – er hat keinen Beruf gelernt, ist arbeitslos und wohnt in der Obdachlosenunterkunft Im Böh. „Ich will da aber jetzt unbedingt raus, denn die Ecke ist ja verrufen“, weiß er. In seinem Zimmer haben die Ermittler auch noch eine Haschisch-mühle und eine geringe Menge Stoff für den Eigenbedarf gefunden. Benjamin N. räumt freimütig alles ein, wenn er auch behauptet, sich an alles nicht mehr so richtig erinnern zu können. Der Staatsanwalt spricht in seinem Plädoyer schließlich von einem minderschweren Fall, schließlich spreche man hier von weniger als einem Gramm von einer relativ weichen Droge, der Käufer sei fast 18 und habe um den Stoff gebeten. Drei Monate bis fünf Jahre Haft sieht das Gesetz dafür vor, „das ist aber immer noch ganz schön heftig“, findet der Angeklagte.

Sechs Monate auf Bewährung werden es schließlich auch, dazu 50 gemeinnützige Arbeitsstunden, „das ist sozusagen der Denkzettel, den es oben drauf gibt“, sagt Thomsen in der Urteilsbegründung. Ganz ans untere Ende wollte das Gericht angesichts der Vorstrafen nicht gehen. Benjamin N. nimmt das Urteil sofort an, „ich will versuchen, meine Zukunft in geordnete Bahnen zu lenken“. – „Das ist löblich“, sagt der Vorsitzende Richter.

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