Uelzens JVA-Leiterin befürwortet Initiative der Justizministerin für bessere Psychiatrieversorgung

„Ein Anliegen des Vollzugs“

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Symbolfoto

Uelzen. Die neue niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) hat ihre justizpolitischen Schwerpunkte festgelegt: Neben der Förderung der justizinternen Selbstverwaltung und der personellen Vielfalt in den Gerichten will sie im Bereich des Justizvollzugs vor allem die psychiatrische Versorgung Inhaftierter verbessern.

Eine Bestrebung, die Sabine Hamann, Leiterin der JVA Uelzen, begrüßt. „Die Justizministerin hat damit Anliegen des Vollzugs aufgegriffen“, sagt sie im AZ-Gespräch.

Zwar sei die psychiatrische Versorgung in der JVA „kein Brennpunktthema“, so Hamann. Fakt sei aber auch: „Wir sind da immer auf die Unterstützung durch Fachärzte oder Fachkliniken angewiesen“, sagt sie, weil es keinen eigenen Psychiater oder Psychiatriepfleger gebe. Eine Regelung, die im ganz normalen JVA-Alltag durchaus praktikabel sei, allerdings dann für Probleme sorge, wenn ein Häftling stationär untergebracht werden müsse. Es gebe aber nicht häufig die Notwendigkeit für eine stationäre Unterbringung. Schlafstörungen, Persönlichkeitsstörungen, besonders Hyperaktivität gehörten zu den psychischen Auffälligkeiten, die bei den JVA-Insassen häufig vorkämen, aber medikamentös behandelt werden könnten.

Hätte Sabine Hamann einen Wunsch frei, würde sie sich für die psychiatrische Versorgung von Häftlingen „eine gut aufgestellte Abteilung mit einer guten Tagesstruktur, pädagogischer Betreuung und vor allem einer Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft“ als optimale Lösung wünschen. Diese Abteilung müsse gar nicht unbedingt in der JVA Uelzen angesiedelt sein, sagt sie, dafür sei die Uelzener JVA auch viel zu klein. Gebe es aber eine psychiatrische Abteilung in einer der anderen niedersächsischen Justivollzugseinrichtungen, könnten „schwierige Fälle“ dort untergebracht werden. Derzeit gebe es lediglich psychiatrische Belegungsbetten in den Justizvollzugsanstalten Sehnde, Lingen und Hannover. Die Marschrichtung, wie sie die grüne Justizministerin des Landes jetzt also eingeschlagen hat, „kann ich nur unterstützen“, sagt Sabine Hamann für die JVA Uelzen.

Antje Niewisch-Lennartz sieht „Zusammenhänge zwischen Kriminalität und psychiatrischen Auffälligkeiten“, die es im Sinne einer gezielten Behandlung möglichst früh zu erkennen gelte. Wer allerdings aufgrund einer psychischen Erkrankung straffällig geworden sei, werde ohnehin nicht in einer Justizvollzugsanstalt untergebracht, gibt Sabine Hamann zu bedenken, sondern gehe in den Maßregelvollzug.

Wie auch immer: „Es ist bereits absehbar“, hatte die Ministerin festgestellt, „dass der Justizvollzug mehr psychiatrisches Fachpersonal brauchen wird als zurzeit vorhanden“. Sabine Hamann hat zu den Ursachen dafür eine Theorie, die sie aus ihren Erfahrungen in der Praxis ableitet: Die Globalisierung, sagt sie, spiele aus ihrer Sicht eine nicht zu vernachlässigende Rolle dabei, ob es viele oder wenige Häftlinge gebe und in welcher psychischen Verfassung sie seien. So werde es immer Menschen geben, die aus anderen Ländern nach Deutschland flüchten. „Viele von diesen Menschen sind verletzlich und müssen sich, meist ganz allein, in eine fremde Kultur einfinden“, weiß Sabine Hamann. „Und manche werden dabei – leider – straffällig.“

Von Ines Bräutigam

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