Das große Fressen: Schädlingsbefall nimmt zu / Kreis Uelzen stark betroffen

Eichenbestände gefährdet

+

Uelzen/Landkreis. Es ist eine gefräßige Gesellschaft, die sich bei Bienenbüttel niedergelassen hat und Armin Menge die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Der Leiter des Uelzener Forstamtes sieht die Eichenbestände in diesem Bereich gefährdet. Der Grund: Schädlingsbefall.

„Die Eichenfraßgesellschaft wird zunehmend zum Problem“, erklärt Armin Menge. Nicht nur Eichenprozessionsspinner, die wegen ihrer allergische Reaktionen auslösenden Härchen in aller Munde seien, auch Eichenwickler, Froschspanner und Schwammspinner würden in den Baumkronen wüten. Die Raupen schlagen sich die „Bäuche“ voll, schwächen damit die Bäume.

„In diesem Jahr hatten wir eine Kahlfraß-Situation bei Eichen“, so der Forstamtsleiter weiter. Die Bäume würden zwar den Verlust der Blätter durch einen zweiten, den sogenannten Johannestrieb im Juni bewältigen. Aber: „Es bedeutet eine enorme Schwächung der Bäume. Wenn es in den folgenden Jahren wieder zu einem Kahlfraß kommt, dann sterben die Eichen ab“, schildert Armin Menge.

Im Landkreis Uelzen sind nicht nur Waldflächen bei Bienenbüttel betroffen, sondern auch Eichenbestände bei Eimke und Dreilingen. Und wie aus dem Waldzustandsbericht 2012 hervorgeht, nimmt das Problem landesweit zu. Seit zwei Jahren sind demnach forstschädliche Kleinschmetterlinge auf dem Vormarsch.

Durch den Raupenfraß ist in diesem Jahr der Anteil starker Schäden in den Kronen der Alteichen auf fünf Prozent angestiegen (die AZ berichtete) und auch für das kommende Jahr kann keine Entwarnung gegeben werden. Es muss gehandelt werden, aber Armin Menge weiß, die Raupen-Plage in den Griff zu bekommen, ist schwierig. Bei der Bekämpfung der Schädlinge aus der Luft seien Vorgaben einzuhalten. So müsse beispielsweise von Straße und Flüssen Abstand gehalten werden, was eine flächendeckende Behandlung verhindere. Langfristig könne durch Aufforstungsmaßnahmen das Risiko von Schädlingsbefall minimiert werden, indem man zunehmend auf Mischwälder setze. „So werden Barrieren für Schädlingsgruppen geschaffen“, erklärt Menge. Derzeit liegt das Verhältnis des Baumbestandes im Forstamt Uelzen, das für 61000 Hektar und etwa 6000 Waldbesitzer zuständig ist, bei 75 Prozent (Kiefern) zu 25 Prozent (andere Baumarten wie Buchen, Fichten, Eichen Douglasien).

Glücklicherweise, erläutert Menge, sei der Schädlingsbefall bei Kiefern bei Weitem noch nicht so ausgeprägt wie bei den Eichen. „Die Situation ist hier vergleichsweise unkritisch“, sagt der Forstamtsleiter. Dennoch müsse man die Entwicklung verfolgen. Dies geschehe mit Hilfe von Monitoring-Verfahren, bei denen stichprobenartig die Bäume auf einen Schädlingsbefall kontrolliert werden. „Die Eierzahlen von Schädlingen und Raupenfunde werden auf die Flächen hochgerechnet, so bekommen wir einen verlässlichen Eindruck vom Befall“, so Menge.

Begünstigt werde die Population von Schädlingen durch die klimatische Situation. „Ein trockenes, warmes Frühjahr sorgt für eine größere Eichenfraßgesellschaft“, erklärt der Forstamtsleiter.

Von Norman Reuter

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare