CDU und SPD wollen ein städtisches Veranstaltungszentrum bauen – auf Kosten der Jabelmannhalle?

"Ich muss überlegen, ob das Open R noch Sinn macht"

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Das Uelzener Open R ist alljährlich der Höhepunkt im Veranstaltungskalender von Ulrich Gustävel – er fürchtet, dass die Stadtpolitik ihm nun in den Rücken fällt.

Uelzen. Rund um die Bar stehen lange Tischreihen mit roten Decken und weißen Stoffservietten. Die Tische sind festlich gedeckt in der Uelzener Jabelmannhalle. Nach dem dreitägigen Varietéfestival ist vor der ersten Weihnachtsfeier: In Kürze wird hier die AOK erwartet.

Die ehemalige Fabrikhalle am Albrecht-Thaer-Gelände ist voll belegt in der Adventszeit. Doch hinter den Kulissen des Veranstaltungszentrums herrscht seit Tagen ein Stimmungsgemisch aus Wut, Enttäuschung und Empörung. Denn aus der AZ hat das Jabelmann-Team von den Plänen der Stadtpolitik erfahren, am Ilmenau-Theater einen eigenen Veranstaltungskomplex zu bauen.

50 000 Euro Planungskosten wollen CDU und SPD im städtischen Haushalt bereitstellen, entstehen sollen ein Anbau ans Theater und eine Tiefgarage – ein Millionenprojekt. Jabelmannhallen-Betreiber Ulrich Gustävel ist fassungslos angesichts dieses Vorhabens: „Die wissen genau, dass ich umfangreich erweitern will und wollen mir jetzt das Wasser abgraben.“

Gustävel hat große Pläne mit der ehemaligen Fabrikhalle: Er will den ersten Stock komplett ausbauen, auf 2000 Quadratmetern sollen drei weitere Säle mit bis zu 350 Plätzen entstehen. Derzeit bietet das Erdgeschoss bestuhlt bis zu 800 Menschen Platz, unbestuhlt darf die doppelte Zahl an Besuchern rein.

Und die Jabelmannhalle stößt bei den Unternehmen in der Region auf große Beliebtheit: Weihnachtsfeiern diverser Autohäuser, Baumärkte und auch das Helios-Klinikum haben sich angemeldet. Die Deutsche Bahn, die Deutsche Post AG, die VSE, Volksbank, Maschinenringe – sie alle tagen hier im Verlauf des Jahres.

Da war es für Gustävel zwangsläufig, sich mit einer Erweiterung der Veranstaltungshalle zu beschäftigen. Und der Stadt Uelzen sind diese Pläne bekannt: Am 3. März dieses Jahres genehmigte das zuständige Amt den Bauantrag auf den Ausbau des Obergeschosses.

Gustävel hat daraufhin 60 000 Euro in eine neue Brandmeldeanlage investiert – „und jetzt fallen die mir so in den Rücken“, ist er empört. Für die großen Investitionen brauche er vor allem eines: Planungssicherheit. „Wenn wir jetzt aber gegen ein mit öffentlichen Geldern subventioniertes Veranstaltungszentrum konkurrieren müssen, überdenken wir diese Pläne noch einmal.“ Während allerorts Städte bemüht sind, ihre Stadthallen und andere Einrichtungen wegen zu hoher laufender Kosten abzustoßen, wolle Uelzen in ein solches Projekt investieren – Gustävel mag das nicht glauben.

„Man beteuert immer, das Open R sei eine unbezahlbare Werbung für die Stadt, aber wenn Annerkennung und Kooperation so aussehen, muss ich mir überlegen, ob das künftig noch Sinn macht“, sagt der Veranstalter. Zumal auch die Stadt finanziell von den Auftritten der Weltstars profitiere: „50 000 Euro an Gebühren für den Vorverkauf in der Touristinfo, dazu das Geld für Genehmigungen“, zählt Gustävel auf.

Gelegenheit, sich mit der Stadtpolitik auseinanderzusetzen, hätte Gustävel auf der Ratssitzung am 11. Dezember. Zu der ist er nämlich persönlich eingeladen worden. Weil man ihm die Ehrennadel verleihen möchte – „die Hansestadt Uelzen will damit die Verdienste, die Sie sich durch Ihr Engagement erworben haben, würdigen“, heißt es in dem Schriftstück, das diese Woche einflatterte. Ulrich Gustävel wird wohl hingehen mit einem zwiespältigen Gefühl.

Von Thomas Mitzlaff

Das Uelzen Open R 2017 - die Best-of-Galerie 

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