Ehrenamt im Gefängnis

Uelzenerin Lisa Grewe bei Festakt zur deutschen Einheit in Frankfurt dabei

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Die Uelzenerin Lisa Grewe ist beim offiziellen Festakt zum Tag der Deutschen Einheit am Samstag in Frankfurt mit dabei. Ehrenamtlich begleitet sie Vater-Kind-Nachmittage in der JVA Uelzen.

Uelzen. Die 25-jährige Lisa Grewe gehört zu den 15 Niedersachsen, die zur offiziellen Festveranstaltung zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober – sie wird von Hessen in Frankfurt ausgerichtet – persönlich eingeladen wurden.

Der Landespräventionsrat hatte Personen ausgewählt, die ehrenamtlich im Bereich Integration tätig sind.

Unter ihnen sticht das Engagement von Lisa Grewe, die seit Anfang vergangenen Jahres Vater-Kind-Nachmittage in der Justizvollzugsanstalt Uelzen (JVA) begleitet, hervor. „Das fing mit einem Forschungsprojekt im Rahmen meines Studiums an“, erzählt die Uelzenerin, die „Soziale Arbeit“ in Suderburg studiert hat. „Bei dem Projekt ging es um die Arbeit mit den Angehörigen von Strafgefangenen, die nicht selten am Rande stehen mit ihren Fragen und Sorgen.“ Ohne Berührungsängste und offen für die Arbeit im Gefängnis, wurde sie nach dem Abschluss des Projektes von Mitarbeitern der JVA gefragt, ob sie sich die Arbeit in dem Konzept „Vater-Kinder-Nachmittage“ vorstellen könnte. „Und die Väter sind so froh, diesen Nachmittag unbeschwert mit ihren Kindern zu verbringen“, erzählt Lisa Grewe.

„Die Familie ist wichtige Stütze im Strafvollzug“, beschreibt JVA-Leiterin Sabine Hamann das Projekt als wesentliches Element in der Prävention. Es sei erwiesen, dass die stabilen Beziehungen außerhalb der JVA, aber auch vor allem der enge Kontakt zur Familie, insbesondere zu den Kindern, ein wichtiger Faktor ist, der die Straffälligen vor einem Rückfall bewahrt. „Die Väter hatten Sorge, dass ihre Kinder fremdeln oder sogar weinen könnten“, erinnert sich Lisa Grewe. Deshalb kümmert Grewe sich auch um die Mütter, die während des Vaterbesuchs in der Nähe bleiben. Für die Frauen Gelegenheit, sich auszutauschen oder Fragen zu stellen, um mehr vom Leben hinter Gittern zu erfahren. „Manche freuen sich daran, dass ihre Kinder mit ihrem Vater Zeit verbringen“, erzählt Lisa Grewe von dem „wichtigen Stück Nähe, das Familien hier erleben können.“

Nun ist sie selbst aufgeregt, wenn es heute nach Frankfurt geht. Auf dem Programm stehen der Besuch des Gottesdienstes im Frankfurter Dom sowie die Teilnahme am Festakt mit anschließendem Empfang des Bundespräsidenten in der Alten Oper. Dann wird sich die niedersächsische Bürgerdelegation mit Ministerpräsident Stefan Weil treffen und gemeinsam die Präsentation Niedersachsens auf der Ländermeile besuchen. Das Niedersachsenzelt präsentiert sich in diesem Jahr unter dem Motto „Grenzerfahrung“. Und das passt auch zu dem, was Lisa Grewe bei ihrer Arbeit im Gefängnis erlebt.

Von Angelica Jansen

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