Schläge und Tritte im Ring: Wrestler kämpfen in Uelzen

Echtes Blut tropft – Rest ist „Seifenoper“

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Tagsüber sitzt Andreas Ullmann (rechts) am Schreibtisch, abends steigt er als „Absolute Andy“ in den Ring: Beim Uelzener Wrestler-Abend nimmt er es mit dem Niederländer Leon van Gasteren auf.

Uelzen. Wenn Andreas Ullmann morgens aus dem Haus geht, dann um am Schreibtisch mit den Zahlen zu kämpfen, manchmal vielleicht auch mit den Sorgen eines jungen Vaters. Dann trägt er Hemd und Hose, kurz: ist ein ganz normaler Typ.

Doch am Abend hört der Geschäftsführer eines Wirtschaftsbetreuungsbüros oft nur noch auf den Namen „Absolute Andy“. Dann steht er im Ring, um seine halb nackten 115 Kilo gegen die eines anderen zu stemmen. Schläge, Tritte, Sieg und Niederlage: Wrestling ist dann sein Geschäft.

Wrestling ist nicht nur eine Männerdomäne: „Veda Scott“ legte sich mit „Killer Kelly“ (am Boden) an.

Am Sonnabend nimmt der 1,90-Meter-Hüne in der Uelzener Jabelmannhalle den Kampf mit dem Niederländer Leon van Gasteren auf. Rund 250 Menschen werden Zeugen, wie er den 23 Kilogramm leichteren Kontrahenten unter den Arm klemmt und durch den Ring schleift, ihn über die Schulter durch die Luft wirbelt, um sich dann mit einem lauten Klatschen auf ihn zu stürzen. Da liegt der alles andere als wehrlose „Fliegende Holländer“ bereits am Boden. Je höher der Schweiß spritzt, desto lauter der Jubel in den Zuschauerrängen.

Die Verletzung ist echt – die Wrestler müssen Schläge und Tritte abwehren.

Keine Frage: Wrestling ist eine emotionsgeladene Sache – und eine gefährliche noch dazu. Das meint zumindest Björn Behrens vom Organisationsteam des Westside Xtreme Wrestling (wXw). „Das ist schon halsbrecherisch. Das muss man wirklich können und von der Pike auf gelernt haben.“ Der Körper gewöhne sich an die harten Aufschläge. Platzwunden, kleinere Blessuren und blaue Flecken seien an der Tagesordnung. Auch das Blut, das am Sonnabend von einer Stirn tropft, ist echt.

Das lässt sich vom Rest nicht behaupten: „Es ist wie ein live aufgeführter Actionfilm“, erklärt Björn Behrens, oder anders: ein „sportliches Impro-Theater“ mit dem Gerüst einer „Seifenoper“. In mehreren Episoden treffen Teams aufeinander – bis zum Finale. Die Männer von „Ringkampf“ und „Rise“ etwa stehen sich in Uelzen nicht das erste Mal gegenüber. Die Stimmung ist aufgeladen, als sie in Zwei-Mann-Teams um den begehrten „Tag-Team-Gürtel“ ringen. Der neunjährige Marten und sein Vater beobachten vom Rand aus, wie einige aufgebrachte Rise-Anhänger in den Backstage-Bereich verwiesen werden. Die Mehrheit johlt derweil für die Gegner. John „Bad Bones“ Klinger, ein Mann, dessen Muskelberge von Tattoos übersät sind, passt das offensichtlich gar nicht. Noch als er erschöpft am Rand des Ringes hängt, schießt er verbal zurück: „Schnauze!“

„Da haben sie ordentlich was gezeigt“, sagt Zuschauer Nils Waschewski, nachdem die Glocke zum Abschluss geläutet hat. Ihn fasziniere vor allem, welche akrobatischen Leistungen auch die Schwergewichte zeigen könnten, „ohne wirklich brutal zu sein“. Sein Sohn nickt. Und „Absolute Andy“? Der darf als Sieger nach Hause fahren. Aber auch das stand, genau genommen, schon im Vorfeld fest.

Der 34-Jährige trainiert viermal wöchentlich im Fitnessstudio und steht bis zu hundertmal im Jahr im Ring. „Wir wissen, wo wir hinschlagen, um den Gegner nicht zu verletzen“, erklärt der Profi-Wrestler. Schmerzen erwarte er, wenn überhaupt, erst spät in der Nacht. Dem Adrenalin sei Dank.

Von Anna Petersen

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