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Echte Handarbeit mit dem Spaten bis in drei Meter Tiefe

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Von: Lars Becker

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Mit einer solchen passiven Sonde waren die drei Verdachtspunkte im Bahnhofsbereich ausgemacht worden. Gefunden wurde aber nur Metallschrott und ein Erdkabel.
Mit einer solchen passiven Sonde waren die drei Verdachtspunkte im Bahnhofsbereich ausgemacht worden. Gefunden wurde aber nur Metallschrott und ein Erdkabel. © Julian Stratenschulte/dpa

Während an den beiden Verdachtspunkten im Böschungsbereich am Bahnhof „relativ schnell“ klar war, dass dort keine Blindgänger schlummern, war zwischen den Gleisen am frühen Sonnabend Handarbeit bis in drei Meter Tiefe gefragt.

Uelzen – Marcus Rausch ist selbst Sprengmeister und Einsatzkoordinator in den Reihen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Niedersachsen. In dieser Funktion hat er am Freitag und Sonnabend die Sondierungsarbeiten an den drei Blindgänger-Verdachtspunkten im Uelzener Bahnhofsbereich eng begleitet.

Im Gespräch mit der AZ erklärte er, dass die sogenannten Tiefensondierungen mit einer passiven Sonde – fünf Zentimeter im Durchmesser, etwa 60 Zentimeter lang – durchaus unterschiedlich verlaufen seien.

Metallschrott liegt 1,50 Meter unter der Erde

Denn während ein Stahlrohr und Drahtgeflecht im Böschungsbereich schon vor einer Tiefe von etwa 1,50 Meter lagen, wurde das durch frühere Bohrungen aufgewickelte Erdkabel im Gleisbereich erst in drei Metern Tiefe entdeckt.

Außerdem dauerten die Arbeiten, die eine Fachfirma für Kampfmittelräumung durchführte, unterschiedlich lange: „In der Böschung war relativ schnell klar, dass dort kein Blindgänger liegt. Wenn plötzlich ein Stück Eisendraht aus dem Boden guckt, dieses herausgeholt wird und die vorher festgestellte Anomalie verschwunden ist, dann hat sich ein solcher Verdachtspunkt erledigt“, erläuterte Rausch.

Ringe zum Abstützen der Grubenwände eingebaut

Bei der Sondierung im Gleisbereich hätten nach der Sperrung der Bahnstrecke die Vorarbeiten mit einem Bagger begonnen. „Mit einer Sonde habe wir immer gemessen, wie weit wir noch weg sind. Der Rest war dann Handarbeit mit dem Spaten, wobei wir angesichts der größeren Tiefe auch noch Ringe zum Abstützen der Grubenwände einbauen mussten“, so Rausch.

Grundsätzlich könnten passive Sonden ausschließlich Eisen-Metalle in einer gewissen Tiefenlage mit einer ungefähren Größe erfassen. „Wir wissen aber bis zur Inaugenscheinnahme nicht, was da ist. So lange sprechen wir von Anomalien, die wir messen“, sagt Rausch.

Schienen und Oberleitung als Stör-Faktoren

Angesichts des überall auf der Erde ungefähr identischen Magnetfeldes werde die Sonde quasi auf Null gestellt, bevor Messungen beginnen. Parallel werden durch die Sonde zwei Messungen oben und unten durchgeführt – die Differenz wird auf einer Skala angezeigt, wenn ein Körper gefunden ist, der ein eigenes Magnetfeld aufweist.

„Je größer das Objekt, desto besser ist es festzustellen. Schatzsucher beispielsweise am Strand nutzen aktive Sonden, die kommen bis in 30 oder 40 Zentimeter Tiefe, finden aber auch Edelmetalle wie Gold und Silber. Die passiven Sonden finden in den besten Umständen Dinge bis in vier Metern Tiefe“, so Rausch, der hinzufügte, dass die Messungen im Uelzener Gleisbereich wegen der Schienen und der unter Strom stehenden Oberleitung „nicht so ganz einfach“ gewesen seien.

Zwei Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes waren neben Kräften der Fachfirma in Uelzen. Wären Blindgänger entdeckt worden, hätten sie Verstärkung aus Munster angefordert und die Arbeiten übernommen.

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