Betrüger können seriöse Käufer-Konten kapern – Verkäufer hat den Schaden

Ebay: Vorsicht beim Verkauf von Gutschein-Codes!

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Auch für digitale Güter kann man Gutschein-Codes kaufen und verschenken. Bei Ebay hat ein AZ-Online-Redakteur beim Verkauf jetzt aber schlechte Erfahrungen gemacht.

Ganz bestimmt liegen auch dieses Weihnachten wieder auf zahlreichen Gabentischen Gutschein-Codes für zum Beispiel Amazon, iTunes, den Playstation-Store oder jedweden sonstigen Online-Dienstleister oder -Store, der Guthaben-Codes in Umlauf bringt und als Zahlungsmittel akzeptiert. Und ganz bestimmt landen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche der verschenkten Guthaben-Codes bei Ebay. Immer dann, wenn der Beschenkte keine Verwendung dafür hat. Aber Vorsicht! Frust droht!

Uelzen-Landkreis. Eine perfide Masche machen sich Betrüger zu eigen, um diese Codes zu erwerben – Geld sieht der Verkäufer dann am Ende keines und bleibt sehr wahrscheinlich auch auf seinem Schaden sitzen. Das passiert trotz des beworbenen Verkäuferschutzes von etwa PayPal, wenn man den Zahlungsdienstleister nutzt. Anders erging es dem Autor dieses Artikels. Er bekam sogar mehr Geld wieder, als Betrüger ihm vorenthielten. Ein Erfahrungsbericht:

Beim Kauf eines PCs erhielt der Autor einen Gutschein-Code für ein Computerspiel, mit dem er nichts anzufangen wusste. Also schien der Verkauf über Ebay eine gute Idee. Für 25 Euro bot er den Computerspiel-Code an, das waren 15 Euro weniger als dieser normalerweise kostete.

Die Nachfrage war groß und der Code schnell verkauft, alles offiziell über die Ebay-Plattform. Für eine kostenlose Dreingabe auch noch 25 Euro kassieren – super!, dachte sich der Autor. Die Freude wich jedoch schnell Entgeisterung. Einige Stunden nach dem Verkauf erhielt der Verkäufer die Nachricht via Ebay, dass der vermeintliche Code-Käufer gehackt worden sei – er die Transaktion nicht wissentlich und willentlich tat und diese rückgängig machen wollte. Der Verkäufer vermutete ein abgekartetes Spiel. Glaubte nicht an so einen Zufall, aber – um es kurz zu machen – der vermeintliche Käufer wurde laut Ebay tatsächlich gehackt, ihm das Geld, bezahlt via PayPal, zurückerstattet – zu Lasten des Verkäufers.

Der Code war bereits eingelöst worden. Das alles ganz schnell. Auch wenn er den Verlust der 25 Euro verschmerzen würde, (es war schließlich ein Code, den er selbst kostenlos erhielt) – zufrieden geben wollte sich der Autor damit nicht. Zu oft hörte er vom Ebay-Käuferschutz. Gibt es da nicht auch einen Verkäufer-Schutz?, fragte er sich. Und wie sieht’s mit PayPal aus? Schützt PayPal die Verkäufer, wenn Betrüger am Werk sind?

Die knappe Antwort lautet: nein! Zumindest in diesem konkreten Fall zunächst nicht. Ebay schützt Käufer, wenn diese Transaktionen per PayPal bezahlt haben. Ebay schütze auch Verkäufer, ist dem Verkäuferportal zu entnehmen – im besagten Fall wurde der Autor jedoch an den Zahlungsdienstleister PayPal verwiesen. Der schütze ebenfalls die Verkäufer, wurde ihm mitgeteilt. Aber! Leider mit Ausnahmen, wie der Verkäufer auf seine Recherche hin herausfand. So ist der sehr ausführlichen „PayPal-Verkäuferschutzrichtlinie“ unter „Punkt 2, Absatz 1“ zu entnehmen, dass „immaterielle digitale Güter und Lizenzen für digitale Inhalte“ nicht vom Verkäuferschutz abgedeckt werden.

Der Autor wollte es genauer wissen und bat die Pressesprecherin von PayPal in Deutschland, Sabrina Winter, um eine Stellungnahme. Grundsätzlich schütze der PayPal-Verkäuferschutz vor bestimmten Zahlungsausfällen und helfe Verkäufern, ihr Geld zurückzubekommen, so die Antwort. Hierzu zählten auch unberechtigte Zahlungen. Im Fall des Autors bestünde jedoch kein PayPal-Verkäuferschutz, da er einen Gutschein-Code verkauft hatte.

PayPal-Sprecherin Sabrina Winter wisse, sagt sie, dass dies eine „rein juristische Antwort“ ist. Den Ärger, den Verbraucher über mutmaßliche Betrügereien wie diese empfinden, könne sie menschlich nachvollziehen. Aber PayPal verstecke oder verheimliche nicht, dass der Verkäuferschutz in solchen Fällen nicht greife.

Der vermeintliche Käufer hat im besagten Fall sein Geld von PayPal sehr schnell zurückerhalten. Dabei handele es sich aber nicht um den PayPal-Käuferschutz, betont Sabrina Winter. Das Geld wurde dem – laut PayPal und Ebay nachweislich gehacktem – Käufer erstattet, weil es sich um eine „nicht berechtigte Zahlung“ handelte. Das sei ein „wichtiger Unterschied“, so die PayPal-Sprecherin.

Für PayPal-Nutzer, denen Ähnliches widerfahren ist, zeigt Sabrina Winter Verständnis: „Man hat Vertrauen in eine Sache, und wenn man dann doch auf die Nase fällt, dann tut das weh.“ Gefühlt mache das Internet vieles leichter, aber eben nicht viel leichter, so Sabrina Winter weiter.

„Ich verstehe, dass es hier keine Schwarz-Weiß-Betrachtung gibt.“ Wichtig sei es immer, die Spielregeln zu kennen, fügt die PayPal-Sprecherin hinzu.

Sein Geld bekam der Autor am Ende dennoch wieder. Vielmehr noch: Statt der verlorenen 25 Euro waren es sogar 50 Euro. Allerdings nicht von PayPal, sondern von Ebay. Und das auch eher aus Kulanz.

Der Autor möchte mit diesem Artikel seine Leser auf mögliche Gefahren beim Verkauf von Gutschein-Codes im Internet hinweisen und Hintergründe aufklären. Die 50 Euro hat er der „Stiftung Leben leben“ in Uelzen gespendet – per PayPal.

VON MICHAEL KOCH

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