Ausbau der Bahnlinie: Fraktion im Ortsrat sieht Hilfsfristen in Gefahr

Durch den Tunnel nach Holdenstedt?

Ein Notarztwagen im Einsatz steht an der Schranke an der Celler Straße. Solche Szenen gelte es zu verhindern, meint die Fraktion UWG-Holdenstedter Bürger.
+
Ein Notarztwagen im Einsatz steht an der Schranke an der Celler Straße. Solche Szenen gelte es zu verhindern, meint die Fraktion UWG-Holdenstedter Bürger.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
    schließen

Der Ruf nach einem Tunnel oder einer Brücke für die Celler Straße wird laut. Mit dem Ausbau der Amerika-Linie und steigenden Zugzahlen sei eine „höhenungleiche Bahnkreuzung“ unabdingbar, so die UWG-Holdenstedter Bürger.

Uelzen-Holdenstedt – Wer auf der Celler Straße nach Holdenstedt fährt, der muss damit rechnen, dass er an geschlossenen Schranken steht. Bahngleise der Amerika-Linie kreuzen die Fahrbahn. Mehr Züge werden nach einem geplanten Ausbau auf der Strecke rollen und damit auch die Wartezeiten steigen. Eine unhaltbare Situation, wie die UWG-Holdenstedter Bürger im Ortsrat findet. Deshalb steht für sie fest: Entweder muss eine Brücke oder ein Tunnel geschaffen werden.

Die Fraktion führt eine „Gefahr für Leib und Leben“ der Holdenstedter, einen wirtschaftlichen Schaden und den Klimaschutz ins Feld, um eine „höhenungleiche Bahnkreuzung“ zu fordern. Die Stadtverwaltung soll im Zuge der planerischen Abstimmungen mit der Deutschen Bahn eine entsprechende Lösung vereinbaren.

Die Deutsche Bahn informierte bei Runden Tischen und Informationsabenden in den vergangenen Jahren über den Ausbau der Amerika-Linie zwischen Uelzen und Stendal. Langfristiges Ziel ist, Güter von Häfen verstärkt auch über den Ostkorridor – Uelzen, Stendal, Magdeburg, Halle – ins Binnenland abfahren zu können.

Der Schienenverkehr werde von 79 auf 258 Züge steigen. Das sei das 3,3-fache, schildert die UWG-Holdenstedter Bürger. Die Zahlen hat die Bahn veröffentlicht, sie stammen aus 2018. Was die Schrankenschließzeiten betreffe, so würden diese von fünf bis sechs Minuten pro Stunde auf 22 bis 23 Minuten pro Stunde steigen.

Die Folge: „Hilfsfristen können nicht eingehalten werden“, listet die UWG-Holdenstedter Bürger auf. Für Rettungsfahrzeuge gilt, dass sie binnen 15 Minuten am Einsatzort sein müssen. „Wenn neben anderen Verzögerungen auf dem Weg nach Holdenstedt nun fünf bis zehn Minuten Wartezeit dazukommen, ist die Hilfsfrist nicht einzuhalten.“ Und bei Schlaganfällen und Herzinfarkten komme es auf jede Minute an. Ein Bild, mit dem die UWG argumentiert, zeigt einen Notarztwagen im Einsatz, der an der geschlossenen Schranke steht.

Das Uelzener DRK, zuständig für den Rettungsdienst im Landkreis gibt auf Nachfrage zu bedenken, dass Rettungswagen über die Bundesstraße 4 nach Holdenstedt fahren. Rettungsfahrzeuge könnten auch von der Rettungswache in Bahnsen oder aus Bad Bodenteich nach Holdenstedt geschickt werden. Der Notarzt kommt vom Klinikum am Hagenskamp. Auch dieser könne über die B4 fahren. Im Notfall sei auch noch der Rettungshubschrauber „Christoph 19“ einsetzbar.

Aber allein die Hilfsfristen sind es nicht, mit denen argumentiert wird. Es gebe auch einen wirtschaftlichen Schaden, wenn Lkws, Paketlieferanten oder Pflegedienste an geschlossenen Schranken stehen. Nach Angaben der Stadt würden pro Tag etwa 6500 Fahrzeugen auf der Celler Straße verkehren. In einer Beispielrechnung kommt die UWG-Holdenstedter Bürger auf 38,8 Stunden Wartezeit für alle Fahrzeuge, die täglich dort verkehren. Das sei oft auch Arbeitszeit. Würden 20 Euro pro Stunde angesetzt, liege der Schaden pro Jahr bei mehr als 280 000 Euro. „Daneben führt das Abbremsen und das Anfahren zu höherem Energieverbrauch und belastet das Klima“, so die UWG-Holdenstedter Bürger.

Man verweist auf gesetzliche Regelungen aus dem Eisenbahnkreuzungsgesetz aus dem Jahr 2020, wonach sich die Kosten für ein solches Projekt der Bund, die Bahn und das Bundesland teilen würden. Damit entstehen nach Informationen der Fraktion keine Kosten für die Stadt.

Zuletzt hatte die Bahn für Wieren eine Tunnel-Lösung angekündigt. Damit es am dortigen Bahnübergang nicht zu langen Rückstaus kommt und die Durchfahrt von Feuerwehr- und Rettungsfahrzeugen gesichert bleibt, will die Bahn dort unter den Gleisen einen zweispurigen Trog errichten. Zur Celler Straße will sich die Bahn im Laufe der Woche gegenüber der AZ äußern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare