Dunkle Wolken über Sponsorenlauf

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Die Realschule Ebstorf hat es kürzlich vorgemacht und einen Spendenlauf für pakistanische Flutopfer veranstaltet. Das sollte nach Ansicht von LeG-Schülern auch der Zweck des heutigen Sponsorenlaufs am Uelzener Herzogenplatz sein. Doch dieser dient dem Kauf einer Kletterwand.

Uelzen. Die Voraussetzungen sind prächtig: Zum heutigen Sponsorenlauf von Schülern und Lehrern des Lessing-Gymnasiums (LeG) am Herzogenplatz ist nicht nur herrliches Wetter angesagt, es werden auch hunderte Teilnehmer und zahlreiche Zuschauer erwartet (AZ berichtete). Dennoch herrscht bei vielen Oberstufenschülern des LeG Unmut über die Veranstaltung, die Spenden für den Kauf einer Kletterwand in der Schulturnhalle einbringen soll. Eine der AZ bekannte Gruppe von LeG-Schülern, die namentlich nicht in der Zeitung genannt werden will, kritisiert den Lauf und zweifelt die Notwendigkeit der Kletterwand an. Von Bernd Schossadowski

„Der Großteil der älteren Schüler reagierte verärgert, als klar wurde, dass dieser Lauf eine Pflichtveranstaltung ist“, berichten zwei Oberstufenschülerinnen. Die Aufforderung des LeG, man solle seine Eltern und Großeltern um Geld für die Kletterwand bitten, hätten viele Schüler als Unverschämtheit empfunden. „Wie soll man sich für etwas begeistern, wenn einem noch nicht einmal die freie Möglichkeit dafür gegeben wird?“, fragen die Schülerinnen. Sie bezeichnen die Kletterwand als „puren Luxus, der noch nicht einmal den Großteil der Schüler erreichen wird“.

Stattdessen schlägt die Schülergruppe vor, das Geld für aus ihrer Sicht sinnvollere Projekte zu investieren. „Wäre es nicht viel menschlicher, lieber für einen guten Zweck als für etwas Unnötiges zu laufen – für die Menschen, die unsere Hilfe auch wirklich brauchen?“, meint die Gruppe. Daher regt sie an, den Sponsoren- in einen Spendenlauf umzuwandeln und den Erlös den Opfern der Flutkatastrophe in Pakistan zur Verfügung zu stellen – so wie es die Gervasius-Realschule in Ebstorf kürzlich gemacht habe.

Nicht zuletzt kritisiert die Schülergruppe, dass wegen des Sponsorenlaufs heute ein ganzer Schultag im LeG ausfällt: „Durch das Doppelabitur verkürzt sich eh alles an Schul- und Lernzeit, und daher können wir jede Unterrichtsstunde gut gebrauchen.“

Für Schulleiter Hans-Joachim Lepel ist die Kritik am heutigen Unterrichtsausfall indes nicht stichhaltig. So habe das LeG schon mehrfach der Bitte von Oberstufenschülern entsprochen, sich einen Tag frei nehmen zu dürfen, um sich in anderen Städten über das Studienangebot der Universitäten informieren zu können. „Dann fällt der Unterricht an diesem Tag auch aus, doch das spielt für sie dann keine Rolle“, sagt Lepel. Er glaubt, dieses Argument sei der „Versuch von einigen Schülern, den Sponsorenlauf zu torpedieren“.

Dieser sei aber bewusst eine Pflichtveranstaltung. „Wenn man das auf freiwilliger Basis macht, ziehen sich etliche Schüler raus, die dazu keine Lust haben“, erklärt Lepel. Das LeG biete den Oberstufenschülern viele Freiräume. „Dann müssen sie in einer Gemeinschaft eben auch mal was für die Schule machen.“ Überdies sei die Idee des Sponsorentags zugunsten der Kletterwand im Schulelternrat und im Elternring des LeG „begeistert aufgenommen“ worden.

Den Vorschlag, Spenden für pakistanische Flutopfer zu sammeln, hält Lepel für berechtigt. „Aber Aktionen für Menschen in Not haben wir als Schule in den vergangenen Jahren immer wieder gemacht und werden das auch künftig tun.“ Nun sei einmal eine Veranstaltung zugunsten des LeG an der Reihe. Lepel glaubt, den wahren Grund für die Kritik der Schüler zu kennen: Diese werden 2011 nach ihrem Abitur das LeG verlassen und seien verärgert, weil sie nicht unmittelbar von der Anschaffung der Kletterwand profitieren werden. „Doch das ist ein Verhalten, das die Gemeinschaft der Schule in Frage stellt.“

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