Dütt und datt up Platt

Weltpoordag

Seit 31. Oktober 1925 giwt dat dan „Weltspoordag.“ Wat hebbt wie uns as Kinner freut, wenn Ende Oktober Spoordag wär. Alle harn wie domals een Spoorbüss von de Kass. Een iserne schwore Spoorbüss, ganz baben röber mit eenen Henkel ton drägen.

In eenen Schlitz, mit een Klapp, dormit man dor nix ruhalen könn, köm dat Geld rin. De Schöttel läg bi de Kass. Sülmst upschluten können wie de nich.

Wenn de Unkels oder Tanten to Besök köömen, steeken de dor denn mal eenen Daler rin. Ok wenn man mal so eenen Gröschen kreeg, kööm de in düsse Spoorbüss rin. Sogoor Schiene, de möß man uprullen und man steek de in een lüttget Lok. Wie freu’n uns, wenn Spoorbüss ordentlich vull wär.

An Spoordag nöhmen wie uns Spoorbook und denn hen na de Kass. Dat gespoorte Geld wör denn in dat Book indragen. Wie wärn stolz dat dor denn noch Zinsen in Spoorbok to kömen und indraden wörn. Dat Wichtigste aber, dat gäw noch Geschenke an dan Dag. Een Bleestift, Radiergummi, ok mal een Ball oder een Maalbook. Jeder, ganz egal woveeel he spoort har, kreeg een lütget Geschenk. Wenn man Glück har ok mal een Koortenspell, wie „Schwatten Peter“ oder Qartett.

Wat hett sik dat hüt blot ännert. Zinsen, magst gornich an denken. De lüttgen Kassen hebbt dicht makt. Mit de Automaten kamt de olen Lüüd nich kloor. Betaalt ward bi’n Inkööpen mit de Scheckkoort. Dat köst denn oft ok noch Gebühren. De Bankbeamten möt je ok läben, ganz besonders de grooden Bosse de sik verspekuliert und nich uppast hebt.

Een Oma woll mal hüt Geld anleggen. Se geiht na de Spoorkass und fragt dan Kassierer an Schalter: „Ik möch een nee’t Spoorbook hem. Heff dusend Euro hier in mien Handtasch mitbrocht. Is dat Geld ok sicher bi jük up’n Spoorbook in jo Kass?“

„Kloor is doch sicherer, as wenn se dat to Huus versteekten ward, bringt ok Zinsen,“ antwort de Mann von de Bank, „und klaun könnt se dat hier ok nich, dat kummt in Tresor.“

Fragt Oma wieder: „Je, und wenn jo Bank Pleite makt, wat is denn?“

„Hebbt se keen Angst, wenn wie Bankrott, also Pleite sind, denn tritt automatisch de Landeszentralbank in und steiht dorvör gerade;“ meen de Kassierer. Oma lett nich na; „je, und wenn de nu ok pleite maakt, watt denn?“

„Ok denn,“ beruhigt de Kassierer Oma, „denn kummt de Bundesbank doorvör upp.“

Aber Oma is ümmer noch misstrauisch und fragt wieder: „Wenn de ok noch Pleite makt, wat ward denn mit mien Geld?“

Bet’n verargert meen do de Kassierer: „Denn mutt de Bundesregierung trüch trän, und dat möt se weeten, ob se dat dusend Euero Wert is, denn ward neet wählt.“

Lohnt dat Spoorbook noch? Möt wie alle jetzt genau wie de grooden Bosse anfangen to spekuliern? Har Oma vör tein Johr vör 1000 Euro Gold kofft, wärn de hüt öwer 4000 Euro. Hüt söll man dan „Welt-Schulden-Dag“ Inföhr’n!

Carl-Friedrich Bautsch lebt in Groß Hesebeck, ist ein Kenner der hiesigen Geschichte und Plattsnacker aus Leidenschaft.

Von Carl Friedrich Bautsch

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