Dütt und datt up Platt

Füürwehrwost

Schlachteköst, dat wär een Fest up’n Land. Jeder Buur schlacht alle Johr einige Schwien und meistens een Kooh. Kühlschränk wie hüt, dat kenn man noch nich. Frischet Fleesch und Wost aber holt sick nich lang, deshalb nöhm man seit oolen Tieden Solt ton’ konservieren.

Pökelfleesch oder Sült, har man dat ganze Johr. De Speck wör mit Solt ton hol’n brocht. Schinken möß man eerst insolten und denn röökern. Eerst wenn de Kuckuck roopen dä, dörf de Schinken anschnee’n warn.

In’ Rook hängen, so wör dat Fleesch und vör allem Wost haltboor makt. Deshalb wär ok Rookfleesch en Äten, dat man ümmer har.

In Summer köm de Heringshändler und broch een Tunn Heer’n vör jeden Hoff. Hauptmahltied abends wär ümmeer „Puulketüffel und Hering.“ Wost aber, de wör dat ganze Johr äten. Lewerwost, Rotwost, Büdelwost, Grüttwost, Brägenwost und von Rind, Koppwost und Pansenwost. Wenn mal Geburtdag wär, oder Erntefest, oder man har Besöök, denn wör ut de Stadt „Breslauer“ halt. Dat is sün’ oole Bämser Spezialität. Is so wat ähnlichet as Würstchen in grooden Darm. Man kann de warm äten oder ok in Schieben up’t Broot lengen. Dick Bodder ünner schmeckt de prima.

In Krieg gäw dat je nich genoch to äten und deshalb sett na’n Krieg de „Fresswelle“ in. Abends wenn de Füürwehrversammlung vörbi wär, so üm halv tein, denn heet dat öfters: „Ick heff hunger, lat uns man noch na Bämsen föhrn und Breslauer halen. Jeder gäw Geld doorto und denn möß ener los na Bämsen und Breslauer halen. De Breslauer har all dan’ Namen „Füürwehrwost.“ To „Gehaktes,“ alo Mett, wenn de haalt wör, sä man „Füürwehrmarmelade.“

De Schlachters aber güngen fröh to Bett. Morgens glieks, wenn de meisten noch schlapen dän, wör’n de Schwien all schlacht. Bi Schlachter Hencke aber könn man ook noch nachts watt kriegen. De har domals all een ganz eenfachet unkompliziertet „Faxgerät,“ funktionier ohne Strom und Batterie. Vör sien Huus stünd een iserne Straatenlamp. Man nöhm Stück eenen Steen, oder perr mit Fod doorgegen. Weil de Paal baben mit de Lamp dicht an sien Kommerfinster stünd, könn Schlachter Hencke dat fein mitkriegen. De Kommerfinster güng up und he kröhl daal: „Woveel Breslauer willt jü hem, wieveel Geld hest mit?“

Dur nich lang, denn köm Ludolf Hencke, barfood in Pantüffel und Nachthemd in Laden, mök Licht an, schnapp sick de Breslauer und güng an de Huusdöör. De Breslauer har he öwer Arm steken. Wagen wörn de nich eerst, dat wör na Stückzahl betaalt. Ohne lang to klöönen güng de Döör wedder to und ehr man sick versehn har, wär he de Tripp all wedder hoch, denn rinn in’t Bett und dat Licht güng ut. So good wie dat geheime „Faxgerät“ von domals klappt hett, funktioniert dat hüt nich mehr, aber de Bämser „Breslauer“ is ümmer noch eene Spezialität ut uns Heimat, de jü probiern möt.

Carl-Friedrich Bautsch lebt in Groß Hesebeck, ist ein Kenner der hiesigen Geschichte und Plattsnacker aus Leidenschaft.

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