Drum prüfe, wer sich ewig bindet…

Von Ines Bräutigam - Nirgendwo im Landkreis ist man so weit mit Fusionsgesprächen wie im Nordkreis. Die Samtgemeinden Bevensen und Altes Amt Ebstorf und die Einheitsgemeinde Bienenbüttel arbeiten schon jahrelang in verschiedenen kommunalen Bereichen zusammen. Und das erfolgreich und zufrieden. Da liegt es nahe, aus den Verlobten durch den Zukunftsvertrag des Landes Niedersachsen Ehepartner zu machen und eine Vermählung hin zu einer großen Samtgemeinde zu wagen.

Doch allein die Hochzeitsprämie, mit der den fusionierenden Einheiten bis zu 75 Prozent ihrer Kassenkredite erlassen werden können, zieht nicht bei allen. So haben die Bienenbütteler, die finanziell von den Dreien am besten dastehen und von dieser Entlastung nicht profitieren würden, jetzt einen Gang runtergeschaltet, wie Bürgermeister Heinz-Günter Waltje diese Woche kundtat. Das Schiller-Zitat aus „Die Glocke“ kommt einem da spontan in den Sinn: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“

Die Bienenbütteler wissen genau, dass sie mit ihrer jetzigen Einheitsgemeinde gut bedient sind. Sie sind aber auch klug und weitsichtig genug, zu wissen, dass die heutigen Gemeindestrukturen langfristig nicht zu halten sein werden. Sie mischen also weiter in den Gesprächen mit, sehen für sich aber nicht die Notwendigkeit einer schnellstmöglichen Dreier-Fusion im Nordkreis. Obendrein fordern sie von den anderen beiden Partnern, deren Anzahl von Mitgliedsgemeinden zu reduzieren. Ohne dies wären sie sowieso nicht fusionsbereit. Der Teufel steckt also im Detail – Fusionsbereitschaft hin, Einigkeit her.

Erste verschnupfte Töne ob der deutlichen Forderungen der Bienenbütteler waren bereits aus dem Bevenser Rathaus zu hören. Die Ebstorfer sind leidvolle Überraschungen derweil aus vorherigen Fusionsgesprächen mit Suderburg schon gewohnt. Doch darf der Klartext, den Heinz-Günter Waltje im Namen seiner Gemeinde jetzt sprach, nicht dazu führen, dass Sand ins Getriebe des im Norden schon recht rund laufenden Fusionsmotors rieselt. Vielmehr muss allen Beteiligten noch mehr als ohnehin schon klar sein, dass immer mit Unwägbarkeiten gerechnet werden muss.

Die Gespräche sollten von allen Dreien mit der bisherigen Energie und dem alten guten Ton weitergeführt werden. Dabei sollten sie Wege ausloten, mit denen eine Fusion aller drei Beteiligten möglich ist. Denn schlagkräftiger und bedeutender als eine Zweier-Konstellation wäre eine solche Nordkreis-Samtgemeinde allemal. Eine große Fusion bis zur Kommunalwahl 2011 scheint damit zwar immer unwahrscheinlicher. Aber wenn alle mal ehrlich sind: Das war sie von Anfang an.

ines.braeutigam@cbeckers.de

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