VON WOCHE ZU WOCHE: Ein Kommentar von AZ-Redakteur Gerhard Sternitzke

Drohungen und ideologische Scheuklappen

Die Bevenser Jod-Sole-Therme.
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Die Bevenser Jod-Sole-Therme.

Alle sind sich einig. Grundsätzlich jedenfalls. Millionenschwere Investitionen in die Bevenser Jod-Sole-Therme sind notwendig, damit der größte Magnet der Kurstadt auch in Zukunft seine Gästezahlen hält oder sogar steigert.

Der Aufsichtsrat, in dem der Landkreis als Mehrheits- und die Stadt als Minderheitsgesellschafter vertreten sind, hat die geplanten Maßnahmen auch schon beschlossen. Warum in aller Welt streitet man sich jetzt darüber, ob die geplante Autobahn im Entwicklungskonzept 2030 für Bad Bevensen hätte gewürdigt werden müssen?.

Landrat Dr. Heiko Blume – in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Kurgesellschaft – legt in seinem Brief an die Stadt Wert darauf, dass der Bau der A 39 positive wirtschaftliche Effekte hätte, die am Ende zur Folge haben könnten, dass der jährliche Zuschuss von Kreis und Stadt für die Therme sinken könnte. Damit hat der Landrat beziehungsweise der Landkreis-dominierte Aufsichtsrat sicher recht. Die Erreichbarkeit über eine Autobahn bringt die Möglichkeit mit sich, dass Besucher aus weiter entfernten Regionen – Blume nennt Wolfsburg und Braunschweig – die Therme nutzen könnten.

Warum aber wird dieser Hinweis mit der unausgesprochenen Drohung versehen, der Landkreis könnte die Finanzmittel verweigern, wenn die Stadt die A 39 nicht in ihr Konzept schreibt. Was ändert sich dadurch? Kommen weniger Gäste über die Autobahn, wenn sie in dem Papier nicht erwähnt wird? Geht es womöglich darum, den politischen Gegner, die Grünen, insbesondere Stadtdirektor Martin Feller, zu Kreuze kriechen zu lassen? Er hat nicht ganz unrecht: Versucht der Landrat hier, durch die Hintertür einen demokratischen Beschluss des Stadtrats zu kippen?

Erstellt wurde das Zukunftskonzept von der Bad Bevensen Marketing. Diese hielt sich an die Linie der Stadtratsmehrheit und erklärte die Bundesstraße für ausreichend, dass Gäste in die Kurstadt kommen. Autobahn? Unerwünscht.

Nun kann man mit guten Gründen die Autobahn ablehnen. Die Argumente sind hinlänglich bekannt. Diese Haltung passt grundsätzlich auch gut zu einer Kurstadt, die auf Wellness setzt. Aber die Stadt hätte sich nichts vergeben, wenn sie – trotz grundsätzlicher Ablehnung – die langfristigen Chancen der A 39 zur Gewinnung von Tagestouristen und Kurzurlaubern in dem Konzept bedacht hätte. Von den Segnungen der Autobahn werden auch die Autobahngegner profitieren.

VON GERHARD STERNITZKE

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