Aus dem Gericht: Angeklagter fehlt erneut

Dritter Anlauf im Hakenkreuz-Prozess: Keine Spur vom Beschuldigten

Uelzen – Ein verschandelter Imbiss-Tisch (der Schaden: 300 Euro) beschäftigt das Uelzener Amtsgericht mittlerweile zum dritten Mal.

Richterin Claudia Hagemann erlebt jetzt beim jüngsten Termin ein Déjà-vu, denn der 24-jährige Angeklagte ist – wie beim ersten Termin – nicht erschienen.

M. soll mit Freunden Kritzeleien in den Tisch eines Uelzener Imbisses geritzt haben, unter anderem Tic-Tac-Toe-Felder. M. wird außerdem vorgeworfen, der Verursacher von Hakenkreuzen zu sein, die nach seinem Besuch auf dem Tisch prangten.

Für den Besitzer des Imbisses ist das mehr als eine Lappalie: „Wir haben viele ausländische Mitarbeiter“, erklärte er beim ersten Verhandlungstermin in Abwesenheit des Angeklagten. Diese würden durch die ausländerfeindlichen Symbole beleidigt. Als Richterin Claudia Hagemann M. auf dem Handy erreichte, gab der an, dass er die Vorladung nicht habe lesen können und darum nicht gewusst habe, wann die Verhandlung war.

Es folgte ein zweiter Termin, bei dem M. alles abstritt. „Ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen. Ich war das nicht“, beteuert er, denn er wisse überhaupt nicht, was Hakenkreuze sind. Zwar sei er an den eingeritzten Tic-Tac-Toe-Feldern beteiligt, von verfassungswidrigen Symbolen wollte M. aber nichts wissen. Er habe nichts gegen Ausländer und Hitler kenne er nur aus dem Fernsehen.

Darum lud das Amtsgericht M.s ehemaligen Freunde noch einmal vor und verhandelte jetzt ein drittes Mal. Weil die zwar erschienen sind, vom Beschuldigten aber wieder jede Spur fehlt, schickt Claudia Hagemann die Polizei los, die den 24-Jährigen zuhause in der Samtgemeinde Aue antrifft. Die Verhandlung kann mit einiger Verzögerung beginnen.

Die Freunde belasten sich wie bei den vorangegangen Verhandlungsterminen gegenseitig. „Der Schaden ist inzwischen reguliert. Der Angeklagte hat bereits zugegeben, an der Sachbeschädigung beteiligt gewesen zu sein“, fasst die Richterin zusammen. Sowohl M. als auch seine bereits verurteilte ehemalige Bekannte haben jeweils die Hälfte des Schadens beglichen. Das Verfahren wegen der Verwendung von verfassungswidrigen Organisationen wird darum eingestellt.

VON SANDRA HACKENBERG

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Peter Steffen

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