Polizei beklagt deutliche Zunahme in der Region / Mehr Schutzplanken als Lösung

Ein Drittel mehr Baumunfälle

Uelzen/Landkreis. Auf diesen Spitzenplatz hätte Niedersachsen gerne verzichtet. Es ist das Bundesland mit der höchsten Anzahl von Baumunfällen in Deutschland. So wurden 2012 landesweit mehr als 1000 Personen bei solchen Unfällen getötet oder schwer verletzt.

Auch im Kreis Uelzen sind die Zahlen dramatisch. „2013 hatten wir im Vergleich zum Vorjahr etwa 30 Prozent mehr Baumunfälle“, bilanziert Andreas Dobslaw, Verkehrsexperte der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen. Die drei Landkreise zusammengerechnet, seien es fast ein Drittel mehr gewesen. Daher sei es höchste Zeit, gemeinsam etwas gegen Baumunfälle zu unternehmen.

Entscheidend ist für Dobslaw dabei, das Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer für die Gefahren von Baumkollisionen zu wecken. „Diese haben zwar nur einen Anteil von drei Prozent am gesamten Unfallgeschehen im Bereich der Polizeiinspektion, aber auf sie entfallen 40 Prozent aller Unfalltoten“, warnt der Verkehrsexperte. So starben im vergangegen Jahr insgesamt 20 Kraftfahrer in den drei Landkreisen, acht davon im Kreis Uelzen.

Schon kleinste Fahrfehler führen laut Dobslaw manchmal dazu, dass Autos gegen Bäume prallen. Viel gefährlicher als die frontale Kollision sei die seitliche. Diese könne schon ab 45 Kilometern pro Stunde tödlich enden, „und bei 97 km/h zerreißt es jedes Auto“, weiß Dobslaw. Die passiven Sicherheitseinrichtungen der Fahrzeuge seien einfach nicht in der Lage, den Seitenaufprall wirkungsvoll zu mindern. Mit einem Vorurteil will Dobslaw aber aufräumen: „Die Opfer von Baumunfällen sind nicht alles nur Raser.“

Massenhaft Bäume zu fällen, sei jedoch nicht die Lösung, erklärt er. Viel sinnvoller sei es, mehr Schutzplanken an unfallträchtigen Strecken zu installieren. Darauf wolle die Landesregierung auch ihr verstärktes Augenmerk legen. „Wir können davon ausgehen, dass es in den nächsten Jahren vermehrt zum Schutzplankenbau an Problemstrecken kommt“, sagt Dobslaw und nennt als mögliches Beispiel die B 71 zwischen Wellendorf und Groß Ellenberg.

„In Niedersachsen herrscht dringender Handlungsbedarf. Wir müssen diese Entwicklung stoppen“, betont auch Niedersachsens Verkehrsstaatssekretärin Daniela Behrens hinsichtlich der Baumunfälle. Geplant seien eine umfassende Aufklärungskampagne, ein Sonderprogramm, um ab 2015 Schutzplanken an Fahrbahnrändern anzubringen, und „präventive Geschwindigkeitsbeschränkungen auf kritischen Strecken“.

Von Bernd Schossadowski

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