Experte gibt Tipps

Dreiste Schlüsseldienst-Abzocke: Uelzenerin (23) von osteuropäischer Bande geprellt

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Egon Würdemann von der Firma Kopp rät dazu, die Nummern der seriösen örtlichen Schlüsseldienste Kopp und Mocek für den Notfall im Handy zu speichern. 

Uelzen – Mittwoch vor einer Woche, 21.30 Uhr. Lena Meier (Name von der Redaktion geändert) will noch eine Runde mit dem Hund gehen. Als sie nach draußen tritt, fällt die Tür ins Schloss – der Schlüssel liegt im Haus.

„Mein Mann war beim Bund, meine Mutter zu der Zeit im Urlaub“, erklärt die 23-Jährige, noch immer betroffen von dem, was dann folgte. „Jeder, der einen Schlüssel hat, war nicht da.“ Ihre einzige Chance: der Schlüssel-Notdienst.

Aufgeregt durchforstet die Uelzenerin mit dem Handy das Internet. Gerade ist Lena Meiers Bekannte von Klempner-Haien abgezockt worden (AZ berichtete). „Ich dachte mir noch: ‘Das passiert dir nicht!’“

Ganz oben in der Suchmaschine wird ein Schlüsseldienst angezeigt, der über eine Handynummer kontaktiert werden kann. Die Webseite macht einen seriösen Eindruck, dort wird auch vor schwarzen Schafen gewarnt. Die Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte erfährt am Telefon, dass ein Monteur in der Nähe sei und zu ihr geschickt werde. Lena Meier fragt nach, ob es sich um eine örtliche Firma handelt und will einen Kostenvoranschlag. Man versichert ihr, dass es sich um eine Firma aus der Nähe handelt und sie mit Kosten ab 400 Euro rechnen müsse. Während Lena Meier mit ihrem Hund vor der Haustür wartet, wird sie mehrmals von den Monteuren mit unterdrückter Nummer angerufen. Es dauere länger, man sei unterwegs...

Dann, nach zwei Stunden, fährt ein VW vor, ohne Firmenaufkleber, dafür mit Essener Kennzeichen. Zwei große, stämmige Männer steigen aus, ein Türke und, so vermutet Lena Meier, ein Araber.

Die Männer erklären, in Essen sei der Firmensitz. Lena Meier muss einen Kostenvoranschlag von mehreren hundert Euro unterschreiben. Dann versuchen die dubiosen Dienstleister, die Tür mit einer Karte zu öffnen – ohne Erfolg. Die nächste Maßnahme: Sie bohren das Schloss auf.

Die Tür ist auf, und die Männer setzen Lena Meier ein neues Schloss ein – angeblich ein Sicherheitsschloss. Sie berechnen dafür 500 Euro extra, die sie nachträglich auf dem Kostenvoranschlag eintragen. Am Ende sind es 1.500 Euro, die sie zahlen soll.

„In dem Moment war mir schon klar: Du bist diesen Idioten in die Falle getappt“, sagt Lena Meier. Weil angeblich das Kartenlesegerät kaputt ist, soll sie bar zahlen. Die Männer begleiten sie zum Bankschalter. Sie kann nur 200 Euro abheben. Das gefällt den Monteuren nicht: „Sie sagten Sachen wie ‘Warum hast du Anfang des Monats kein Geld?’ und ‘Hätten wir das gewusst, wären wir gar nicht gekommen.“ Lena Meier fühlt sich bedrängt – spätestens, als die Männer Schmuck fordern: „Ich habe gesagt, dass ich nix habe. Da sind sie sauer abgedampft.“

Am nächsten Tag geht Lena Meier zum örtlichen Schlüsseldienst Kopp und lässt sich ein neues Schloss einbauen. Sie hat Angst, dass die Betrüger einen Schlüssel behalten haben, um bei ihr einzubrechen. Sie zeigt Egon Würdemann das verbaute Schloss. „Das war ein herkömmliches Zylinderschloss, das man für 30 Euro bekommt“, erklärt der Experte empört. Lena Meier sei kein Einzelfall: „In den letzten Monaten kamen vier Kunden, die abgezockt wurden. Darunter war eine ältere Dame, der die Monteure gesagt haben, sie seien Angestellte von Kopp. Andere seien bedroht worden.

Egon Würdemann erklärt, dass das Öffnen einer zugefallenen Tür bei ihm unter 100 Euro kostet. „Da muss auch nicht gebohrt werden.“

Der Experte rät davon ab, Handynummern oder Hotlines anzurufen. Stattdessen sollte man sich die Nummer von Kopp oder Mocek ins Handy speichern oder sie unter der Fußmatte notieren: „Wir arbeiten zusammen. Wer außerhalb der Geschäftszeiten anruft, hört eine Bandansage mit der Handynummer von dem Mitarbeiter, der Notdienst hat.“ Und diese Handynummer sei dann mit Sicherheit eine seriöse.

VON SANDRA HACKENBERG

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