Dreiecksblick und Kompliment

Philipp von Senftleben gab Flirtunterricht in Suderburg.

Suderburg - Von Barbara Kaiser. Er trägt keinen Ring, sondern schon Bauchansatz. Er ist schwarz gekleidet und formuliert, obwohl seine Show durchgestylt scheint bis aufs letzte Wort, nicht immer grammatikalisch korrekt. Philipp von Senftleben sieht keinesfalls aus wie George Clooney, eher ein bisschen wie Prinz Albert von Monaco (von dem man auch nicht weiß, warum er so lange zum Heiraten braucht), behauptet jedoch trotzdem, der Flirttrainer der Nation zu sein. Gut, Schönheit ist sowieso nicht alles. Jetzt wollte der Mann aus Berlin die Studenten in Suderburg auf den richtigen Flirt-Kurs bringen. Und nahezu 100 Nachhilfebdürftige beiderlei Geschlechts harrten gespannt der Dinge.

„Alles kann man kriegen, wenn man es will!“, behauptet er und meint damit wohl vor allem das maskuline Jagen und Sammeln von Frauengunst.

In seinem Radiomoderatorenspaß, in dem er rund 1200 Mal fremde Frauen in irgendwelchen Geschäften oder Dienststellen anrief, gelang es ihm, von 80 Prozent die private Telefonnummer zu bekommen. Zwecks Date und mehr. Er buhlt mit Oscar Wilde – klar, wer kann heutzutage noch Klassiker zitieren, das wirkt. Dazu weiß er einen Satz von Wilhelm von Humboldt, nämlich, dass der Mensch erst Mensch mit dem Wort sei.

Er legt seine Stimme ganz tief, weil das angeblich Vertrauen schafft und Solidität und Zuverlässigkeit suggeriert. Er hält den „Dreiecksblick“, den Blick zwischen beiden Augen und abwechselnd auf den Mund, für die Optimierung männlicher Anmache und versucht Einfühlungsvermögen. Man solle herausfinden, „was der andere will – es ihm aber nicht geben. Jedenfalls nicht sofort.“

Der Moderator lässt sein Auditorium mitspielen, indem es ihm Merkmale zurufen darf, die den Menschen ausmachen. Und er gibt den Ratschlag, am Anfang einer Zusammenkunft keinesfalls zu polarisieren. Klärt auf über den Unterschied zwischen Kompliment und Schleimerei und rät zu „ersten Worten“.

Meist sind es männliche Machtspielchen, die Philipp von Senftleben da beschreibt, und man darf sich ein wenig besorgt fragen, wie unsicher junge Leute heutzutage sein müssen, dass sie darauf hören; sich vielleicht noch danach richten (wollen). Natürlich macht das Sitzen vorm Computer so autistisch wie einsam und der Wortschatz wird durchs Fernsehen auch nicht unbedingt größer und sensibler. Aber wenn es funkt zwischen zwei Menschen, fallen einem die richtigen Worte doch ein, oder?

Wenn man allerdings Zweierbeziehungen als Sport nimmt und nach Masse geht – dann ist der, der dafür Tipps gibt, vielleicht das einsamste Würstchen dieser Welt? Das es übrigens nicht für ratsam hält, dass Frauen Männer selbstbewusst zuerst ansprechen. „Davor haben wir Angst!“

Wer diese zwei Stunden Vorlesung nicht ganz so ernst nahm, hatte als Zuhörer natürlich seinen Spaß; worauf es in dieser Gesellschaft ja vermeintlich alleinig ankommt. Alles Comedy!

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