Landesstraßenbaubehörde stellt in Bad Bevensen Pläne für einen B 4-Ausbau vor

Drei Spuren durch den Kreis Uelzen

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Die Karte der Landesstraßenbaubehörde zeigt den möglichen Verlauf einer dreispurig ausgebauten B 4 mit Umgehungsstraßen für Melbeck, Jelmstorf und Tätendorf.

Bad Bevensen. Was tun gegen die Blechlawine, die Tag für Tag über die B 4 rollt? Die niedersächsische SPD sieht die Autobahn 39 als Lösung, die Grünen halten einen Ausbau der Bundesstraße für ausreichend.

„Einen konkreten Planungsauftrag hatten wir nicht“, betonte Hinrike Böhm von der Landesstraßenbaubehörde Hannover in Bad Bevensen bei der Vorstellung der groben Linie für einen dreispurigen Ausbau der Bundesstraße 4.

Da sich die beiden Regierungsparteien nicht einigen konnten, meldeten sie beide Projekte zum Bundesverkehrswegeplan an. Die Linienführung für einen möglichen B 4-Ausbau stellte Dezernatsleiterin Hinrike Böhm von der Landesstraßenbaubehörde Hannover auf Einladung der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf am Mittwochabend in der Mensa der Kooperativen Gesamtschule in Bad Bevensen vor.

Viele der zahlreich erschienenen Zuhörer dürften enttäuscht nach Hause gegangen sein. Denn die an die Wand geworfenen Karten im Maßstab 1: 25 000 zeigten wenig Details. Zu sehen waren außer dem bekannten Verlauf der Bundesstraße zwischen Melbeck und Westerweyhe, die dreispurig mit abwechselnden Überholspuren ausgebaut werden soll, drei Umgehungen im Osten von Melbeck sowie westlich von Jelmstorf und Tätendorf. Bienenbüttel würde nicht entlastet. Im Landkreis Gifhorn sollen Sprakensehl und Groß Oesingen eine Umfahrung bekommen.

„Es ist keine formelle Linienfestlegung“, betonte die Planerin mehrfach. Mit Hilfe digital verfügbarer Daten habe man nur eine grobe Linie ermittelt und die Kosten überschlagen. Sie belaufen sich auf 300 Millionen Euro für die etwa 72 Kilometer lange Strecke bis zur Gifhorner Umgehung. In diese Summe seien auch Lärmschutzmaßnahmen eingeflossen. „Einen konkreten Planungsauftrag hatten wir nicht“, erklärte Hinrike Böhm. „Für mich ist das Augenwischerei aus Hannover“, meinte Ratsherr Eckhard Warnecke (CDU): „Man bietet Alternativen und arbeitet sie nicht richtig aus.“

Auch an dem dreispurigen Ausbau, der 2+1-Lösung, entzündete sich Kritik. „Zwischen Vollgas und Hinterhertrödeln“, so fasste einer der Zuhörer seine Erfahrungen mit den Überholspuren bei Westerweyhe und Uelzen zusammen. Andere bezweifelten, dass drei Spuren ausreichen. Die Behördenvertreterin räumte ein, dass bei Neubauten die Grenze für zweispurige Straßen bei 12 000 Fahrzeugen pro Tag liegt, 15 000 gelten als das Maximum für die Dreispurigkeit. In Melbeck wurden 18 000 gezählt.

„Natürlich kann die Variante nicht die Verkehre aufnehmen, die für die A 39 geplant sind“, stellte der Grünen-Landtagsabgeordnete Heiner Scholing klar. „Dahinter steht ein Konzept, Verkehre auf vorhandene Strecken zu verteilen.“

Auch die Umgehungsstraßen überzeugten nicht alle. „Die Umgehung zerschneidet wieder das Dorf. Das bringt uns überhaupt nichts“, kritisierte Ratsherr Gerhard Krug (SPD) aus Jelmstorf mit Hinweis auf die Waldsiedlung Klaepenheide. Jürgen Schlieckau, CDU-Ratsmitglied in Bevensen, warnte davor, dass Geschäfte von ihren Kunden abgeschnitten würden. Annette Niemann vom Dachverband der Bürgerinitiativen gegen die A 39 warnte, dies sei die letzte Chance für Umgehungsstraßen: „Den Bürgern muss das klar sein, dass, wenn die Autobahn gebaut wird, nichts mehr passiert hinsichtlich Lärmschutz.“

Auf Entlastung werden die Anwohner an der B 4 noch warten müssen. Ende 2015 beschließt die Regierung den Bundesverkehrswegplan. Nur eines der beiden Projekte hat die Chance auf Verwirklichung. Vor 2017, 2018 könne man mit der Planung für die B 4 nicht beginnen, stellte Hinrike Böhm klar. Die Bürger machten sich ihre eigenen Gedanken, wie vor der Tür zu hören war: „Die Autobahn wird doch gebaut.“

Von Gerhard Sternitzke

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