Von Freunden, Ideen, dem Leben und einer Brauerei

Drei Mann – ein Bier: In Uelzen braut sich was zusammen

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Luisenstraße in Uelzen: Marketing-Mann Helge Neidhardt (links), „Mädchen für alles“ Enno Warnecke und Bierbrauer Felix Brinckmann wollen „etwas Eigenes machen, um glücklich zu werden“.

Uelzen – An der Luisenstraße in Uelzen steht ein Gebäude, das schon viele edle Tropfen gesehen hat. Rote und weiße waren ganz sicher mit dabei – ein solcher, wie er jetzt dort untergebracht wird, aber ganz sicher nicht.

Im alten Weinkontor, inmitten der offenen Wände und noch sichtbaren Elektroleitungen, kann man die Theke schon erkennen. Hier, im späteren Schankraum, stehen drei junge Männer, Uelzener, Freunde seit langen Jahren, die sich zusammengeschlossen haben, um „etwas Eigenes zu machen, um glücklich zu werden. “ Und das ist ein Bier.

Helge Neidhardt arbeitet bei einer Werbeagentur in Hamburg und ist daher passenderweise für das Marketing zuständig. Der gebürtige Gerdauer, der sein Abitur auf dem Herzog-Ernst-Gymnasium machte, möchte seine Stadt bereichern: „Wir hätten das auch in einer Metropole wie Hamburg machen können, aber wir wollten der Region hier etwas zurückgeben. In Uelzen kann man die Leute noch berühren.“

2015 hatte der gelernte Marketing-Kaufmann zusammen mit seinem Freund Enno Warnecke, ursprünglich aus Suderburg, ein Verkaufsfahrrad, genannt „Craft Bike“, konstruiert und betrieben (AZ berichtete). „Da haben wir uns „Taco Brothers“ genannt, wollten aber zuerst Suppen anbieten“, sagt Enno Warnecke, der Immobilien-Kaufmann gelernt hat und sowohl „Mädchen für alles aber auch Papa“ ist. So drückt es jedenfalls der Dritte im Bunde, Bierbrauer Felix Brinckmann, ebenfalls Suderburger, aus. „Enno treibt uns an, wenn wir mal nicht so in die Gänge kommen“, fügt der Hopfen-Spezialist mit einem Lächeln hinzu.

Felix Brinckmann bringt unverzichtbare Fähigkeiten mit in das Kollektiv und hat schon eine erstaunliche Vita vorzuweisen. „Mit 15 hab ich schon zum ersten Mal ein Bier gebraut. Vielleicht bin ich der Erste, der das Handwerk noch vor dem Geschmack mochte“, schmunzelt der Suderburger. Gelernt habe er bei der Flensburger Brauerei, war dann für ein Jahr in Wellington/Neuseeland und wurde als Nächstes Schichtleiter in einer Londoner Brauerei. Nach einer weiteren Station im Vereinigten Königreich, nämlich in Reading, „wo wir fast jede Woche ein neues Bier gebraut haben“, ging es zurück ins Heimatland, nach Hamburg. Doch dem Weltenbummler wurde das alles ein bisschen zu viel: „Da stimmt irgendwann die Work-Life-Balance nicht mehr. Ich möchte lieber zwanglos brauen und zwar so, wie es mir schmeckt.“ Exklusivität sei ihm wichtiger als der große Absatz – was auch für Uelzen spreche.

Und so bekommt die Uhlenköperstadt ein eigenes Bier, das auch in absehbarer Zeit tatsächlich dort gebraut werden soll – von der ØLZN-Brauerei. „Im Moment braut eine Berliner Brauerei nach unserem eigenen Rezept, doch noch in diesem Jahr wollen wir eine eigene Anlage anschaffen“, informiert Helge Neidhardt.

Bleibt nur noch die Frage nach dem Namen – warum ØLZN? „Ich mag dieses skandinavische Lebensgefühl. Øl ist das dänische Wort für Bier und mit dem Z-N dran ist das eine Hommage an unsere Heimatstadt.“

VON ANDREAS URHAHN

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