Tornadoähnliche Stürme richten in Stadt und Kreis Uelzen schwere Schäden an

Drei Blitze pro Sekunde

An der Ebstorfer Straße überflutete die Unterführung. Foto: Daasch

Uelzen/Landkreis. Hans Klingenberg hat in der Nacht zu gestern kein Auge zugemacht: Kurz nach Mitternacht ist für den Medinger und seine Familie die Ruhe vorbei, denn um sein Haus herum krachen meterhohe Bäume zu Boden.

Zwei Tage zuvor hatte er das Gartentor noch gestrichen, in der Nacht zu gestern krachte eine Eiche auf das Grundstück von Hans Klingenberg in Medingen – und fiel nicht nur ins Tor, sondern auch noch auf seine Garage. Foto: Bräutigam

Eine Eiche zertrümmert das Gartentor und schlägt in der Garage ein, weitere Bäume werden wenige Meter von seiner Hecke entfernt samt Wurzeln aus der Erde gehoben. Der schwere Sturm, der über den Landkreis Uelzen fegte, hat zahlreiche Schäden angerichtet und die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei gefordert. Und für die Nacht zu heute waren weitere Unwetter angesagt.

Den Bereich im Nordkreis scheint es besonders stark getroffen zu haben. Klaus Knust, Leiter der Revierförsterei Medingen, ist gestern Morgen dabei, sich nach und nach ein Bild von den Schäden zu machen. „Das ist eine Windhose gewesen“, lautet sein Urteil für den Bereich der Waldgebiete Lohn und Rießel bis zur nördlichen Kreisgrenze. In den Beständen seien unzählige Bäume von der Wucht des Sturms entwurzelt worden. „Das wird ein bis zwei Tage dauern, bis wir da alle Waldwege wieder freigeräumt haben“, mutmaßt Knust.

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Selbst Tornados nicht ausgeschlossen

Die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren waren im Dauereinsatz: In der Unterführung an der Ebstorfer Straße in Uelzen hatten sie mit einer Überschwemmung zu kämpfen, am Eschenkamp waren reihenweise Bäume umgekippt und in Kirchweyhe wurden Böschungen und Bäume in Mitleidenschaft gezogen. Die Ratsteichwiese in Uelzen stand wegen der Regengüsse ebenfalls unter Wasser. Zwischen 23.55 und 9.21 Uhr rückten die Feuerwehren des Landkreises insgesamt 73 Mal aus – um umgestürzte Bäume von Straßen und Garagen sowie Bahngleisen bei Allenbostel, Bad Bodenteich und Brockhöfe zu schaffen oder überflutete Garagen und Keller auszupumpen. Bei Allenbostel krachte an der K 23 ein Baum auf eine Hochspannungsleitung und an verschiedenen Stellen in Uelzen und Bad Bevensen drückte das Wasser die Gullydeckel hoch.

Besonders tragisch: Auf einer Wiese bei Medingen wurden zwei wertvolle Zuchtstuten des Klosterhofs vom Blitz erschlagen, eine weitere wurde schwer verletzt.

Ursache für das Unwetter ist laut AZ-Wettermann Reinhard „Zaki“ Zakrzewski eine sogenannte Mesozelle, die sich aus mehreren großen Gewitter-Clustern gebildet hat. Bis zu 13 Kilometer hohe Wolkentürme haben ihre Energie entladen in Gewittern „mit tropischem Charakter“ und tornadoähnlichen Winden, so Zakrzewski. Etwa 20 000 Blitze pro Stunde wurden in Nordostniedersachsen gezählt, zwischen Lüneburg und Uelzen gingen von 23 Uhr bis Mitternacht 5000 Blitze nieder – das entspricht drei Blitzen pro Sekunde. Hinzu kamen 50 Liter Regen binnen sechs Stunden pro Quadratmeter. „So ein Gewitter“, sagt Zakrzewski, „habe ich auch noch nicht erlebt...“

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