Zweiter Douglas-Prozess: U-Haft einmal ausgesetzt

Drei Angeklagte wollen gestehen

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Einem der vier Angeklagten droht Knast. Die anderen können nach derzeitigem Stand und bei einem glaubhaften Geständnis mit Bewährungsstrafen rechnen.

Uelzen/Lüneburg. Mit einer Hausaufgabe hat der Vorsitzende Richter Axel Knaack Verteidiger, Angeklagte und Staatsanwälte gestern Mittag ins Wochenende geschickt.

„Denken sie über meinen vorgegebenen Rahmen nach und äußern sie sich bis zum nächsten Verhandlungstag am Mittwoch“, beendete der Richter den zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen Mitglieder der Douglas-Bande vor dem Landgericht Lüneburg.

Zuvor hatte Knaack nach internen und intensiven Gesprächen mit Staatsanwaltschaft und Verteidigern ein mögliches Strafmaß für die vier wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung sowie anderer Delikte vor Gericht stehenden Angeklagten aus Uelzen umrissen. „Unter der Bedingung, dass die Angeklagten ein umfassendes und glaubhaftes Geständnis ablegen und sich persönlich vor Gericht bei den Betroffenen entschuldigen, könnten nach Jugendstrafrecht für Hamze E. zwei Jahre, für Iza I. ein Jahr und acht Monate sowie für Achmed B. ein Jahr als Strafmaß herauskommen. Alle Strafen würden zur Bewährung ausgesetzt.“ Zum Verständnis: Bereits zu Beginn des gestrigen Verhandlungstages hatten die Verteidiger der genannten Angeklagten angekündigt, dass ihre Mandanten bereit seien, Geständnisse abzulegen.

Härter würde es nach Aussage des Richters den vierten Angeklagten, Mostafa E., treffen. Seine von Knaack vorgesehene Strafe in Höhe von zwei Jahren und vier Monaten Freiheitsentzug würde nicht zur Bewährung ausgesetzt. Begründung für die differenzierte Betrachtung: Die von der Staatsanwaltschaft aufgeführten Taten, die sich im Herbst vergangenen Jahres in Uelzen ereignet hatten, würden sich zwar relativ gleichen, doch gebe es bei den vier Angeklagten unterschiedliche rechtliche Vorgeschichten, erläuterte Knaack.

Damit nicht genug – der zweite Prozesstag hatte weitere Ergebnisse parat: Die 1. Große Jugendkammer des Landgerichts entschied ebenfalls, dass die Tätertrennung bestehen bleibe. Zur Erinnerung: Drei der vier Angeklagten sitzen seit Monaten in Hameln, Braunschweig und Vechta in Untersuchungshaft. Der vierte Angeklagte darf sich auf freiem Fuß bewegen.

Die Unterbringung in verschiedenen Haftanstalten solle bestehen bleiben, „da sonst die Gefahr einer gemeinsamen Verteidigungsstrategie besteht“, sagte der Richter. Allerdings folgte das Gericht dem Antrag des Verteidigers von Iza I., die U-Haft für den jungen Mann ab Montag außer Vollzug zu setzen. Mit der Auflage, den Angeklagten angemessen in „sozialen Empfang“ zu nehmen. Konkret: Christian Rötschke von der Jugendgerichtshilfe wird eine Einzelfallbetreuung organisieren. Die Aussetzung der U-Haft sei möglich, da bei Iza I. nach Einschätzung der Kammer derzeit keine Wiederholungsgefahr der Taten bestehe.

Und noch etwas legte der Vorsitzende Richter fest: Die Sicherheitsverfügung, die auch entsprechende strenge Einlasskontrollen zum Gerichtssaal beinhaltet, gilt ab dem nächsten Verhandlungstag nicht mehr. „Eine konkrete Bedrohung sehe ich derzeit nicht“, begründete Knaack die Entscheidung.

Dass die Douglas-Bande nicht nur im Gerichtssaal ein Thema ist, wurde gestern Abend in Meyer’s Gasthaus in Hanstedt II deutlich. Der NDR war mit seiner Stammtischtour „Am Tresen“ zu Gast und beleuchtete mit Uelzens Bürgermeister Otto Lukat, Polizeichef Dieter Klingforth, Jens Grünewald-Steiger vom Einzelhandelsverband Harz-Heide sowie Bürgern die Situation rund um das Thema Jugendkriminalität. Am Ende waren sich unter der Moderation von Sven Tietzer alle Beteiligten einig, dass Zivilcourage und Achtsamkeit unter den Mitmenschen wichtig seien, um kriminelle Auswüchse künftig auch in Uelzen zu verhindern.

Von Andreas Becker

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