So verlief die Schicksalswoche für das Uelzener Theater an der Ilmenau

Ein Drama in drei Akten

Dunkle Wolken hängen in diesen Tagen über dem Theater an der Ilmenau. Für die Spielstätte war es eine Schicksalswoche.

Uelzen. Als Ute Lange-Brachmann gestern Morgen am Frühstückstisch die Zeitung aufschlug, musste sie erst einmal schlucken.

„Dass das Theater geschlossen ist, habe ich aus der Zeitung erfahren“, berichtet die Vorsitzende des Kulturkreises Uelzen, der im vergangenen Jahr 32 der 62 Veranstaltungen ins Theater an der Ilmenau geholt hat.

Dieses Kuriosum ist sinnbildlich für die Ereignisse in der vergangenen Woche, der Schicksalswoche des Uelzener Theaters.

Dienstag: Der Gutachter der Dekra, der im Februar 2017 der Stadt noch bescheinigt hat, dass das Theater – unter Auflagen – betriebssicher ist, überprüft im Auftrag der Verwaltung erneut die Bühnentechnik. Er kommt nun zu dem Ergebnis, dass ein sicherer Spielbetrieb nicht mehr gewährleistet werden kann.

Mittwoch: Der Betriebsausschuss Gebäudewirtschaft kommt zusammen. Es geht um die mittelfristigen Investitionen an den Gebäuden, die im Besitz der Stadt sind. Dazu zählt auch das Theater, dessen technischer Leiter Fritz-Eckhard Müller ebenfalls anwesend ist. Der Ausschuss möchte das Thema Theater an der Ilmenau im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung besprechen.

Doch dann platzt es aus Mitglied Susanne Niebuhr (WIR für Uelzen) heraus: „Das Theater hat seit gestern keinen TÜV mehr!“ Uelzens Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull versucht, zu beschwichtigen: „Da haben Sie etwas in den falschen Hals gekriegt.“ Doch das glaubt Susanne Niebuhr nicht: „Laut TÜV dürfen seit gestern keine Veranstaltungen mehr im Theater stattfinden. Sicherheit geht vor! Das trage ich nicht mit!“

Donnerstag: Die WIR-für-Uelzen-Fraktion teilt dem Bürgermeister Jürgen Markwardt am Morgen schriftlich mit, dass sie eine weitere Bespielung des Theaters ablehnt. Vertreter der Stadtverwaltung besichtigen das Theater. Kurz vor 16 Uhr gibt die Stadt eine Pressemitteilung heraus: Das Theater wird bis aus Weiteres geschlossen. Die für 19 Uhr geplante Veranstaltung mit 140 Jugendlichen im Rahmen der Woche der Diakonie fällt aus.

Wegen der kurzfristigen Absage standen Besucher am Abend vor einem verschlossenen Theater. Die Enttäuschung war groß. Und wie bei Susanne Niebuhr macht sich bei den Beteiligten am kulturellen Leben in Uelzen Empörung breit.

Von Sandra Hackenberg

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