Schluss mit der Dorfidylle?

Riestedt protestiert gegen Rastanlage in Nachbarschaft

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Riestedt, rechts daneben die Anschlussstelle Stöcken und unten die große Rastanlage.

Uelzen/Riestedt – Riestedt ist mit einer über 1000-jährigen Geschichte eines der ältesten Dörfer Uelzens. Jetzt soll im Zuge des Autobahnbaus in nur 800 Metern Entfernung eine Rastanlage entstehen, die doppelt so groß ist wie die Fläche des Ortes. Die Riestedter wehren sich dagegen.

Es gibt Ortschaften und Städte, die hoffen vom Bau der Autobahn 39 zu profitieren, und es gibt Dörfer, die sich als Verlierer des Lückenschlusses zwischen Lüneburg und Wolfsburg sehen. Die kleine Ortschaft Riestedt im Osten Uelzens gehört zu den Letzteren. Die A 39-Trasse wird nur 360 Meter vom Dorf entfernt verlaufen, einen Lärmschutz gibt es nicht. Quasi nebenan entsteht eine Anschlussstelle, die für deutlich mehr Verkehr sorgen wird. Und in nur 800 Meter Entfernung ist eine Rastanlage für 100 Autos und 300 Lastwagen geplant, durch die eine Fläche doppelt so groß wie Riestedt selbst zubetoniert wird.

Petra Merz ist eine Ur-Riestedterin. Auch ihre Großeltern haben schon in dem Uelzener Ortsteil gelebt, die Hofchronik geht zurück bis ins Jahr 1590. Eigentlich sind Widerstand und Proteste nicht ihr Ding, auch den Bau der Autobahn 39 hat die 44-Jährige akzeptiert. Doch als jetzt im Dezember die Detailpläne für die Rastanlage vorgestellt wurden, da war ihr klar: „Das lassen wir nicht mit uns machen.“

Und die Riestedter sehen es geschlossen genauso. Ob Landwirte, Geschäftsleute oder Hinzugezogene, die eigentlich die Beschaulichkeit des Dorfes gesucht haben – sie haben unterzeichnet. 89 Einwohner zählt Riestedt, davon 80 Erwachsene. „71 haben schon unterschrieben, alle habe ich noch nicht erreicht“, schildert Petra Merz.

Die Unterschriften sollen für eine Petition verwendet werden, die an Bundes- und Landtag, sowie die hiesigen Bundes- und Landtagsabgeordneten geht. Denn während die Vorentscheidung für einen Trassenverlauf der A 39 gefallen ist, gilt dies für die Positionierung einer Rastanlage nicht. Und die Liste der Argumente, warum Riestedt nicht in Frage komme, sei lang.

Da ist zum einen der hohe Flächenbedarf bei einem der besten Böden im Umkreis. „Hier würden nur 800 Meter vom Ort entfernt die begehrtesten Äcker zubetoniert mit einem entsprechenden Landverlust“, sagt Merz.

Ich kann Ihre Sorgen nicht zerstreuen

Bürgermeister Markwardt

Dazu kämen die Beeinträchtigungen der Lebensqualität durch Feinstaub, Licht und Lärm von der Anlage.

Neben der Zerstörung der Landschaft würden auch Riestedt und Rätzlingen voneinander abgeschnitten, da der Verbindungsweg gekappt würde. Die Orte sind aber unter anderem eine gemeinsame Kirchengemeinde, mit Kirchen- und Posaunenchor, Vereinen, Feuerwehren...

Nicht zuletzt aber würde die Lage der Raststätte nach Einschätzung der Riestedter nicht den Vorgaben des Bundesfernstraßengesetzes entsprechen, das einen Regelabstand von höchstens 50 bis 60 Kilometern zwischen Anlagen vorsehe.

Von Riestedt bis zur nächsten Anlage vor Wolfsburg seien es jedoch fast 70 Kilometer, in nördlicher Richtung sogar noch mehr. Nur bei geringem Fernverkehr seien größere Abstände zulässig – „aber wenn nur wenig Verkehr erwartet wird, bräuchten wir gar keine Autobahn“, so Merz.

Ihren Protest haben die Riestedter bereits kurz vor Weihnachten auch an Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt schriftlich übermittelt. Doch auf dessen Unterstützung können die Riestedter nicht zählen: „Ich fürchte, dass ich Ihre Sorgen nicht hinlänglich zerstreuen kann“, schrieb dieser. „Sowohl Politik und Verwaltung als auch ich als Bürgermeister (...) haben uns immer eindeutig pro A 39 und dazugehörige gewerbliche Anlagen positioniert.“

VON THOMAS MITZLAFF

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