Anklage sieht besondere Schwere der Schuld

Doppelmord-Prozess in Lüneburg: Lebenslang gefordert

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Nach der Tat sicherte die Polizei in der Lüneburger Wohnung Spuren.

dpa Lüneburg. Im Lüneburger Prozess um den gewaltsamen Tod einer Frau und deren Freundin hat die Staatsanwaltschaft gestern für den Ehemann lebenslange Haft wegen zweifachen Mordes gefordert.

Darüber hinaus solle das Landgericht eine besondere Schwere der Schuld feststellen.

Nach Auffassung der Anklage hatte der Jeside zugestochen, weil seine 32 Jahre alte Frau ihn verlassen und Christin werden wollte. Die ein Jahr ältere Freundin, Mitglied einer Freikirche, habe er dafür mitverantwortlich gemacht.

Der Angeklagte habe am 4. Januar in der Wohnung des Ehepaares erst die Freundin und dann seine Frau getötet, zeigte sich Oberstaatsanwalt Jochen Kaup überzeugt. Ursprünglich habe der Mann nur die Bekannte töten wollen. Doch als die zunächst im Badezimmer eingeschlossene Ehefrau laut um Hilfe schrie, habe er auch auf sie eingestochen, um nicht entdeckt zu werden.

Der Angeklagte hatte gestanden, die Frauen erstochen zu haben, eine geplante Tat aber bestritten. Er sei unter Druck gesetzt worden, den christlichen Glauben anzunehmen. Jesidentum sei Teufelsanbeterei, habe seine Frau gesagt. Auch die Freundin habe Jesiden als „Gottlose“ bezeichnet. Die beiden hätten ihn vor die Tür setzen und die Kinder nehmen wollen. So sei es zu einem Handgemenge gekommen, bei dem er zugestochen habe. Der Staatsanwalt nannte das „wenig glaubwürdig“. So habe sich der Angeklagte durchaus schon früher gewalttätig gegenüber Frau und Kindern gezeigt. Auch sei die Freundin als tolerant gegenüber anderen Kulturkreisen bekannt gewesen.

Nach dem Ehemann war wochenlang europaweit gesucht worden. Er wurde dann in Hamburg verhaftet.

Die Verteidigung wird voraussichtlich am kommenden Donnerstag plädieren, dann könnte auch schon das Urteil fallen. Sollte die Kammer bei einer Verurteilung eine besondere Schwere der Schuld feststellen, wäre eine Freilassung bereits nach 15 Jahren nur in Ausnahmefällen möglich. Auch die vier Nebenkläger-Anwälte schlossen sich gestern der Forderung an.

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