Doppel-Streik am Morgen

In der Bahnhofsmission gab es heißen Kaffee – manch Fernreisende mussten stundenlang im Uelzener Bahnhof ausharren.

Uelzen. Gestresste Pendler, gestoppte Fracht: Der bisher heftigste Streik der Lokführergewerkschaft GDL hat den Güter- und Personenverkehr in Deutschland am Donnerstag massiv getroffen. Am frühen Morgen fielen bundesweit etliche Güter- und Pendlerzüge aus. Zudem konnte jeder dritte Fernzug nicht starten, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Im Güterverkehr, der seit Mittwochabend lahmgelegt wurde, blieben Hunderte Züge stehen. Die Deutsche Bahn kritisierte die Eskalation des Arbeitskampfes und forderte weitere Verhandlungen. Leidtragende waren wieder einmal die vielen tausend Pendler, die diesmal keine Chance hatten, auf frühere Verbindungen auszuweichen.

Viele Reisende kamen auf gut Glück am Morgen zum Uelzener Bahnhof. Denn es war vorab praktisch unmöglich zu erfahren, ob und welche Metronom-Züge in Richtung Hamburg und Hannover verkehren würden. Zwar war die kostenlose Hotline der Bahn durchaus erreichbar, dort aber bekam man nur Auskunft über die Intercity-Züge – und auch auf der Homepage der Bahn mit den aktuellen Abfahrtszeiten waren nur Informationen über Züge der Deutschen Bahn zu bekommen. „Die Privatbahnen überspielen ihre Daten nicht an uns, deshalb haben wir sie nicht in unser System aufgenommen“, erklärte ein Bahnsprecher auf AZ-Nachfrage und verwies auf die Internetseiten der einzelnen Unternehmen. Auf der Metronom-Homepage aber war nur ein allgemeiner Hinweis zu finden, dass es wegen des Streiks zu Zugausfällen käme.

Wer nicht das Glück hatte, einen der wenigen Züge zu erreichen, die tatsächlich noch fuhren, konnte sich zumindest über einen heißen Kaffee in der Bahnhofsmission freuen.

Von 4 bis 10 Uhr dauerte der Streik, die Folgen waren aber noch den ganzen Tag zu spüren. So hatten viele Metronom-Züge die nächtlichen Abstellgleise gar nicht erst verlassen und mussten zunächst zu ihren Startbahnhöfen fahren.

„Wir werden bestreikt, ohne dass die GDL bisher solange Forderungen an Metronom gestellt hätte“, erklärte Geschäftsführer Wolfgang Birlin. Er bat um Verständnis, „dass uns die Hände gebunden sind, solange die GDL die Aufnahme von Gesprächen zum bei Metronom für alle Mitarbeiter geltenden firmenbezogenen Verbandstarifvertrag verweigert“. Die Gewerkschaft verlangt höhere Löhne und einen Flächentarifvertrag für alle 26 000 Lokführer im Nah-, Fern- und Güterverkehr. Seite 11

Von Thomas Mitzlaff

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