Von Woche zu Woche

Dörfer entdecken den Wochenmarkt

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Marktbeschickerin Christa Körtke (links) freut sich, dass der Wierener Einkaufs-Treffpunkt gut angenommen wird.

 Wochenmärkte – gleich drei Mal nahm sich die AZ in dieser Woche dieses Themas an und das ist kein Zufall. Denn es steht ziemlich weit oben auf der Liste, wenn man die Menschen fragt, was für sie Lebensqualität auf dem Lande ausmacht.

Klar, da ist schnelles Internet unverzichtbar und auch eine gute ärztliche Versorgung ist in Zeiten des demografischen Wandels in ländlichen Regionen wichtiger denn je. Aber mindestens genauso wichtig ist das Thema Einkaufen – und mehr noch: Qualität einkaufen, möglichst Waren aus der Region.

AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff

Und deshalb ist es gut und richtig, dass sich die Kommunalpolitik aktuell intensiv Gedanken macht, wie sie Händler und Kunden in die Ortschaften locken kann. Beispiel Ebstorf: Dort will man jetzt versuchsweise den Beschickern für ein halbes Jahr die Standgebühren zu erlassen, um dem Abwärtstrend beim Angebot entgegen zu wirken. Das ist ein Anfang, doch eine solche Maßnahme greift natürlich nicht allein, sondern sie muss in ein Gesamtkonzept gepackt werden. Jetzt gilt es, nicht bei dieser einen Entscheidung stehen zu bleiben, sondern die Angelegenheit grundsätzlicher anzugehen. Ist es wirklich unmöglich, auch zu Zeiten einen solchen Markt zu organisieren, zu denen auch Berufstätige das Angebot nutzen können?

Einen Schritt weiter ist man da schon im kleineren Wieren, wo der Trend ein völlig gegenteiliger zu Ebstorf ist: Während man im Flecken versucht, den schleichenden Niedergang des Wochenmarktes zu verhindern, ist der erst ein Jahr junge „Einkaufs-Treffpunkt“ in Wieren offenbar auf einem guten Weg. Bürger selbst haben ihn ins Leben gerufen und er entwickelt sich nicht nur zu einer guten Einkaufs-Plattform, sondern auch tatsächlich zu einem Treffpunkt. Eingebettet wird der Markt in viele Aktionen und Standgebühren werden hier ohnehin nicht erhoben. In Wieren liegt es nun an den Menschen aus dem Umland, durch ihr Kaufverhalten die Händler weiter anzulocken.

Das klappt, natürlich unter ganz anderen Voraussetzungen, die eine Kreisstadt nunmal hat, in Uelzen offenbar besser denn je. Wer am heutigen Sonnabend durch die Marktstraßen schlendert, kann sich selbst ein Bild davon machen. Regionale Vielfalt, dichter Andrang, Gelegenheit zum guten Einkauf und interessanten Klönschnack.

Und es führt langfristig zu Geschichten wie jene dieser Woche, in denen eine Käseverkäuferin aus ihrer 40-jährigen Tätigkeit berichtet. Eine Geschichte auch über Lebensqualität auf dem Lande.

Von Thomas Mitzlaff

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