Nach zwei tödlichen Badeunfällen: Stadt sieht Organisationsprobleme

DLRG befürwortet Aufsicht

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Uelzen/Landkreis. Zwei Menschen sind binnen 48 Stunden in Badeseen des Landkreises Uelzen ertrunken: Ein 53-Jähriger starb am Dienstag im Oldenstädter See, am Donnerstag ließ ein 18-Jähriger im Hardausee bei Suderburg sein Leben.

Die beiden Badeunfälle haben aktuell eine Diskussion über die Sicherheit an Seen und die Schwimmfähigkeit von Badegästen entfacht.

„Vor allem der Hardausee ist nicht ungefährlich“, warnt Dominik Wolf, Meister für Bäderbetriebe in der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf. „Der See ist recht kalt und hat wegen der durchfließenden Hardau eine Strömung.“ Und die sollte man keinesfalls unterschätzen, sagt er, vor allem, wenn man weiter auf den See hinaus schwimme. „Wer von der Sonne aufgeheizt in den See geht und in kalte Bereiche schwimmt, kann schnell einen Kreislaufzusammenbruch erleiden“, weiß Wolf.

Deshalb weisen er und seine Kollegen auch stets auf geltende Baderegeln hin. „Da gibt es viele Faktoren: Hat man gar nichts gegessen oder gerade etwas gegessen? Hat man lange in der Sonne gelegen? Schätzt man seine Kräfte richtig ein?“, so Wolf. Wer in einem See badet, muss außerdem beachten, dass er – anders als im Schwimmbad – auf sich allein gestellt ist. Und passieren könne immer etwas, weiß Dominik Wolf. „Zum Beispiel, wenn man sich an Wasser verschluckt hat – dann machen die sogenannten Stimmritzen den Hals zu. Und es kann einige Minuten dauern, bis sich so ein Krampf wieder löst.“

Grundsätzlich habe er aber auch festgestellt, dass die Schwimmfähigkeit der Menschen stetig abnehme. „Vor allem in den Schwimmkursen für Kinder sehen wir das ganz deutlich“, sagt der Badeexperte. Die körperlichen Grundvoraussetzungen seien kaum noch vorhanden, viele Kinder hätten Probleme, das Gleichgewicht zu halten. Und manche Grundschüler könnten überhaupt nicht schwimmen. „Da haben wir manchmal welche, die noch schnell vor der ersten Klassenfahrt einen Schwimmkursus besuchen“, berichtet Wolf.

Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre, kann sich Dominik Wolf erinnern, habe es am Hardausee einen Aufsichtsposten der DLRG gegeben, der dann aber eingestellt wurde. „Das ist natürlich eine Kostenfrage“, sagt er, „und Ehrenamtliche zu finden, ist heutzutage ja auch nicht gerade einfach.“ Wünschenswert wäre eine Sommer-Aufsicht an Badeseen aber allemal.

Der Meinung ist auch der Bezirksleiter der DLRG, Peter Müller. „Ich gehe mal davon aus, dass vom Landkreis her der Ruf nach der DLRG kommen wird“, vermutet er. „Zwei Ertrunkene – das ist kein gutes Bild für den Landkreis.“ Die DLRG bilde Rettungsschwimmer für den Wachdienst aus, zudem gebe es spezielle Wachgänger. Dass diese eingesetzt werden, sei möglich. Allerdings müsste darüber nachgedacht werden, wie der Dienst eingeschränkt wird, welche Seen zu welchen Uhrzeiten gegebenenfalls beaufsichtigt werden.

„Es ist furchtbar, was passiert ist, und unser Mitgefühl gilt den Angehörigen“, sagt Stadtsprecherin Ute Krüger zu den tragischen Vorfällen. Bislang sei vergeblich nach Möglichkeiten für Badeaufsichten gesucht worden. „Die Stadt sieht sich nicht in der Lage, eine Aufsicht am O-See zu gewährleisten – dies ist besonders schwierig, weil der See rund um die Uhr zugänglich ist.“ Sie weist darauf hin, dass das Schwimmen auf eigene Gefahr erfolge. Im Laufe der vergangenen Jahre sei der Pflanzenbewuchs im O-See stärker geworden, betont sie. Das bewirke zwar eine verbesserte Sichttiefe, da die Pflanzen das Wasser reinigen. Seitdem werde der See jedoch einmal im Jahr im Spätsommer oder Herbst gemäht. „Derzeit prüfen wir in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde, dem Landkreis Uelzen, vorsorglich, ob das Mähen im Schwimmbereich vorgezogen werden sollte.“

Von Ines Bräutigam und Diane Baatani

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